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„Weltverschwörung – oder: Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“

Reformationsgottesdienst in der Johanneskirche

Den Gottesdienst können Sie hier auf dem YouTube-Kanal der Johanneskirche ansehen. 

Der Reformationsgottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Mitgliedern des Düsseldorfer Kammerchores unter der Leitung von Kantor Wolfgang Abendroth. Fotos: Sergej Lepke
Pfarrer Dr. Martin Fricke, Synodalassessor im Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf, hielt die Predigt. Foto: Sergej Lepke
Die Fürbitten lasen Pfarrerin Heike Schneidereit-Mauth, Scriba des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, und Michael Hänsch, Geschäftsführer des Katholischen Gemeindeverbandes und des Katholikenrates Düsseldorf. Foto: Sergej Lepke
Der aufgezeichnete Gottesdienst kann online angesehen werden auf YouTube-Kanal der Johanneskirche Stadtkirche Düsseldorf. Foto: Sergej Lepke

    Stadtmitte (evdus). Düsseldorf (evdus). „Weltverschwörung – oder: Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“, so lautete der Titel des Gottesdienstes am 31.Oktober in Erinnerung an den Reformator Martin Luther, der vor 503 Jahren seine Thesen gegen Missstände in der Kirche veröffentlichte. Rund einhundert Besucher*innen feierten den Reformationsgottesdienst in der Johanneskirche mit Mundschutz und in angemessenem Abstand in den Kirchenbänken mit. Andere wohnten dem Gottesdienst per Livestream von zuhause aus bei.

    „Debattenkultur ist nicht Makel sondern Zierde“

    In der Lesung aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 10, Verse 26b-33) hieß es: „Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird…was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündet auf den Dächern…“ Pfarrer Dr. Martin Fricke, Synodalassessor im Evangelischen Kirchenkreis, verglich in seiner Predigt diese „wie Zutaten eines Verschwörungspunsches“ anmutenden biblischen Bilder mit der Pandemie unserer Tage, die verstörend sei und viele Verschwörungstheoretiker und Querdenker auf den Plan rufe. Positiv bewertete Fricke in der gegenwärtigen Krise, dass das wissenschaftliche Ringen um die Wahrheit öffentlich geworden sei. „Wenn wir daraus lernen, dass eine Debattenkultur nicht ein Makel sondern eine Zierde unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ist, wäre viel gewonnen“, so Fricke.

    „Gott und Mensch – eine verschworene Gemeinschaft“

    Das Bild von der Weltverschwörung Gottes aus dem Matthäusevangelium mache deutlich, „dass der Ewige sich nicht gegen, sondern mit uns verschworen hat“. Er halte die ganze Welt, Licht und Finsternis in seiner Hand, den Menschen mit Leib und Seele. Frickes Appell an die Gottesdienstgemeinde lautete: „Immunisiert euch nicht gegenüber eurer eigenen Fehlbarkeit, bleibt empfindsam und achtsam gegenüber anderen und euch selbst. Jesus hat Euch gezeigt, was Liebe ist. Malt das Leben nicht schwarz-weiß; die Schöpfung ist bunt und farblos und manchmal beides zugleich“.

    Bezugnehmend auf den Titel des Reformationsgottesdienstes führte Fricke in seiner Predigt zu der im Brief des Paulus an die Römer ausgesprochene Vergewisserung, dass „Gottes Geist unserer Schwachheit aufhilft“ und fasste zusammen: „Wir Christenmenschen sind Verschwörungstheoretiker mit Bekennermut wie unsere Väter und Mütter, wie Martin Luther, wie Augustinus, wie Lydia aus Thyratira. Wir bekennen uns zu der verschworenen Gemeinschaft von Gott und Mensch, die alle Wahrheiten, Glaube und Zweifel, Himmel und Erde, Licht und Finsternis umgreift.“

    Evangelische Aktion „Wir hören zu“

    Mit der gemeinsamen Aktion „Wir hören zu“ von Kirche und Diakonie in Düsseldorf zu Beginn der Pandemie habe sich die Kirche ins Bewusstsein der Menschen gerufen: „Es ist unsere Muttersprache, einander Ohren und Herzen zu öffnen. Da zeigt sich Jesus Christus selbst lebendig unter uns“, betonte Fricke und kündigte an, dass es auch in Zukunft Räume und Foren zum Austausch über die Erfahrungen mit der Pandemie geben wird.

    Der Reformationsgottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Mitgliedern des Düsseldorfer Kammerchores unter der Leitung von Kantor Wolfgang Abendroth. Sie präsentierten Henry Aldrichs „O give thanks“, Johann Sebastian Bachs Fuge aus der Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ und „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Hans Leo Hassler.

    An dem Reformationsgottesdienst wirkten mit: Ursula Witzel, Mitglied des Kreissynodalvorstandes im Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf (Lesung), Michael Hänsch, Geschäftsführer des Katholischen Gemeindeverbandes Düsseldorf (Fürbitten) sowie Pfarrerin Heike Schneidereit-Mauth, Scriba des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf (Fürbitten).

    Autorin: Ulrike Karpa