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Späte Ernte

Bilder aus der Palliativstation in der Johanneskirche

Bilder aus der Kunsttherapie einer Palliativstation haben Evamarie Hildebrandt, Dagmar Fix, Pfarrer Dr. Ulrich Lüders und Christiane Immer (von links) ausgewählt udn in die Johanneskirche gebracht. Foto: ues/evdus
Eine der Fotografien, die in der Johanneskirche zu sehen ist: Das Bild vom Aquarell Katzenfisch (Ausschnitt). Foto: ues/evdus
"Mein blaues Meer", Deckfarben (Ausschnitt). Foto: ues/evdus
Die Ballone haben durchgeschnittene Haltefäden. Foto: ues/evdus
Bei diesem Bild wurde die Farbe allein mit einem Pinselstiel aufgetragen. (Ausschnitt) Foto: ues/evdus

    Stadtmitte (edus).  Die Bilder stammen von Patienten - und teilweise auch von deren Angehörigen. Entstanden sind sie in der Kunsttherapie der Palliativstation im Florence-Nightingale-Krankenhaus, der Kaiserswerther Diakonie. Absolut sehenswerte Aquarellen und Acrylmalereien. Sehr beeindruckend. Zum Beispiel das  Bild, das  ist mit einem Pinselstiel gemalt wurde. Von einer Patientin, die kaum mehr die Kraft hatte, mit dem Pinsel zu hantieren. Gezeigt werden in der Johanneskirche allerdings keine Originale, sondern Fotos der Bilder, die in der Kunsttherapie mit den todkranken Menschen entstanden sind. "Späte Ernte" steht als Titel über der Bilderschau, die im Rahmen der Seelsorgewoche 2019 zu sehen ist.

    Präsentiert werden die Fotos allein mit einem Hinweis auf den Titel und dem entsprechenden Medium - Aquarell, Acryl, Deckfarben. Die abfotografierten Bilder tragen Titel. Zum Beispiel "Bunte Himmelsstürmer - keine Blumenwiese". Oder: "Katzenfisch", "Ballon - ohne Wort", "Sonnenuntergang", "Sonnenaufgang", "Herzblume", "Nichts bleibt, wie es ist".  

    "Malen kann ich nicht!"

    Mit dem Wissen, dass inzwischen alle Künstlerinnen und Künstler gestorben sind, und mit dem Wissen, um den Atelierort Palliativstation, deuten Betrachterinnen und Betrachter die Werke existentiell. Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen leuchten in den Bildern auf. Zum Beispiel bei dem wunderbaren "Mein blaues Meer" - es ist nicht das Meer, das da dargestellt wird; es ist aus der Sicht der Malerin oder des Malers: "mein Meer" - eine kräftige blaue Farbbewegung. So wie dieses Bild leben die meisten vom Experimentieren mit Farbe, Malmittel und Pinselwerkzeug. Weniges ist gegenständlich. Zum Beispiel das Bild von den beiden Ballonen. Deren Halteschnur ist abgeschnitten und nun schweben die beiden alleine und freigelassen gen Himmel.

    Der Kaiserswerther Pfarrer Dr. Ulrich Lüders berichtet, dass viele der Patientinnen und Patienten auf das Angebot der Kunsttherapie so reagierten: "Malen kann ich nicht!" Und doch fingen sie unter Anleitung der Kunsttherapeutin Ute Zaruba-Simmonds damit an und machten sich damit frei. "Im Grunde genommen sind die Bilder ein Vermächtnis der Toten an uns Lebende", sagt Evamarie Hildebrandt. Sie engagiert sich ehrenamtlich auf der Palliativstation des Florence-Nightingale-Krankenhauses.

    Die Ausstellung "Späte Ernte" ist noch bis zum Sonntag, 13. Oktober, täglich 10 bis 18 Uhr in der Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, Stadtmitte, zu sehen. Die Bilder stammen von Patienten - und teilweise auch von deren Angehörigen.