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Soziale Projekte wie Haftverkürzung und Familienarbeit liegen brach

Diakonie warnt: Das ist der Resozialisierung nicht förderlich!

Diakonie-Pfarrer Thorsten Nolting kritisiert Justizvollzugsanstalt Düsseldorf: zu wenig Engagement für die Resozialisierung.Foto: Archiv 

Die Diakonie Düsseldorf kritisiert das Verhalten der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf mit scharfen Worten: „Was wir in den vergangenen Jahren an Einschränkungen bei der sozialen Arbeit erlebt haben, ist völlig unverständlich und nicht hinzunehmen“, sagt Diakoniepfarrer Thorsten Nolting. „Das ist der Resozialisierung nicht förderlich!“

Nolting kritisiert unter anderem, dass das erfolgreiche Projekt Haftverkürzung, das der Evangelische Gefangenen-Fürsorge-Verein und der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf 1993 gemeinsam mit der JVA und dem Justizministerium entwickelt hatte, eingestellt wurde, obwohl Mittel vom Land dafür vorhanden seien. In dem Projekt haben Sozialarbeiter*innen der Diakonie beispielsweise mit Inhaftierten gearbeitet, die Strafen absaßen, weil sie Geldstrafen, etwa fürs Schwarzfahren, nicht bezahlt hatten. Die Sozialarbeiter*innen haben die Inhaftierten dabei unterstützt, die Strafen zu zahlen, so dass diese die Freiheitsstrafe nicht mehr bis zum Ende absitzen mussten. „Das Projekt hat beispielsweise 2017 – im letzten Jahr seines Bestehens – mehr als 4000 Tage Haft verhindert und das Land hat so mehr als 600.000 Euro gespart“, sagt Carola Schüler, Leiterin der Evangelischen Gefangenenfürsorge unter dem Dach der Diakonie. „Wir verstehen bis heute nicht das Desinteresse der Anstaltsleitung.“ Und nicht nur das – die JVA habe sogar die für das Projekt eingesetzten Mittel für einige Jahre von der Diakonie zurückverlangt – wegen Formfehlern, für welche die JVA nach Ansicht der Diakonie mitverantwortlich sei und auf welche die Diakonie mehrmals hingewiesen habe.  

Ein weiteres Beispiel: die Familienarbeit. 2013 sollte das Familienprojekt starten. Geplant waren eine regelmäßige Familienberatung, Vater-Kind-Kochen, Familientage. Die damalige Anstaltsleitung unterstützte das Projekt, wollte nur vorher die Räumlichkeiten familiengerechter ausstatten. Ersatzräume wurden in dieser Zeit nicht zur Verfügung gestellt. Die Verzögerung führte nach Einschätzung der Diakonie dazu, dass nach der Fertigstellung zwei Jahre später das geplante Personal und die Fördermittel nicht mehr zur Verfügung standen. Die Diakonie setzte Kollektenmittel ein, um zumindest das Vater-Kind-Kochen durchführen zu können.

„Aber nicht nur wir sind mit unserer Arbeit betroffen“, sagt Carola Schüler. Sie beobachte auch, dass der staatliche Sozialdienst zu wenig pädagogische Aufgaben übernehme und nicht genügend Kontakt zu den Inhaftierten habe. Durch den Personalmangel fielen nach Berichten von Inhaftierten Gruppenangebote oder Sport aus. Hinzu komme, dass ein Übergangsmanagement, das Inhaftierten die Wiedereingliederung in die Gesellschaft erleichtere, nach Einschätzung der Gefangenenfürsorge nur noch ungenügend stattfinde. Der Frust unter den Gefangenen steige, warnt Schüler. „Wir nehmen wahr, dass immer mehr Inhaftierte psychische Auffälligkeiten zeigen.“

„Wir fürchten, dass hier die Resozialisierung als Ziel des Strafvollzugs nicht mehr oberste Priorität hat“, sagt Thorsten Nolting und erinnert, was die JVA auf ihrer Internetseite selbst als ihr Ziel nenne: „Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient dem Ziel, Gefangene zu befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.“ Dafür brauche es aber ein grundlegendes Umdenken bei der Anstaltsleitung in Düsseldorf. „Und darauf hoffen wir jetzt.“ Schließlich habe die Unterstützung Inhaftierter bei der Diakonie eine lange Tradition, war es Theodor Fliedner, der 1826 die „Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft“ in Düsseldorf gründete und sich für die Verbesserung der Lebensumstände Inhaftierter einsetzte.