Konstituierende Sitzung des Rates der Religionen Düsseldorf

Konstituierende Sitzung des Rates der Religionen Düsseldorf

Konstituierende Sitzung des Rates der Religionen Düsseldorf

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Konstituierende Sitzung des Rates der Religionen Düsseldorf

Der neu gegründete Rat der Religionen kam am Mittwoch, 6. Mai 2026, im Plenarsaal des Rathauses zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Hauptziele des Gremiums sind es, die Zusammenarbeit untereinander und mit den städtischen Einrichtungen zu vertiefen, gemeinsame Interessen abzustimmen und die religiösen Gemeinschaften Düsseldorfs nach außen zu vertreten.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller begrüßte die Sitzungsteilnehmenden. Nach einer kurzen Ansprache durch Superintendent Heinrich Fucks wurde gemeinsam das Gebet der Nationen gebetet.

Bei der anschließenden Wahl wurde Dr. Martin Fricke (Evangelische Kirche Düsseldorf) zum Vorsitzenden gewählt, Redouan Aoulad Ali (Kreis der Düsseldorfer Muslime) als sein Stellvertreter, Bert Römgens (Jüdische Gemeinde Düsseldorf) als Kassenwart und Jan Marc Nottelmann-Feil (Eko-Haus) als Beisitzer.

Der Rat der Religionen fördert den Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und der Stadtgesellschaft und nimmt aus einer religiösen Sicht Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Themen der Stadt. Er setzt sich für das friedliche und gleichberechtigte Miteinander aller Düsseldorferinnen und Düsseldorfer ein, indem er Vorurteilen, Diskriminierung und Gewalt entgegenwirkt.

Finanziert wird der Rat durch Mitgliedsbeiträge der einzelnen Religionsgemeinschaften. Die Religionsgemeinschaften entsenden nach einem in der Satzung festgelegten Schlüssel Repräsentantinnen und Repräsentanten in den Rat, der aus maximal 25 Mitgliedern bestehen soll. Der Rat wird durch den Vorstand vertreten.

Folgende Religionsgemeinschaften sind bisher Teil des Rates der Religionen: Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Kreis der Düsseldorfer Muslime, Jüdische Gemeinde und Buddhistische Gemeinschaft Jôdo Shinshû. Auch die anderen Religionsgemeinschaften sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.


Superintendent Heinrich Fucks vom Evangelischen Kirchenkreis bei seiner Rede bei der Konstituierenden Sitzung des Rates der Religionen im Plenarsaal


Ansprache von Heinrich Fucks, Superintendent der Evangelischen Kirche in Düsseldorf, im Rahmen der konstituierenden Sitzung:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Stephan,
sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Ehrengäste und Gäste,
liebe Freundinnen und Freunde des interreligiösen Dialogs,

Düsseldorf ist eine plurale Stadt – eine Stadt der Kirchtürme und Moscheen, der Synagoge und Tempel, der Menschen aus unterschiedlichen Glaubenstraditionen. Diese Vielfalt ist ein kostbares Gut, das uns anvertraut ist.

Die Idee eines Rates der Religionen begleitet Düsseldorf seit den 2010er-Jahren. 2019 nahm sie konkrete Form an, doch die Pandemie unterbrach die Planungen.

Im September 2025 schließlich gründeten Vertreterinnen und Vertreter der Jüdischen Gemeinde und der buddhistischen Gemeinschaft (EKO-Haus) des Kreises der Düsseldorfer Muslime und der katholischen und evangelischen Kirche,  den Rat der Religionen Düsseldorf – einen Ort, an dem die religiöse Vielfalt unserer Stadt eine gemeinsame Stimme erhält.

Der Rat der Religionen will seinen Beitrag zur Verbesserung des Zusammenlebens: untereinander wie auch in der Stadtgesellschaft leisten.

Dieser Auftrag ist in unseren Heiligen Schriften angelegt:

Die Tora beginnt mit den Worten: „Und Gott schuf den Menschen als sein Abbild" (Gen 1,27). Jeder Mensch trägt das Bild Gottes in sich – ob Jude, Christ, Muslim oder Buddhist. Und das Deuteronomium weitet diesen Blick: „Ihr sollt den Fremdling lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen" (Dt 10,19). Die Erinnerung an die eigene Fremdheit wird zum Grund für Gastfreundschaft. Der Prophet Micha fasst es in drei Worte: Gerechtigkeit üben, Güte lieben, demütig leben (Mi 6,8).

Das Evangelium formuliert diesen Auftrag so: „Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen" (Mt 5,9). Und Paulus ergänzt nüchtern und realistisch: „Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! (Röm 12,18 E)"

Der Koran spricht mit beeindruckender Klarheit: „Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt" (Sure 49,13). Nicht: damit ihr euch toleriert. Sondern: damit ihr euch kennenlernt und wirklich begegnet. Die Vielfalt der Religionen und Kulturen ist kein Problem, das Gott in die Welt gestellt hat – sondern ein Auftrag. Und weiter heißt es in Sure 5,48: „Wetteifert miteinander in guten Werken."

Das Dhammapada schließlich – die älteste buddhistische Lehrschrift – verkündet: „Hass kann man niemals durch Hass auflösen. Nur durch liebende Güte lässt sich Hass auflösen." Das Metta-Sutta beschreibt das Ideal: „Wie eine Mutter ihr einziges Kind mit ihrem eigenen Leben beschützt, so möge man allen Wesen gegenüber ein unermessliches Herz kultivieren." Dieses unermessliche Herz wollen wir im Rat der Religionen gemeinsam einüben.

Düsseldorf hat bereits gezeigt, was möglich ist: der gemeinsame Toleranzwagen im Rosenmontagszug, interreligiöse Friedensgebete, das multireligiöse Gebet zur Eröffnung des Stadtrats. Diese öffentlichen Zeichen machen sichtbar: Die religiöse Vielfalt dieser Stadt ist keine Verwaltungsaufgabe – sie ist gelebte Wirklichkeit.

Der Friede, um den es geht, ist kein Friede ohne Konflikte. Als am 7. Oktober 2023 der Angriff der Hamas die Welt erschütterte, blieben Muslime, Juden, Christen und Buddhisten in Düsseldorf zusammen. Sie rangen und ringen miteinander – und sie blieben verbunden und bleiben im Gespräch. Das ist der Friede, den Psalm 34 meint: „Suche Frieden und jage ihm nach." Ein Friede, der erarbeitet, errungen und erbeten werden muss.

Der Theologe Hans Küng hat es auf den Punkt gebracht: „Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden." Das gilt auch für Düsseldorf: Kein Friede in unserer Stadt ohne den Dialog der Religionen. 

Die Heiligen Schriften weisen uns alle in dieselbe Richtung:

Die Tora sagt: Liebe den Fremden – du kennst das Fremdsein.

Das Evangelium sagt: Handle als Friedensstifter.

Der Koran sagt: Lernt einander kennen – das ist Gottes Wille.

Das Dhammapada sagt: Überwindet Hass durch liebende Güte.

Der Rat der Religionen Düsseldorf ist der Ort, an dem diese Worte Gestalt annehmen. Kommen Sie mit. Setzen Sie sich an diesen Tisch. Dieser Weg führt zusammen.

Dank gilt allen, die diesen Weg begleitet haben: namentlich – Dirk Sauerborn.

Danke für die Vorbereitung hier im Hause: insbesondere Yvonne von der Brüggen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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