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„Wohn-Käfige vor der Johanneskirche“

Diakonie machte mit besonderer Aktion auf die Wohnungsnot in Düsseldorf aufmerksam 


Wohn-Käfige waren an der Johanneskirche aufgestellt. Foto: Ulrike Paas

Antonia Frey (links), Abteilungsleiterin Beratung und soziale Integration, Thorsten Nolting, Diakonie-Vorstand und Clarissa Schruck, Sachgebietsleiterin Fachberatung und Tagesstätten der Diakonie. Foto: Ulrike Paas

Stadtmitte (evdus). Wer in den letzten Tagen an der Johanneskirche am Martin-Luther-Platz vorbei kam, fühlte sich an Hongkong erinnert beim Anblick der an der Stadtkirche aufgestellten Wohn-Käfige. In der Wirtschaftsmetropole Hongkong leben Zehntausende in Käfigen übereinandergestapelt, auf zwei Quadratmetern, ohne Privatsphäre, ungeschützt, menschenunwürdig.

Mit ihrer Aktion „Wohnen in Käfigen“ wollte die Diakonie Düsseldorf auf die katastrophale Situation auf dem Wohnungsmarkt in Düsseldorf aufmerksam machen.

„Wir haben hier in der Stadt zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Und Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, Hartz IV-Leistungen beziehen, werden häufig Vorbehalte von Vermieterseite entgegen gebracht“, sagt Clarissa Schruck, Sachgebietsleiterin Fachberaterin und Tagesstätten der Diakonie. 

Jeder ist willkommen, so wie er ist“

In der Diakonie-Fachberatungsstelle „Horizont“ an der Neusser Straße für Menschen, die keine Wohnung haben oder denen der Wohnungsverlust droht, hilft sie Betroffenen Wohnungsanzeigen zu checken, eine Schufa-Auskunft und einen Wohnberechtigungsschein zu bekommen und sich bei Vermietern im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Wohnungssuchenden vorzustellen.

1998 suchten 528 Personen die Beratungsstelle „Horizont“ auf. 2017 ist die Zahl der Ratsuchenden bereits auf 2.148 angewachsen. Im „Horizont“, das jetzt sein 20-jähriges Bestehen feiert, gilt der Grundsatz „Jeder ist willkommen, so wie er ist“.

Drazenko Aleksic lebte drei Monate auf der Straße. Nach der Trennung von seiner Partnerin geriet der 44-jährige gelernte Restaurantfachmann in die Abwärtsspirale, wurde krank, verlor seine Arbeit und seine Wohnung. Er verbrachte die Nächte in einer Obdachlosenschlafstelle und viele Tage mit einem Buch am Rhein, wie er erzählt. Im Rahmen des Beschäftigungsförderungsprojekts im Horizont konnte er dort einen Ein-Euro- Job als Hauswirtschafter annehmen, kocht Kaffee für die Besucherinnen und Besucher und hat mit viel Glück bei einem privaten Vermieter auch wieder eine Wohnung für sich und seine neue Partnerin gefunden.

„Wohnkontingent von 50 Wohnungen pro Jahr“

Soviel Glück haben nicht alle. „Gerade Wohnungslose Menschen haben in Düsseldorf kaum eine Chance, eine akzeptable Wohnung auf dem freien Markt zu finden. Wohnen heißt, einen gewissen privaten Raum zu haben, der einem Sicherheit bietet. Wir brauchen ein Wohnkontingent für Menschen, die nicht die Idealmieter sind. 50 Wohnungen pro Jahr wären ein gutes Zeichen“, sagt Diakonie-Vorstand Thorsten Nolting.

Ulrike Paas

Ein Albtraum - leben auf 2 Quadratmetern ohne Privatsphäre und Schutz. Foto: Ulrike Paas