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„Zu schön, um wahr zu sein“

Christliche Motive in der Ausstellung: Das Junge Rheinland im Kunstpalast

Ausstellung „Zu schön, um wahr zu sein“ der Künstlergruppe  „Das Junge Rheinland“ im Kunstpalast Düsseldorf, Ehrenhof 4-5,  www.kunstpalalast.de,

vom 7. Februar bis 2. Juni 2019

„Hiob“ von Julo Levin in der Ausstellung „Zu schön, um wahr zu sein“ im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. Foto: Dr. Ulrich Erker-Sonnabend 

Düsseldorf (evdus). „Zu schön, um wahr zu sein“ ist ein Zitat des Künstlers Max Ernst und Titel einer Ausstellung zur Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“, die vom 7. Februar bis 2. Juni im Düsseldorfer Kunstpalast, Ehrenhof 4-5 zu sehen ist.

Vor 100 Jahren gründete sich „Das Junge Rheinland“. Namhafte Vertreter dieser bis 1933 rund 400 Künstlerinnen und Künstler umfassenden Gruppierung waren neben Max Ernst und Otto Dix, der Maler Arthur Kaufmann, der Dichter Herbert Eulenberg und Illustrator und Schriftsteller Adolf Uzarski. Gezeigt werden ausgewählte Werke zum Beispiel von Lotte B. Prechner, Marta Worringer, Karl Schwesig, Wilhelm Kreis und anderen, von denen viele aus Düsseldorf und Umgebung stammten.

Die Künstlerinnen und Künstler verband zwar die Mitgliedschaft, jedoch pflegten alle ihren ganz persönlichen Stil vom Konservatismus bis zur Avantgarde. Ihr jugendlicher Elan zählte. Als Mitglied der Künstlervereinigung beschrieb Max Ernst rückblickende den gemeinsamen „Durst nach Leben, Poesie, nach Freiheit, dem Absoluten, nach Wissen“ als „zu schön, um wahr zu sein“.

Gemälde von Max Ernst erregte die Gemüter

Zu den Highlights der Ausstellung zählt Max Ernst‘ Bild „La vierge corrigeant l’enfant Jésus devant trois témoins: André Breton, Paul Éluard et le peintre“, übersetzt - Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen: André Breton, Paul Éluard und dem Maler aus dem Jahr 1926. Maria, dargestellt mit weitem blauen Rock und enganliegendem roten, dekolletierten Kleid, holt ihre linke Hand aus, um das blondgelockte Kind auf ihrem Schoss mit bereits gerötetem nackten Hinterteil zu züchtigen. Die Szenerie betrachten drei Personen durch ein kleines Fenster in der Wand. Das collagenartig zusammengesetzte Bild musste 1926 in der Ausstellung der Kölner Sezession aufgrund seines blasphemischen Gehalts entfernt werden. Auch religiöse Künstler wie Hans Schüz, Josef Urbach und Walter Corde nahmen daran Anstoß. „Nicht die Züchtigung erregte Unmut, sondern die Tatsache, dass der Maler in der rechten unteren Bildhälfte in den zu Boden gefallenen Heiligenschein des Kindes seine Signatur gesetzt hat“, sagte eine Museumsführerin bei der Eröffnung der Ausstellung.

Max Ernst, der selbst als Kind blonde Haare hatte und von seinem Vater, einem Hobbymaler, oft als Christkind und Engel porträtiert wurde, wandte sich wenig später nach Fertigstellung des Bildes von der Religion ab und trat aus der katholischen Kirche aus.

„Hiob“ von Julo Levin

Die Auseinandersetzung mit Religion, christlichen Themen und Motiven spielte im Jungen Rheinland eine Rolle. Zum Beispiel - auch in der Ausstellung zu sehen - Lotte B. Prechners  Pietà, ein Linolschnitt. Aus der Ausstellung ragt Julo Levins „Hiob“ heraus. Levin war ein jüdischer Maler, der 1943 von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet wurde.

Ein Mann am Boden, nackt, sich mit Armen und Kopf abstützend, das ist Levins „Hiob“. Mit diesem Bild der in der christlichen und jüdischen Religion präsenten Figur des duldsam Leidenden, der allen Schicksalsschlägen trotzt, spiegelt der Maler seine eigene Situation unter den Nazis wider und wirft gleichzeitig die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes auf.

Verfasserin: Ulrike Paas