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„Wir kümmern uns um die Rechte Geflüchteter“

30 Jahre Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf – Mitbegründerin geht in den Ruhestand

Psychosoziales Zentrum (PSZ) Benrather Straße 7, Düsseldorf

Telefon 0211/ 544 173 - 22

www.psz-duesseldorf.de

Düsseldorf (evdus). „Aus den Nachrichten sind die Flüchtlinge weitgehend wieder verschwunden. Aber die Schicksale der Flüchtlinge mit ihren Problemen, Gewalterfahrungen und psychischen Erkrankungen sind da. Und seit 30 Jahren stehen wir ihnen zur Seite in Düsseldorf“, sagt Gerhard Gericke, evangelischer Pfarrer im Ruhestand und Vorsitzender des Trägervereins des Psychosozialen Zentrums (PSZ) in Düsseldorf. Das PSZ wird jetzt 30 Jahre alt.

40 solcher Zentren gibt es in Deutschland, 15 von ihnen in liegen Nordrhein-Westfalen. Kernaufgabe ist die therapeutische Hilfe und Begleitung von Flüchtlingen, die aufgrund von Gewalterfahrungen und Traumata durch ihre Flucht besonders schutzbedürftig ist. Aber auch der Kampf um die Rechte von Geflüchteten, zum Beispiel der Zugang zu Rechtsanwälten und Ärzten, Begleitung bei Anhörungsverfahren im Asylantragsprozess, hat einen hohen Stellenwert.

Masu Bala Darboe kam 2010 aus Gambia als Flüchtling nach Düsseldorf ohne Sprachkenntnisse und Perspektive. Er ist dem PSZ bis heute dankbar für die empfangene Hilfe. Heute spricht er fließend Deutsch, ist Student der Business-Informatik an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest und hat die deutsche Staatsbürgerschaft.

Annette Windgasse geht in den Ruhestand

Annette Windgasse, Leiterin des PSZ Düsseldorf seit der Gründung 1987 blickt auf ihre langjährige Arbeit zurück. „Das Grundthema unserer Arbeit - der Einsatz für die körperliche, soziale, psychische und rechtliche Situation unserer Klienten - ist über all die Jahre gleich geblieben. Aber der Bedarf ist gewachsen und die Angriffe auf Flüchtlinge nehmen zu, ebenso die bürokratischen Hürden hierzulande“, sagt Windgasse.

Sie ist übrigens auch Initiatorin des Trauerortes an der Bergerkirche in der Düsseldorfer Altstadt. Hier wurde ein Platz geschaffen, an dem Menschen aller Länder, Kulturen und Religionen um Angehörige und Freunde trauern können, deren Gräber sie aufgrund ihrer Flucht aus dem Heimatland nicht mehr besuchen können.

Das Psychosoziale Zentrum hilft etwa 650 Menschen im Jahr

Das Leitungsteam des Psychosozialen Zentrums (PSZ) Düsseldorf (von links): Sabine Rauch, Eva van Keuk, Annette Windgasse, Monika König, Barbar Eßer. Foto: Ulrich Erker-Sonnabend
Annette Windgasse. Foto. Ulrich Erker-Sonnabend
Masu Bala Darboe kam 2010 aus Gambia als Flüchtling nach Düsseldorf. Das PSZ half dem jungen Mann in Deutschland Fuß zu fassen. Foto: Ulrich Erker-Sonnabend

    Trotz der oft sehr schmerzhaften Kontakte mit Überlebenden von Folter und Verfolgung hat sich Annette Windgasse ihre Fröhlichkeit bewahrt. „Unsere Arbeit im PSZ beginnt an dem Punkt, an dem es anfängt, den Leuten besser zu gehen. Sie haben sich trotz ihrer oft schrecklichen Erlebnisse auf ihrer Flucht, etwas bewahrt, das wachsen kann. Dabei zu helfen, sie zu stabilisieren, ist eine beglückende Erfahrung“, sagt sie. Wütend macht Windgasse das, was oft hier passiert. „Da werden Traumatisierte in ein Dorf verlegt, in der sie sich gar nicht verständigen können oder Familien werden auseinandergerissen, Menschen nachts geweckt und zur Abschiebung abgeholt“, sagt sie.

    Annette Windgasse bleibt dem PSZ noch mit einer halben Stelle bis August 2017 erhalten. Dann bricht sie auf nach Griechenland und will sich dort mit ihrem Knowhow in der Flüchtlingshilfe engagieren.

    Die neue Leitung des Psychosozialen Zentrums übernehmen ab sofort Eva von Keuk, Barbara Esser und Monika König. Auf sie und ihr Team von 21 Mitarbeitenden und ehrenamtlich Helfenden sowie Sprach- und Kulturmittlern sowie Honorarkräften im Bereich der sozialpädagogischen Familienhilfe warten viele Geflüchtete. 2016 konnte 650 Menschen durch das PSZ in Düsseldorf geholfen werden.