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„Weil jeder Tag wertvoll ist“

Hospiz am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf besteht 25 Jahre

Hospiz-Leiterin Dr. Susanne Hirsmüller (links) und Pfarrerin Meike Rudolph in der gemütlichen Küche des Hospizes am EVK. Foto: Andreas Vollmert 

Radiobeitrag zum Hospizjubiläum.

„Weil jeder Tag wertvoll ist“ – unter diesem Motto kommen in diesen Tagen Gründer, Betreiber, Bewohner, Angehörige und Freunde zu einer Geburtstagsfeier zusammen. 25 Jahre besteht das Hospiz am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf (EVK). Als die Stiftung EVK das als mutig bezeichnete Projekt 1994 begann, waren die Pflegenden mit einem Dienstfahrrad zu den Patienten im Einsatz, denn ein eigenes Haus gab es zunächst nicht. Durch eine Finanzspende konnte das erste Hospiz in Düsseldorf mit 13 Betten wenige Monate später dann doch eröffnet werden.

Musiktherapie und Malen 

Seit 2006 leitet Dr. Susanne Hirsmüller die Einrichtung in der Kirchfeldstraße. Gemeinsam mit einem 84-köpfigen Team begleitet sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase bis zum Tod. Mit Patienten und Angehörigen über deren Ängste und Befürchtungen zu sprechen, erfordert Konzentration und Zuwendung. Das Thema sei mit viel Hemmungen verbunden, sagt Hirsmüller, „weil es viel Unbekanntes gibt. Patienten beschäftigen sich nicht damit: wie kann man im Hospiz leben. Und wenn sie dann kommen, ist es unterschiedlich, wie weit sie sich mit ihrem drohenden Lebensende beschäftigt oder sich abgefunden haben. Da ist die Bandbreite sehr groß zwischen Akzeptanz und Verleugnung, zwischen Kampf und einem friedvollen Anerkennen, dass das Leben zu Ende geht.“ 

In den Aufklärungsgesprächen wird deutlich, welche Möglichkeiten und Grenzen ein Aufenthalt im Hospiz mit sich bringt. „Viele sind sehr erschöpft, sehr geschwächt, in ihrer Mobilität eingeschränkt. Aber dann zu gucken: ist die Musiktherapie das richtige Angebot, kann jemand hier noch malen, was trägt zur Entspannung bei, was zur Anregung.

Auch Hunde sind im Hospiz zugelassen

Dass man nach Hause gehen, sich tagsüber frei bewegen kann, dass es keine Besuchszeiten gibt, dass auch Hunde zugelassen sind; damit wird klar, dass das Leben hier ein Leben ist und nicht das Warten auf den Tod.“

Begleitet werden Bewohner und Angehörige von haupt- und ehrenamtlich Tätigen, außerdem von Pfarrerin Meike Rudolph. Als Seelsorgerin bringt sie Zeit, ein offenes Ohr und ein offenes Herz mit. „Menschen erzählen im Rückblick ihre Lebensgeschichte und von Dingen, auf die sie stolz sind, Es freut sie, wenn da jemand ist, der diesen Stolz mit ihnen teilt. Menschen berichten auch von Dingen, die nicht gut gelaufen sind. Manche sprechen von Schuld. Und es tut ihnen gut, wenn sie diese Schuld benennen dürfen. Dann entstehen auch erlösende Situationen.“ 

Loslassen – diesen Begriff hört die Krankenhausseelsorgerin oft. „Ich bin mit diesem Wort eher zurückhaltend. Mir geht es mehr darum nachzuspüren: wo werden Menschen gehalten, wer hilft mir über die Schwelle vom Leben zum Tod. Sich gut zu verabschieden – das ist häufig mit loslassen gemeint. Manchmal kommt jemand und sagt: Du musst ihn jetzt loslassen! Das ist ein nett gemeinter Satz. Aber Sterbende wollen nicht loslassen, sondern sie wollen auch etwas behalten.“  

In 25 Jahren hat sich viel verändert in der Hospizarbeit

In 25 Jahren hat sich viel verändert in der Hospizarbeit, beobachtet Susanne Hirsmüller. „Die Patienten, die hierherkommen, sind überwiegend Krebspatienten. Und die Therapiemöglichkeiten haben sich enorm entwickelt, so dass Patienten einen viel längeren Behandlungsmarathon hinter sich haben. Und es gibt quasi keine Aidspatienten mehr im Hospiz, weil sie mit der HIV-Infektion viel länger leben. Das ist komplett verschwunden.“ Nun aber heißt es erstmal durchatmen und feiern. Menschen der ersten Stunde und viele teils prominente Wegbegleiter werden zu einem Festakt in der benachbarten Friedenskirche erwartet. Sie kommen selbstverständlich, weil ihnen dieser Tag wertvoll ist.

Verfasser: Andreas Vollmert