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„Wohnungslosigkeit bei Frauen ist gestiegen“

Studie zur Lage wohnungsloser Frauen in Nordrhein-Westfalen

Isa Dickers mit einem selbstgemachten Kuscheltier. Foto: Sabine Damaschke, Diakonie RWL

Düsseldorf (evdus). Wer in den Großstädten in Deutschland eine bezahlbare Wohnung sucht, wartet oft lange auf ein passendes Angebot. Die Wohnungsnot ist groß. Von der angespannten Situation besonders betroffen sind in steigendem Maße wohnungslose Frauen. Mittlerweile ist jede dritte der über 32.000 Wohnungslosen in Nordrhein-Westfalen weiblich. Rund 30 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr.

Gemeinsam mit der Fachhochschule Düsseldorf hat das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (DWL) jetzt eine Studie mit dem Titel „Hilfen für wohnungslose Frauen“ vorgelegt, in der erstmals Frauen und Mitarbeiterinnen der rund 260 Einrichtungen in der Wohnungslosenhilfe des Landesverbandes befragt wurden.

„Hinter jedem Fall von Wohnungslosigkeit steht eine tragische Lebensgeschichte“

Die Studie hat gezeigt, dass betroffene Frauen ein auf sie zugeschnittenes, frauenspezifisches Hilfsangebot brauchen, weil sie sich in männerdominierten Einrichtungen und bei gemischtgeschlechtlichen Beratungsstellen unwohl fühlen und diese deshalb meiden. Besonders im ländlichen Raum und kleineren Städten fehlen Notübernachtungsstellen, Wohnhilfen und Beratungsangebote, die sich gezielt an Frauen richten.

„Hinter jedem Fall von Wohnungslosigkeit steht eine tragische Lebensgeschichte. Viele Frauen sind durch Krankheit, psychische Probleme und Arbeitslosigkeit und Verschuldung in die Wohnungslosigkeit gerutscht. Über 40 Prozent der befragten Frauen gaben an, Gewalt und sexuellen Missbrauch erfahren zu haben“, sagt Roland Meier, Vorstand des Evangelischen Fachverbands Wohnungslosenhilfe der Diakonie RWL.

„Icklack – Wohnen für Frauen“ in Düsseldorf

Isa Dickers wohnt seit Juni 2017 im stationär betreuten Wohnangebot für Frauen „Icklack“ der Diakonie. Nach einer Ehe mit einem gewalttätigen, sexuell übergriffigen Partner, dem Tod ihrer Schwester verlor die heute 61-jährige gelernte Masseurin und Bademeisterin den Boden unter den Füßen. Depressionen, Suizidversuche und ein Klinikaufenthalt folgten. Und dann kam die Kündigung. Ihre Rettung war das Icklack-Wohnheim der Diakonie Düsseldorf. Hier leben 31 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren zusammen. Sieben Sozialarbeiterinnen helfen ihnen, wieder Struktur in ihr Leben zu bringen und eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln.

„Plötzlich ohne Obdach dazustehen, war der absolute Tiefpunkt meines Lebens“, sagt Dickers, für die nur eine getrenntgeschlechtliche Betreuung in Frage kommt. Jetzt sucht Dickers genauso wie rund 9.500 wohnungslose Frauen in NRW eine bezahlbare Wohnung.

Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL, sieht die Kommunen in der Pflicht, ihre Angebote in der Wohnungslosenhilfe auszubauen. „Das Land NRW muss die Kommunen dabei unterstützen, einheitliche Standards in der Notfallhilfe, zum Beispiel bei den Notschlafstellen, zu schaffen und für bezahlbaren Wohnraum zu soegen, so dass von Wohnungslosigkeit betroffene Frauen schneller eine Wohnung finden“.

In Zukunft überlegt die Diakonie RWL, verstärkt mit Kirchengemeinden zusammenarbeiten, wenn es zum Beispiel um die Umnutzung von Kirchengebäuden oder Pfarrhäusern geht.

Ulrike Paas