19/10/2026 0 Kommentare
Ansprüche von Gott - Kolumne von Superintendent Heinrich Fucks
Ansprüche von Gott - Kolumne von Superintendent Heinrich Fucks
# Hintergrundberichte und Schwerpunktthemen

Ansprüche von Gott - Kolumne von Superintendent Heinrich Fucks
„Vor einiger Zeit zeigte sich ein Mitglied einer evangelischen Vereinigung verunsichert. Gerade hatte ich erwähnt, dass Gott an die Kirche, den Staat und einzelne Menschen Ansprüche stellen könnte – so wie er es mit den 10 Geboten macht. Das schien ihm neu: „Gott darf mir sagen, was ich zu tun habe?“ Er schien darüber ebenso verwundert, wie jene, die meinen, dass die Kirche sich nicht politisch äußern dürfe.
Als Christ bin ich der Überzeugung, dass mir erst mal niemand etwas zu sagen hat außer Gott. (Mit einem Vers aus der Bibel: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. – Apostelschichte 5,29) Das sehen meine atheistischen Freunde übrigens ähnlich. Also gäbe es Gott – so finden sie – dann hätte er etwas zu sagen und wir sollten darauf hören. Dann wiederholen sie mit Augenzwinkern – falls es ihn gäbe.
Christinnen und Christen orientieren sich im Blick auf ihr Handeln an Gott und an dem Buch, in dem Erfahrungen mit Gott gesammelt sind, der Bibel. In der Bibel finden wir Orientierung. Auf wen sollen wir hören, wofür sollen wir uns einsetzen. Im 1. Kapitel beim Propheten Jesaja heißt es: „Lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!“ Das dürfte fraglos auch jetzt gelten.
So klar und einfach ist es nicht immer. Die Bibel ist kein Handbuch, aus dem man eins zu eins Anweisungen übernehmen könnte – zumal politische. Deshalb findet man Christinnen und Christen auch in unterschiedlichen Parteien und sie vertreten nicht nur eine Position.
Gleich gültig sind die unterschiedlichen Positionen nicht. Wir geben uns Mühe, der Wahrheit nahe zu kommen und Antworten auf die Fragen zu finden, die in der Gegenwart Bedeutung haben. Das kostet Zeit, bedeutet Einsatz und Mühe. Es geht nicht immer ohne Streit. Immer braucht es den Willen, aufeinander zu hören und in fairem Austausch zu sein. So kommen nicht nur Christinnen und Christen zu ihren Positionen, so kommt auch die Kirche zu ihren politischen Äußerungen – wenn es gut läuft.
Deshalb setzen sich Christinnen und Christen in Gottes Namen für Demokratie, Menschenrechte und den Rechtsstaat ein."
Dieser Beitrag ist am 16. Oktober in der Rheinischen Post als Kolumne "Auf ein Wort" erschienen.
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