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"Shalom – gegen jeden Antisemitismus"

Rund 400 Menschen bei Solidaritätskundgebung am NRW-Landtag

Zu der Kundgebung an der Wiese vor dem Landtag in Düsseldorf riefen die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit auf.

Düsseldorf. Einen Tag nach der von Israel und der Hamas vereinbarten Feuerpause haben am Freitag rund 400 Menschen auf einer Pro-Israel-Kundgebung vor dem nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf ihre "Solidarität mit Israel und den jüdischen Freuind:innen bekundet." Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Shalom - gegen jeden Antisemitismus - Solidarität mit Israel". Aufgerufen hatten die örtliche Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) sowie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. "Wir sind gefordert, alles dafür zu tuen, dass sich Juden bei uns sicher fühlen können und sicher sind, überall in Deutschland und in Europa", hieß es in einem Flugblatt der Organisatoren.

Der DIG-Vorsitzende Emil Brachthäuser erklärte, für die "über 4.000 schier unerträglichen Raketenangriffe", die seit dem 10. Mai wahllos auf Wohngebiete in Israel abgeschossen wurden, gebe es "keinerlei Rechtfertigung". Der Hamas warf Brachthäuser vor, sie nehme "in gradezu menschenverachtender Weise die Bevölkerung im Gaza-Streifen in Geiselhaft" und missbrauche sie bei israelischen Luftangriffen "als menschliche Schutzschilde", indem Rakentenabschussrampen in der Nähe von Krankenhäusern und Schulen installiert würden. Anschläge auf jüdische Einrichtungen, Synagogen und Gedenkstätten hierzulande müssten als Straftaten mit "großem Nachdruck" und "der vollen Härte des Gesetzes verfolgt" werden, forderte Brachthäuser weiter. Er warnte am Freitag davor, "dass es oftmals nicht bei verbalen Attacken bleibt, sondern dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann Schlimmeres passiert."

Unter den Teilnehmern waren auch zahlreiche Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wie etwa der Vorsitzende, Oded Horowitz und der Geschäftsführer Michael Rubinstein sowie Rabbiner der deutschlandweit mit rund 7.000 Mitgliedern drittgrößten jüdischen Gemeinde. Auch Henrike Tetz vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte in Düsseldorf sprach zu den Teilnehmern der Kundgebung. Der stellvertretende Superintendant des Kirchenkreises Düsseldorf, Pfarrer Dr. Martin Fricke, sagte bei der Kundgebung, man dürfe "nie wieder zulassen, dass dieser Hass, dieses Denken, diese zerstörerische Gewalt unsere Gesellschaft infiziert: Eine Gewalt, die sich zunächst gegen Dinge richtet und am Ende gegen Menschen."

Als Christ und als Mensch nehme er es nicht hin, "wenn Synagogengemeinden in Deutschland für etwas verantwortlich gemacht werden, das man am Staat Israel und seiner Politik kritisieren zu müssen meint." Widerstand sei auch notwendig, wenn Mahnmahle geschändet oder die Flagge Israels in Brand gesetzt werde und auch da, "wo Ansichten, Glauben oder gar Existenz anderer mit sprachlicher oder physischer Gewalt bekämpft" würden, so Fricke. Er wolle nicht hinnehmen, dass Jüdinnen und Juden mit einem Gefühl und mit den Tatsachen existentieller Bedrohung leben. Nicht in Israel, nicht in Deutschland, nicht in Düsseldorf", so der Evangelische Theologe.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erklärte, man dürfe "Antisemitismus nicht dulden, mit Blick auf unsere historische Verantwortung, auf unsere freiheitliche, demokratische Grundordnung und auf die Vielfalt in unserer Stadt." Dabei es es "vollkommen gleichgültig, ob der Antisemitismus von rechtsaußen kommt, aus muslimischen Zuwanderungsmilieus oder ob er sich unter dem Gewand einer angeblichen Israel- oder Globalisierungskritik verbirgt." Der Kommunalpolitiker plädierte in seiner Rede für eine Eindämmung und nachhaltige Bekämpfung des Antisemitismus. Das müsse "präventiv, repressiv und durch deutliche Positionen in der Gesetzgebung" geschehen, so Keller. Der Oberbürgermeister betonte, die Düsseldorfer jüdische Gemeinde - mit rund 7.000 Mitgliedern die drittgrößte in Deutschland - sei "mit ihren religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Einrichtungen ein wertvoller Teil der vielfältigen Stadtgesellschaft."

Andreas Rehnolt