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Priester und Papst gegen Mensch und Martin 

Alexander Stessins Kirchenoper zur Reformation in Kaiserswerth uraufgeführt

Eine Oper in der Kirche mit (von links) Rolf Schneider, Susanne Hiekel, Nicola Glück und Thomas Piffka. Foto. Sergej Lepke

Düsseldorf (evdus). Nach dem 18 Uhr-Läuten vom Turm der Mutterhauskirche geht es los. In die Stille nach dem Glockenschlag rast eine Menschenmenge nach vorne in den Altarraum der Kirche am Zeppenheimer Weg. Sie reden wild durcheinander, brabbeln und gestikulieren. Sie haben offensichtlich etwas Schlimmes erlebt. Einige haben blutrote Verbände, sind verzweifelt. P., der Priester tröstet sie und stimmt das traditionelle „Dies irae“ (Tage des Zorns) an. Die Kirchenoper mit dem lateinischen Titel „In exitibus“ – zu Deutsch: „Auf Scheidewegen“ –, komponiert von dem in Leipzig lebenden Komponisten Alexander Stessin, Libretto von Nicola Glück, hat Welturaufführung. 

„Es gibt keine ewige Verdammnis, es gibt nur eine ewige Erlösung“

Hervorragend besetzt mit dem Bassbariton Rolf Schneider in der Rolle des M. und Thomas Piffka, Tenor, in der Rolle es P. Zudem dabei: ein Chor aus Studierenden der Robert-Schumann-Hochschule, die Kaiserswerther Kantorei und ein reizender Kinderchor (Kinderkantorei und Kinder der Gemeindschaftsgrundschule), dazu die Camerata Instrumentale Kaiserswerth, von der Empore die Orgel und das Schlagwerk unter dem Gesamtdirigat der Kaiserswerther Kantorin Susanne Hiekel. Gleich vorweg gesagt: Eine äußerst gelungene Gesamtleistung aller, die das Publikum an diesem Abend erlebt.

Die Oper dreht sich um Ideen der Reformation mit diesem Grundton: „Es gibt keine ewige Verdammnis, es gibt nur eine ewige Erlösung“ (Albert Schweitzer) und es geht darum, im Vertrauen auf Gott ein Leben in Verantwortung zu führen: „Wir müssen uns selbst bemühen und und nicht rausreden“ (Monika Griefahn) lautet der starke Satz in der letzten der sechs Szenen.

P. und M. begegnen sich in Alexander Stessins Kirchenoper. Bassbariton Rolf Schneider (links) in der Rolle des M. und Tenor Thomas Piffka als P. Foto: Sergej Lepke
Foto: Sergej Lepke
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Foto: Sergej Lepke

    Gewohntes und Innovatives

    Dargestellt ist das alles im Gegenüber von P – „Priester, Pfarrer, Papst“ - und M - „Mensch, Martin, ein Suchender“. Der ringt darum, in einer unsicheren Katastrophensituation eigenverantwortete Auswege und Lebensmöglichkeiten zu finden. Die Handlung, in sechs Szenen aufgeteilt, bringt ein großes Zitatenpanorama mit Sätzen von Albert Schweitzer, Martin Luther King, Anne Frank, Che Guevara, Dietrich Bonhoeffer und Heiner Geißler. Ein guter Regieeinfall zur Umsetzung ist das Projizieren leitmotivischer Zitate in die Kuppel der Apsis unter der die Sängerinnen und Sänger agieren.

    Musikalisch reicht das Werk von Versatzstücken der Tradition bis zu mehr gegenwärtigen, zeitgenössischen Tönen mit Anspielungen an minimalistische Musikkomposition. Die Opernmacher beschreiben das auf der Homepage zur Oper so: „Gegenüberstellung von Gewohntem und Innovativem, von Geordnetem und Zufälligem, von Gemeinsamem und Persönlichem.“ 

    Beeindruckende Bilder

    Dargebracht wird das Ganze in beeindruckenden Bildern – grau und hell sind die Sänger und Sängerinnen des Chores gekleidet, auch M, wohingegen P in einem schwarzen Anzug auftritt, allein leuchtend rote Wickel und Binden um Arme, Beine und hier und da um den Kopf setzen einen starken Farbakzent. Die Figurenführung zeitigt einen intensiven visuellen Eindruck und erinnert stark an zeitgenössische bildende Kunst, die sich ebenfalls minimalistisch des Katastrophenthemas annimmt, wie etwa in der Videobilderwelt Bill Violas. Das ist neben der Musik ein starkes Element dieser Aufführung

    Nach gut 80 Minuten endet das Stück. Das Publikum sitzt gebannt; dann tosender und verdienter Applaus. Man wünscht der Oper mehr Aufführungen als nur die beiden zum Premierenwochenende.

    Die Oper hat eine eigene Homepage: www.reformationsoper.de

    Von Ulrich Erker-Sonnabend