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„Wegbereiter in ein Leben der Abstinenz“

Diakonie Düsseldorf hilft Suchtkranken seit 40 Jahren mit ihrer Fachambulanz Sucht

m Freitag, dem 8. November, feiert die Fachambulanz Sucht der Düsseldorfer Diakonie ihren 40. Geburtstag mit einem Fachtag „Sucht und Bindung“. www.diakonie-duesseldorf.de

Diakonie Düsseldorf hilft seit 40 Jahren suchtkranken Menschen. Foto: pixabay.com

Düsseldorf (evdus). Seit genau 40 Jahren hilft die Fachambulanz Sucht der Diakonie in Düsseldorf suchtkranken Menschen mit Beratung und Therapie. Die Hauptarbeitsgebiete sind heute nach den Worten von Anja Vennedey, der Abteilungsleiterin Suchthilfe, Beratung und Betreuung bei der Diakonie Alkohol, pathologisches Glücksspiel und Internet-Sucht.

„Wir arbeiten mit den Suchtkranken auf Augenhöhe und verstehen unsere Betreuung als "Wegbereiter in ein Leben der Abstinenz“, sagt Vennedey.

Am Freitag, dem 8. November, feiert die Fachambulanz Sucht der Düsseldorfer Diakonie ihren 40. Geburtstag mit einem Fachtag „Sucht und Bindung“. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich in der Betreuung und Therapie Suchtkranker vieles verändert. Früher habe man die Betroffenen fast alle gleich behandelt. Zum Entzug wurden die Suchtkranken zumeist in weit entfernte Kliniken gebracht. „Ein Rückfall hieß damals zumeist zugleich auch das Ende der Therapie“, meinte die Leiterin der Fachambulanz Denise Schalow.

Heute wird ein möglicher Rückfall mit in die Therapie einbezogen, etwa indem man den Grund dafür erforscht. „Wir bemühen uns, dem Rückfall das Dämonenhafte zu nehmen“, betonte auch Vennedey. „Ein Rückfall kann sein, muss aber nicht sein. Wichtig ist, dass der Suchtkranke den Kontakt zu seiner Krankheit nicht verliert“.

Nach den Worten der beiden Expertinnen - Vennedey arbeitet seit 20 Jahren mit Suchtkranken - gibt es im Gegensatz zu früher viel mehr Suchtkranke, die nicht nur alkoholsüchtig sind, sondern gleichzeitig mehrere - legale wie illegale Suchtmittel konsumieren. Ein Beispiel sind etwa Alkoholsüchtige, die während des Trinkens zugleich auch Geld in die Glücksspielautomaten stecken oder auch im Internet an Glücksspielen teilnehmen.

„Wir helfen vor Ort. Die Menschen können in ihren sozialen Bezügen drin bleiben“

Stolz sind die insgesamt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachambulanz Sucht darauf, bereits bei ihrem Start vor 40 Jahren „innovative Maßstäbe gesetzt“ zu haben. Als eine von insgesamt vier Modelleinrichtungen in Deutschland habe man zum ersten Mal die ambulante Therapie ins Leben gerufen. Heute sind etwa 70 Prozent der Klienten Alkoholsüchtige, rund 25 Prozent sind pathologische Glücksspielsüchtige.

„Wir helfen vor Ort. Die Menschen können in ihren sozialen Bezügen drin bleiben, können ihrem Beruf weiter nachgehen. Das ist weit besser, als sie fernab zu behandeln und sie dann in einen Alltag zu entlassen, in dem sich nichts verändert hat,“ betonte Vennedey. Die Quote von rund 70 Prozent der Betroffenen, die ein Jahr nach einer abgeschlossenen ambulanten Therapie immer noch abstinent sind, bestätige diese Behandlungsform, die versuche, für jeden Betroffenen „eine passgenaue Therapie“ zu finden.

Seit Mitte der 1980er Jahre werden in der Fachambulanz der Diakonie auch Glücksspielsüchtige beraten und betreut. „In der Landeshauptstadt sind wir seit 2002 die einzige Einrichtung für Glücksspielsüchtige mit einer ambulanten Therapie“, sagte Denise Schalow. In der Prävention würden zudem Schulen in ihrer Arbeit rund um das Thema Sucht unterstützt. Seit zehn Jahren gibt es auch eine Beratung und Betreuung für Medien- und Online-Süchtige.

21 Prozent der 14 bis 29-jährigen in Deutschland weisen laut Schalow „eine problematische Internetnutzung“ auf, davon seien 6,3 Prozent unkontrollierte Nutzerinnen und Nutzer. Die Expertinnen rechnen beide damit, dass dieser Bereich ihrer Arbeit in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird. Ebenso wie die Zahl derjenigen, die süchtig nach Internet-Glücksspielen seien. Unentbehrlich für den Erfolg der ambulanten Therapie für Suchtkranke ist nach Angaben von Vennedey und Schalow auch die Arbeit mit den Angehörigen.

Insgesamt kommen pro Jahr 1000 bis 1200 Suchtkranke und deren Angehörige zur Fachambulanz. „Wir versuchen, niemanden wegzuschicken, haben aber Wartelisten“, räumte Vennedey ein. Um dennoch Hilfesuchende schnell zu beraten, gibt es für solche Fälle inzwischen „offene Sprechstunden“. Die Betroffenen, denen die Fachambulanz Sucht hilft, sind zwischen 18 und über 70 Jahre alt. 

„Eine Sucht bedeutet immer Unfreiheit. Der Weg in die Freiheit ist die Abstinenz“

Ein 56-jähriger Spielsüchtiger erklärte, ihm sei schon „mit 20 klar gewesen, dass ich spielsüchtig bin.“ Er habe „alles gespielt und meine Sucht 40 Jahre gut versteckt“, sagte der Mann, der seit dreieinhalb Jahren „spielfrei“ ist und in einer Motivationsgruppe der Fachambulanz mitarbeitet. Ein 58 Jahre alter Alkoholsüchtiger hatte 2016 nach einem Zusammenbruch „sein persönliches Erweckungserlebnis“.Nach einem Zusammenbruch auf einer Feier habe sich die Klinik geweigert, ihn als einen Alkoholiker zu behandeln. Erst das habe ihm klargemacht, dass er Hilfe brauche, um von der Sucht los zu kommen. „Eine Sucht bedeutet immer Unfreiheit. Der Weg in die Freiheit ist die Abstinenz“, erklärte Vennedey. 

Verfasser: Andreas Rehnolt