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Öffentlicher Mittagstisch

Zehn Jahre Netz gegen Armut in Gerresheim

Maria Icking, Pfarrerin Cornelia Oßwald, Petra Wienß, Diakon Oliver Steinbrecher (von links) setzen sich in Gerresheim gegen Armut ein. Foto: OH

Gerresheim (evdus/ARe) Mit einem öffentlichen Mittagstisch vor dem Gerresheimer Rathaus in der Fußgängerzone Neusser Tor beging das Netz gegen Armut im Stadtbezirk am Samstag, 15. Juni, ab 12 Uhr sein 10jähriges Bestehen. 2009 habe man gemerkt, „dass immer mehr Menschen bestimmte Angebote im Stadtteil nicht mehr wahrnehmen konnten, weil ihnen schlicht das Geld für die Teilnahme fehlte“, sagte Petra Wienß, die zu den damaligen Initiatorinnen des Netzwerkes gegen Armut gehörte.

Die Leiterin des Diakonie-Zentrums plus in Gerresheim betonte, dass es sich dabei „keineswegs um Einzelschicksale gehandelt“ habe. Vor allem ältere Menschen im Stadtteil sowie Alleinerziehende seien davon betroffen gewesen und "leider immer noch betroffen," so Wienß. Die evangelische Pfarrerin Cornelia Oßwald, stellvertretende Sprecherin des Netzwerkes sagte, „die Menschen, die von Armut betroffen sind, werden weiterhin nicht weniger. Und das nicht nur wegen der zugezogenen Flüchtlinge“.

Den Akteuren des ökumenischen Netzwerkes gegen Armut geht es nach den Worten von Sprecherin Maria Icking vor allem darum, die Barriere zur Inanspruchnahme der Netzwerk-Hilfen so gering wie möglich zu halten. Zudem sei man stolz darauf, dass sich die betroffenen Personen „nicht als arm outen" müssen, sondern zur Teilnahme am Gemeinschaftsleben aktiviert würden. Im Stadtteil Gerresheim gebe es eine "große Situation des Miteinanders“, lobte Icking. 

Die Aktion „Lecker Essen für den guten Zweck“ am 15. Juni zum 10jährigen Bestehen des Netzwerkes sei natürlich "kein Grund zum Feiern!" heißt es auf Handzetteln und Plakaten. Letztlich sei es ein "Skandal, dass das Netzwerk und andere Hilfseinrichtungen seit Jahren ackern und sich politisch nichts tut", kritisierte Wienß. Mit der rund zweistündigen Aktion am (kommenden) Samstag wolle man Jung und Alt einladen, gegen eine Spende für die Speisen mitzufeiern.

„Betroffenen zu ihrem Recht verhelfen“

Gekocht wurde von Profis unter anderem des Restaurants Uscana und des Café Heye. Auch Bezirksbürgermeister Karsten Kunert trug eine Schürze und kochte mit. Ziele des Netzwerkes gegen Armut sei es, dass alle Menschen im Stadtbezirk am Leben teilhaben können, unabhängig von Herkunft, Religion, Alter oder sozialem Stand und dass bedürftige Menschen Beratung und Hilfe erhalten.

„Es geht auch darum, dass wir den Betroffenen zu ihrem Recht verhelfen, das ihnen zusteht, wie etwa die Grundsicherung“, so Pfarrerin Oßwald. Hilfen gebe es unter anderem bei der Internet-Nutzung, bei Behördengängen und Sprach- sowie Verständnisproblemen. Auch die Aktion „Reisen ohne Koffer“ falle mit unter die Hilfsangebote. Finanziert wird das Netzwerk gegen Armut -Wir leben Nachbarschaft ausschließlich von Spenden und von Einnahmen bei Aktionen, bei denen "es keine festen Preise gibt, sondern jeder das gibt, was er geben kann, so Oßwald.

 Zum Angebot des Netzes gehört unter anderem einmal im Monat ein Mittagessen in Gemeinschaft für Menschen ab 55 Jahren in einem Restaurant oder eine Cafeteria, eine Diakonie-Sprechstunde, Hilfen in Notlagen, eine Fahrradbörse und ein Lotsendienst. Für notwendig erachtet das Netzwerk zudem die Einrichtung einer Stelle für Quartiersarbeit, deren Finanzierung aber noch nicht geklärt sei.

Das Netz im Internet: www.netz-gegen-armut.de