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Neue Sommerserie: Pfarrer:innen im Auslandseinsatz

Von Düsseldorf nach Teheran

Fast 120 Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD zurzeit im Auslandseinsatz. Infos unter https://www.ekd.de /Auslandsgemeinden-10753.htm 

Pfarrerin Kirsten Wolandt beim Heimatbesuch in Düsseldorf. Sie hat eine Auslandspfarrstelle im Iran. Foto: A. Vollmert
Nikolausfeier in der Wüste von Doha in Katar. Foto: Christine Bahl
Internationaler Gottesdienst auf internationalem Friedhof in Teheran. Foto: M. Wolandt
Unterwegs mit Nomanden in den Bergen. Foto: Katharina Ghalavand

    Düsseldorf (evdus). Heute startet „evangelisch in Düsseldorf“ mit seiner dreiteiligen Sommerserie: Düsseldorfer Pfarrer:innen im Auslandseinsatz.

    Den Anfang macht Pfarrerin Kirsten Wolandt. Sie war sieben Jahre lang Pfarrerin an der evangelischen Stephanuskirche in Düsseldorf-Wersten. 2016 brach sie mit ihrem Ehemann in den Iran auf und übernahm dort eine Auslandspfarrstelle in der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache knapp 5000 Kilometer entfernt von Düsseldorf in der iranischen Hauptstadt Teheran. 

    Welche Erfahrungen macht Kirsten Wolandt als Auslandspfarrerin in Teheran?

    „Seit Sommer 2016 lebe und arbeite ich als Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache im Iran. Der sichtbarste Unterschied zwischen Teheran, meinem jetzigen Dienstort, und Düsseldorf ist natürlich die ungeheure Größe der Stadt: Über 8 Millionen Menschen leben hier. Zu manchen Zeiten ist der Verkehr immens. Besuche müssen also gut geplant werden. Trotzdem sehe ich „meine“ Gemeinde sehr regelmäßig: Wir feiern wöchentlich Gottesdienst und dienstags treffen sich die Frauen zu einem offenen Kaffeetreff.

    Reisen nach Katar, Oman und Kuweit

    Natürlich ist die Gemeinde kleiner als meine vorherige Gemeinde in Düsseldorf-Wersten. Dazu kommt der stete Wechsel von Menschen. Eine meiner Aufgaben ist es, immer wieder neue Kontakte zu knüpfen. Das ist grundsätzlich eine schöne Herausforderung. Genauso wie die Kontakte in die internationale Community: Wir feiern regelmäßig Gottesdienste mit der englischsprachigen protestantischen Gemeinde in unserer Kirche. Doch auch in anderen Ländern bin ich tätig: Zu meinem Gemeindegebiet gehören Oman, Katar, Kuwait, wohin ich regelmäßige Pastorationsreisen mache, um die dort lebenden deutschsprachigen Menschen pastoral zu betreuen. Im Gegensatz zu einer deutschen Gemeinde, wo man sich auch Zeit lassen kann mit dem Kennenlernen, muss hier manches schneller gehen.

    Wir sprechen öfter übers Geld

    Auch übers Geld sprechen wir öfter. Rund 50 Prozent unseres Haushalts müssen wir aus eigenen Mitteln erwirtschaften. Vor der Pandemie ging das gut: Der Weihnachtsbasar erbrachte über 20.000 Euro, viele deutsche Reisegruppen besuchten uns in der Gemeinde und unterstützten uns durch ihre Spenden, auch durch ‚Gemeindereisen‘ im Land haben wir zusätzliche Einnahmen gehabt.

    Botschaft von Freiheit und Selbstbestimmung wichtig

    Der größte Unterschied ist natürlich, dass wir als Christen in der Islamischen Republik eine absolute Minderheit sind, die unter Beobachtung der Behörden stehen. All das, was eine Gemeinde in Deutschland ausmacht: Vom Glauben erzählen, auch Außenstehende einladen, ist hier nicht möglich, denn Iranern ist der Besuch unserer Kirche von Seiten der Behörden verboten. Innerhalb der wenigen christlichen Gemeinden ist man vorsichtig, weil man nicht immer sicher sein kann, wie die Kontakte der anderen zu den Behörden sind. Trotzdem habe ich nie zuvor ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl gehabt, nie zuvor die Bedeutung der Kirche für eine Gesellschaft so deutlich gespürt. Denn natürlich ist die Botschaft von Freiheit und Selbstbestimmung hier besonders wichtig.

    Umgang mit Behörden mit uns Ausländern braucht Geduld und Fingerspitzengefühl

    Sicherlich ist manches fremd. Das Kopftuch für mich als Frau ist da noch das kleinste Problem. Aber Sprache, Schrift, Umgang mit Behörden, der Umgang von Behörden mit uns Ausländern gegenüber braucht Geduld und Fingerspitzengefühl. Seit einem Jahr lebe ich allein hier, weil mein Mann familiär bedingt vorzeitig nach Deutschland zurückgegangen ist. Das macht das Leben manchmal einsam, vor allem in Zeiten der Pandemie. Umso mehr Bedeutung bekommt das Gemeindesein. Auch mein Verständnis für Menschen, die im Ausland leben, hat sich nochmal geschärft. Das alles werde ich mitnehmen, wenn ich im nächsten Sommer turnusmäßig nach sechs Jahren nach Deutschland zurückkehren werde“.
                                                                                                                                                                  Kirsten Wolandt 

    Weitere Düsseldorfer Pfarrer im Auslandseinatz    

    In den nächsten Wochen stellen wir Pfarrer Carsten Körber vor. Der ehemalige Gemeindepfarrer der Düsseldorfer Thomaskirche in Mörsenbroich betreut die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Thailand in Bangkok. Und Pfarrer Christoph Dielmann, ebenfalls früher an der Thomaskirche tätig, hat eine Pfarrstelle im australischen Melbourne übernommen.