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Wenn mit 18 das tragende Netz wegfällt

Diakonie-Projekt „Care-Leaver“ ist für junge Geflüchtete da

Die Diakonie Düsseldorf unterstützt mit ihrem neuen Projekt „Care-Leaver“ junge Geflüchtete in der Landeshauptstadt, www.diakonie-duesseldorf.de

Nach der Zeit des betreuten Wohnens heißt es für Geflüchtete ab 18 Jahren, sich auf eigene Beine zu stellen. Foto: DiD

Düsseldorf (did). mit 19 oder 20 ein WG-Zimmer oder eine eigene kleine Wohnung zu beziehen, ist toll. Man kann tun und lassen, was man will, und wenn Fragen sind, sind Mama oder Papa ja immer noch da. Kadir ist 22. Er hat keine Eltern, die er fragen kann, er ist vor fünf Jahren ohne Begleitung nach Deutschland geflohen. Damals bekam er Hilfe – dann aber wurde er volljährig und fiel aus der Jugendhilfe. Für junge Erwachsene wie ihn ist das Projekt „Care Leaver“ der Diakonie Düsseldorf da.

Hilfe bei der Wohnungssuche und bei Formularen

Kadir ist 2015 nach einigen Monaten bei „Jump“, der Diakonie-Hilfe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete, zu einer Pflegefamilie gekommen. Andere Geflüchtete wohnen beispielsweise in „Jump“-Wohngemeinschaften und werden dort auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Die Hilfen für Jugendliche sind in Deutschland umfangreich. Aber wenn sie enden, und das ist für viele Jugendliche schon kurz nach dem 18., spätestens zum 21. Geburtstag der Fall, müssen sie allein zurechtkommen – in einem Land, dessen Sprache sie vielleicht noch nicht vollständig beherrschen, während über ihren Asylantrag möglicherweise noch nicht entschieden ist, ohne Eltern oder andere Verwandte als tragendes Netz.

Care Leaver gibt den jungen Menschen eine Anlaufstelle, an die sie sich wenden können – damit sie eben doch jemanden zum Fragen haben. In Düsseldorf-Flingern gibt es drei Mal wöchentlich eine offene Sprechstunde bzw. Einzeltermine während des Kontaktbeschränkungen, in der die Diakonie-Betreuer*innen ihnen bei der Wohnungssuche helfen, dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden oder notwendige Formulare auszufüllen. Wenn die Corona-Kontaktbeschränkungen gelockert werden können, soll es auch Gruppenangebote geben. 

Erfahrungen weitergeben

Das Care-Leaver-Programm lebt auch davon, dass die älteren jungen Erwachsenen den jüngeren ihre Erfahrungen weitergeben. Kadir ist so ein Mentor. Der 22-Jährige wirbt in seiner Schule und auch beim Sport bei anderen geflüchteten Jugendlichen für das Care-Leaver-Programm und nimmt sie mit nach Flingern. Er übersetzt auch ehrenamtlich für andere Jugendliche, die noch nicht so lange in Deutschland sind. Und gleichzeitig profitiert er selbst von der Unterstützung. „Die ganzen Anträge zum Beispiel, da ist es gut, wenn ich Hilfe bekomme.“ Sein Weg sieht gut aus. Er spricht hervorragend deutsch. Seinem Asylantrag wurde nach vier Jahren Bearbeitungszeit stattgegeben, er holt derzeit seinen Realschulabschluss nach und will danach bei einer Drogeriekette seine Ausbildung machen. Und auch, wenn er immer weniger Unterstützung braucht: Den Kontakt zu den anderen Care Leavern und zur Diakonie will er trotzdem halten. „Das ist ja wie meine Familie.“