Mit den Händen sprechen: Gehörlosenseelsorger Josef Groß geht in den Ruhestand

Mit den Händen sprechen: Gehörlosenseelsorger Josef Groß geht in den Ruhestand

Mit den Händen sprechen: Gehörlosenseelsorger Josef Groß geht in den Ruhestand

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Mit den Händen sprechen: Gehörlosenseelsorger Josef Groß geht in den Ruhestand

Viele kopierte Bilder von Gebärden, zusammengeklebt mit einzelnen Abschnitten des Predigttextes – so fing alles an. Wenn Josef Groß am 1. Februar in den Ruhestand tritt, blickt er auf fast drei Jahrzehnte zurück, in denen er der Gehörlosen-Seelsorge in unserer Region ein Gesicht und eine Stimme gegeben hat. Besser gesagt seine Hände. Es war dieser erste Gottesdienst in Gebärdensprache, an den sich Josef Groß noch heute genau erinnert. „Und der einzige Gottesdienst, für den ich jemals richtigen Applaus bekommen habe“, sagt er.  Die Gemeinde spürte damals sofort: Da ist einer, der sich bemüht und die Sprachbarriere überwinden will

Learning by Doing und Disziplin

Der Weg zum gebärdenden Seelsorger war kein Spaziergang. „In den VHS-Kursen konnte ich nicht genug lernen“, erinnert sich Groß. Sein Glück war ein Intensivkurs für Dolmetscher in Essen. Neben der vollen Stelle pendelte er drei Tage die Woche dorthin. Den Rest erledigte das Leben: Groß lud Gehörlose zu sich nach Hause ein, lernte beim Kaffee, schaute sich die Bewegungen ab. Ende der 90er-Jahre war die Gebärdensprache noch kaum anerkannt – Groß war hier wohl ein Pionier im Talar.

Ein Leben für die Gemeinschaft

Nach seinem Studium der Theologie vor allem in Wuppertal und einer zweijährigen Auszeit in einer Schlosserei absolvierte er sein Vikariat in Remscheid und seinen Hilfsdienst in Benrath. 1998 fand er dann in der Gehörlosenseelsorge seine Berufung. Er teilte seine Arbeit auf: 50 Prozent Gehörlosen-, 50 Prozent Schwerhörigenseelsorge.

Die Arbeit war dabei immer mehr als nur der Sonntagsgottesdienst. Ob Religionsunterricht in der Gehörlosenschule in Gerresheim, Wochenenden für gehörlose Kinder oder Ferienfreizeiten in Holland – Groß war dort, wo die Menschen ihn brauchten. Eine besondere Konstante blieben über die Jahrzehnte die Gottesdienste im Theodor-Fliedner-Heim, einem Altenheim für Gehörlose, sowie die Gespräche mit Bewohner*innen und Mitarbeitenden.

Der Abschied rückt näher

„Für mich war die Gehörlosenseelsorge ein Glücksfall“, resümiert er heute. Und auch wenn der offizielle Ruhestand am 1. Februar begonnen hat, ist es kein Abschied von heute auf morgen. Zwei Monate lang wird er seine Nachfolgerin, Britta Kirchner, einarbeiten, um den Stab sicher zu übergeben. Zudem bleibt er der Gemeinschaft als Leiter der Deutschen Gehörlosenmission für weitere fünf Jahre erhalten. Ganz ohne seine Gemeinde geht es eben doch noch nicht. Josef Groß blickt gespannt auf die kommende Zeit: „Ich bin neugierig, was auf mich zukommt.“ 

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