Garath im Fokus: Protest gegen völkische Ideologie

Garath im Fokus: Protest gegen völkische Ideologie

Garath im Fokus: Protest gegen völkische Ideologie

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Garath im Fokus: Protest gegen völkische Ideologie

Im Düsseldorfer Stadtteil Garath hat sich am Abend des 23. Februar 2026 ein breiter, gesellschaftlicher Protest gegen den Besuch des thüringische AfD-Vorsitzenden Björn Höcke formiert. Unter dem Leitgedanken der Nächstenliebe und der demokratischen Wachsamkeit versammelten sich Bürger*innen sowie Vertreter'innen von Religionsgemeinschaften und Politik, um deutlich zu machen: Für Spaltung und Ausgrenzung ist in diesem Stadtteil kein Platz.

Zum Auftakt zeichnete Gemeindepfarrer Carsten Hilbrans ein differenziertes Bild des Stadtteils. Er beschrieb die in den 1960er Jahren errichtete Trabantenstadt als einen Ort, der zwar durch einfache Einkommensverhältnisse geprägt sei, jedoch nicht pauschal als „sozialer Brennpunkt“ bezeichnet werden könne. Vielmehr schilderte er aus seinen Begegnungen ein verbreitetes Gefühl der Benachteiligung unter den Bewohnern. Mit Blick auf die vergangenen Wahlergebnisse – die AfD wurde im Stadtbezirk mit rund 30 Prozent der Stimmen stärkste Kraft – betonte Hilbrans: „Das ist mehr als ein Protestschrei – es ist eine Sehnsucht nach Respekt und Gesehenwerden.“

Gleichzeitig hielt der Pfarrer fest, dass sich in Garath viele Menschen „mit ganz viel Herzblut für Mitmenschlichkeit“ engagieren. Das Ziel der interreligiösen Versammlung in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche sei es, einen Raum der Verbundenheit zu schaffen. Man wolle gemeinsam einfordern, „dass die Liebe hochgehalten wird für alle Menschen am Rande der Gesellschaft und der Existenz, für alle Minderheiten und für alle, die heute nicht hier sind.“

Bezirksbürgermeister Carsten Pütz betonte in seiner Begrüßung, dass in Garath Verantwortung übernommen werde: „Margot Friedländers Warnung ‚So hat es damals auch angefangen‘ nehmen wir hier sehr ernst.“

Ein klares Nein zu völkischem Nationalismus

Die christliche Position wurde durch Monsignore Oliver Boss unmissverständlich formuliert. Er betonte, dass völkischer Nationalismus mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar sei:

„Rechtsextreme Parteien können für Christ*innen kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind von ihnen nicht wählbar. Radikales Denken und Hass widersprechen der Botschaft Jesu und der Menschenwürde.“ Boss erinnerte zudem mahnend an die Rolle der Kirchen im Dritten Reich und verwies auf mutige Vorbilder wie den Namensgeber der Kirche, Dietrich Bonhoeffer, die ihrem Gewissen folgten.

Verantwortung statt Rückzug

Auch der Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM) positionierte sich deutlich. Redouan Alouad-Ali warnte davor, dass Höckes Sprache die Grundlagen der Verfassung angreife. Er betonte ein zentrales Gebot des Glaubens: Die Achtung des Nachbarn. „Der Nachbar ist nicht nur der, der glaubt wie ich, sondern der neben mir lebt. Ihm schulde ich Respekt, Schutz und Friedfertigkeit.“ Doch stünden

Muslime heute gleichermaßen unter dem Druck von religiösem Extremismus, der die Religion missbrauche, und von politischem Extremismus, „der uns pauschal zu Feindbildern erklärt.“  Beides lehne man entschieden ab. „Unsere Antwort ist kein Rückzug, sondern Verantwortung zu übernehmen. Denn wir stehen zusammen und gehen auch hier zusammen.“

Mahnung aus der Geschichte

Michael Szentei-Heise von der Jüdischen Gemeinde fand deutliche Worte zur Gefahr, die von der Ideologie der AfD ausgehe. „Diese völkisch-faschistische Ideologie hat dieses Land und die Welt bereits einmal in die Katastrophe gestürzt. Der Umgang des Dritten Reiches mit Juden und mit den angeblich minderwertigen Gruppen ist hinlänglich bekannt.“ Mit Blick auf die Wahlergebnisse in Garath mahnte er: „Für den Satz ‚Nie wieder ist jetzt!‘ ist es angesichts der Wahlerfolge bereits viel zu spät. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass dieser Trend gebrochen wird und wir schätzen lernen, was wir an unserer Demokratie haben.“

Geschlossen auf die Straße

Bevor sich die Teilnehmenden der voll besetzten Kirche geschlossen zum Protest auf der Straße aufmachten, hatte Superintendent Heinrich Fucks das Wort. Als Sprecher des Düsseldorfer Appells ging er auf die gesellschaftliche Stimmung ein und stellte fest: „Die Regeln des höflichen Umgangs werden missachtet. Heute wird provoziert, Fakten werden verdreht, es wird gelogen. ‚Wehret den Anfängen‘ – das ist vorbei. Die Feinde der Demokratie versuchen die rechtsstaatliche Ordnung und die Demokratie zu unterminieren. Sorge ist berechtigt.“

Mit Blick auf die zeitgleich begonnene Fastenzeit für Muslime und Christen betonte er: „Im Ramadan und in der Passionszeit wird deutlich, worauf es ankommt. So groß die Sorgen auch sind: Gott reicht uns die Hand. Er macht Mut zur Menschlichkeit. Hass hat nicht das letzte Wort. Wichtig ist jetzt, wofür wir stehen, wofür wir eintreten – mit klarem Verstand und brennendem Herzen.“ 

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