Osterbotschaft: Superintendent Heinrich Fucks zum Thema Dankbarkeit

Osterbotschaft: Superintendent Heinrich Fucks zum Thema Dankbarkeit

Osterbotschaft: Superintendent Heinrich Fucks zum Thema Dankbarkeit

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Osterbotschaft: Superintendent Heinrich Fucks zum Thema Dankbarkeit

Superintendent Heinrich Fucks teilt in der Osterbotschaft seine Gedanken mit uns:

Mit dem Palmsonntag hat die Karwoche begonnen. Nach sechs Wochen, in der wir uns an das Leben, Leiden und Sterben Jesu in besonderer Weise erinnern, ist die Passionszeit an ihren Höhepunkt gelangt. Das Evangelium für den Palmsonntag war die Salbung in Betanien nach dem Markusevangelium (Kapitel 14). Das Kapitel beginnt mit der Beratung der Gegner Jesu, wie sie ihn denn töten könnten. Dann folgt die Salbung in Betanien, einem kleinen Ort vor den Mauern Jerusalems. Nach dieser Geschichte eilt die Passionsgeschichte im Markusevangelium rasch weiter und schildert die Verabredung des Verrates durch Judas, gefolgt durch die Schilderung des letzten Abendmahls.

Die Passionsgeschichte hat ein hohes Tempo - rasant. So wie die Zeiten, in die wir geraten sind, scheinbar ungebremst voraneilen und nicht zum Besseren. Die Geschichte von der Salbung war für mich ein Moment des Innehaltens und Aufhorchens. In der Vielfalt unterschiedlicher Töne und Misstöne ist uns diese alte Geschichte zu einem kostbaren Zwischenton geworden, der ganz eigene Saiten in uns anklingen ließ.

Die Salbung Jesu

Die Geschichte: Bei einer Zusammenkunft in Betanien betritt eine unbekannte Frau die Gesellschaft. Ohne ein Wort zu verlieren, salbt sie den Kopf Jesu mit Nardenöl. Nardenöl, dessen Wert dem Jahresgehalt eines Arbeiters entspricht. Ein Teil der Anwesenden empört sich deshalb. Wozu diese Salbung gut sein soll, ist auslegungsbedürftig.  Es gab viele Gründe einen Menschen zu salben: eine freundliche Geste eines Gastgebers, die Auszeichnung eines besonderen Menschen wie einen König oder den Messias oder die Salbung der Toten. So deutet Jesus die Salbung: ‚Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.‘ Von Ostern her legt sich nahe, dass es sich um die Salbung zum Messias handeln könnte, dem Gesalbten - auf Altgriechisch - Christos.

Dankbarkeit für Jesu Leben und Wirken

Es könnte aber auch sein, dass die Frau Jesus mit dem überaus teurem Öl aus einem anderen Grund gesalbt hat - Dankbarkeit. Es könnte sein, dass in dieser verschwenderischen Geste der Dank für sein Leben und Wirken liegt. Diese Deutung geht mir sehr nahe. In dieser Verschwendung kann ich es nicht zum Ausdruck bringen. Gemeinsam mit dieser Unbekannten bin ich in diesem Jahr außerordentlich dankbar für das Leiden, Leben, Sterben Jesu - und seine Auferstehung. Ich bin dankbar für die biblischen Geschichten in all ihrer Fülle. Ich bin dankbar für all die Kraft und all das Leben, das in diesen Geschichten liegt und sich in uns entfaltet. In besonderer Weise empfinde ich Trost inmitten des Wahnsinns, in den wir geraten sind. Zuversicht und Hoffnung wachsen mir aus der erstaunlichen Güte und Treue Gottes, die darin zum Ausdruck kommen. 

Ich traue mich, den Mund voll zu nehmen. Wir sind nicht von Gott verlassen - das Grab ist leer. Grund genug, den Mut zu bewahren. Mein Herz ist weit geworden zu Füßen dieser alten Geschichte. Ich finde Frieden in friedlosen Tagen bei dem, dem wir alle so viel zu verdanken haben und hege die Hoffnung auf mehr Frieden. 

Ihnen und Ihren Lieben, Euch und Euren Lieben wünsche ich Muße und Zeit zur Besinnung, eine gesegnete Karwoche und frohe Ostertage.

Seien Sie, seid von Herzen gegrüßt und geleite uns alle Gott durch diese Zeit in seinen neuen Morgen.

Ihr / Euer

Heinrich Fucks

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