17/06/2026 0 Kommentare
Ein Leben für das „evangelische Profil“: Karl-Hermann Otto geht in den Ruhestand
Ein Leben für das „evangelische Profil“: Karl-Hermann Otto geht in den Ruhestand
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Ein Leben für das „evangelische Profil“: Karl-Hermann Otto geht in den Ruhestand
Nach mehr als drei Jahrzehnten engagierter Arbeit für Kinder und Jugendliche in Düsseldorf verabschiedet sich Karl-Hermann Otto am Freitag, den 19. Juni, in den Ruhestand. Der Leiter des Evangelischen Jugendreferats hat die offene und kommunale Jugendarbeit in der Landeshauptstadt geprägt, verhandelt und krisenfest gemacht. Der Gottesdienst zur Verabschiedung mit anschließendem Abschiedsfest findet um 16 Uhr in der evangelischen Christuskirche, Kruppstraße 11, statt. Das Motto des Gottesdienstes: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31,9).
Von den Anfängen im Siegerland bis nach Düsseldorf
Der gebürtige Siegener entdeckte seine Passion für die Arbeit mit Menschen schon früh durch sein ehrenamtliches Engagement als Kindergottesdiensthelfer und Jungscharleiter im CVJM. Nach dem Studium der Sozialarbeit in Mönchengladbach und Siegen zog es ihn, inzwischen als glücklich verheirateter Familienvater von zwei Töchtern, über Stationen in Olpe und Düsseldorf-Gerresheim im Jahr 1994 schließlich zum Jugendreferat des Kirchenkreises. Nach einem kurzen Intermezzo beim Landesjugendamt und der Leitung des evangelischen Jugendzentrums „ejuzo“ in Oberbilk übernahm er ab 2003 die (Teil-)Leitung und ab 2005 schließlich die vollständige Leitung des Jugendreferats.
Der Einstieg im Jahr 1994 war jedoch alles andere als ein leichtes Spiel: „Drei Stellen waren zuvor einige Jahre unbesetzt, wir mussten praktisch alles komplett neu aufbauen“, erinnert er sich rückblickend. Ein zentraler Meilenstein seiner Anfangsjahre war dann die Gründung des Trägerverbundes, dem Zusammenschluss der refinanzierten evangelischen Freizeiteinrichtungen. „Ab diesem Zeitpunkt konnten wir in Verhandlungen mit Stadt und Land erstmals mit einer Stimme sprechen. Bis dahin war es ein mühsamer Weg, der viel Überzeugungsarbeit verlangte.“
„Gott im Programm“
Besonders am Herzen lagen ihm stets zwei Dinge: die politische Schlagkraft der evangelischen Jugendarbeit und das inhaltliche Profil. Er denkt gerne an die Sommercamps auf Korsika zurück, bei denen unter seiner Regie jährlich bis zu 150 junge Menschen den Sommer verbrachten. Ebenso wichtig war ihm die Schärfung des kirchlichen Charakters der Arbeit:
„Wer seine Kinder bei uns für eine Sommerfreizeit anmeldet, darf sich nicht wundern, wenn bei uns Gott vorkommt.“
Dass die Düsseldorfer Jugendarbeit heute finanziell solide aufgestellt ist, ist auch seinem Einsatz beim ersten kommunalen Kinder- und Jugendförderplan im Jahr 2005 sowie dessen Fortschreibungen zu verdanken. Der aktuelle Plan ist gerade erst am 1. Januar 2026 in Kraft getreten. „Dieser Plan hat die Kinder- und Jugendarbeit damals aus der Depression ans Licht führen können“, betont er. Dadurch sei es gelungen, die Politik zu bewegen, deutlich mehr Geld bereitzustellen, was die Arbeit überhaupt erst planbar, entwickelbar und fachlich zukunftsfähig gemacht habe.
Blick in die Zukunft
Trotz aller Erfolge blickt der scheidende Leiter auch mit ernsten Gedanken auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Landschaft. Sorge bereiten ihm die wiederkehrenden Kürzungen durch Sparzwänge, aber vor allem die spürbaren gesellschaftlichen Verschiebungen:
„Immer wieder gibt es Einflussnahme, aktuell durch rechte Politik, auf die selbstverständliche Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Mitwirkungsrechte der Jugendverbände. Hier gilt ganz klar: Wehret den Anfängen!“
Auch Diskussionen um den Sinn und die Zielgruppen der offenen Jugendarbeit sieht er kritisch. Für ihn bleibt die Jugendarbeit ein unverzichtbares, offenes Angebot der Kirche an die gesamte Gesellschaft.
Für seinen neuen Lebensabschnitt nimmt er eine Fragestellung mit, die ihn sein gesamtes Berufsleben begleitet hat: Er frage sich auch weiterhin, wie es gelingen kann, „die farbigen Töne zwischen dem einfachen Schwarz und Weiß jungen Menschen vermitteln zu können.“ Karl-Hermann Otto geht „mit Stolz, Zufriedenheit und großer Dankbarkeit“ in den Ruhestand.
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