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Wenn das Handy vom Turm klingelt

Neanderkirche ist ein Austragungsort des "digitale düsseldorf"-Festivals

Pfarrerin Antje Brunotte (links) und Pfarrer Dirk Holthaus schauen der Schweizer Künstlerin Klarissa Flückiger bei der Steuerung des Handytons vom Turm der Neanderkirche über die Schulter. Foto: Ulrich Erker-Sonnabend

Düsseldorf (evdus). Der Klang vom Turm der Neanderkirche an der Bolkerstraße lässt einen in diesen Tagen zusammenzucken. Passanten bleiben plötzlich stehen und schauen verwundert Richtung Kirchturm. Haben sie wirklich gehört, was sie gehört haben. Ist das tatsächlich ein Handyklingeln, dass vom Kirchturm kommt? Die traditionellen Glockenklänge, die vom Turm aus über die Altstadt läuten, sind derzeit stumm.

Die Idee hinter dem handyklingelnden Kirchturm: Wer gibt heutzutage den Rhythmus des alltäglichen Lebens vor? Früher waren es die Kirchenglocken. Sie strukturierten den Tag mit dem Morgengeläut, mit dem Läuten zum Mittag und zum Abend. Der Glockenklang ließ die Menschen innehalten. Und heute im digitalen Zeitalter? Da hören die Menschen auf den Klang ihres Smartphones – ja, sie vergöttern das kleine Gerät sozusagen, wenn man etwa an den Kult um Handytöne denkt.

Überhaupt das Digitale. Hat es nicht Anflüge von religiöser Verehrung, wie die Menschen an ihrem Handy hängen, wie sie Influencer in den Sozialen Medien verehren und wie Silicon Valley für manche als so etwas  wie der Ort einer Urgemeinde wahrgenommen wird? 

„Wo deine Schnittstelle ist, da ist dein Gott.“

Der, der über solche Fragen nachdenkt, ist Peter Witt. Der Künstler hat zusammen mit dem Nam-June-Paik-Schüler Werner Pillig die Digitale, ein Festival digitaler Kunst und Kultur, ins Leben gerufen.

Das Festival ist bis zum 25. November in Düsseldorf an den verschiedensten Orten zu erleben. Veranstaltungsorte sind auch Kirchen – die Neanderkirche mit dem Handyton, die Bergerkirche, Berger Straße 18 b, als Konzertort (20. November, 20 Uhr) und die Christuskirche, Kruppstraße 11, in Oberbilk mit einer Vinylpredigt des umtriebigen Haru Specks (23. November, 20 Uhr).

Im Weltkunstszimmer an der Ronsdorfer Straße gibt es eine Ausstellung, an der sich 26 Künstlerinnen und Künstler beteiligen. Da gibt es unter anderem ein digitales Kirchenfenster zu sehen, aber auch setzen sich Künstler mit dem Personal griechischer Mythen dort auseinander. Das Generalthema ist eben „Digital Gods“.

Pfarrer Dirk Holthaus von der Neanderkirche: „Es gib den Anspruch des Digitalen, in die religiöse Welt hineinzureichen. Das Digitale prägt unser Leben.“ – Frei nach Luther formuliert Holthaus: „Wo deine Schnittstelle ist, da ist dein Gott.“

Für die Nachbarn der Neanderkirche in der Altstadt haben Holthaus und seine Kollegin Pfarrerin Antje Brunotte Handzettel vorbereitet. Sie erklären, dass das Handyklingeln vom Kirchturm Teil der „digitale düsseldorf“ und eine Kunstinstallation ist. Das Klingeln ist bis zum 16. November täglich zwischen 10 und 20 Uhr in unregelmäßigen Abständen zu hören.

Das gesamte Programm der „digitale düsseldorf“ gibt es im Internet hier.