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„Mit Vertrauen geht alles etwas leichter“

Quartiersrundgang im und um den Hauptbahnhof im Rahmen der Seelsorgewoche 2019

Beim Quartiersspaziergang mit der Bahnhofsmission lernen die Teilnehmenden viel über Vertrauen. Foto: Peter Krogull

Düsseldorf (evdus). „Mit Vertrauen geht alles etwas leichter. Ohne Vertrauen ist alles schwerer“, so eine Teilnehmerin des Quartiersrundgangs rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof am Mittwochabend, 9. Oktober. Die rund zweistündige Veranstaltung fand im Rahmen der Seelsorgewoche 2019 der Evangelischen Kirche zum Thema „Vertrauen“ statt. Eingeladen hatte die Bahnhofsmission.

Persönliche Dinge in wenigen Minuten erzählt

Deren Leiterin, Barbara Kempnich, begrüßte die rund 20 Teilnehmer des Rundgangs mit den Worten: „Kontrolle ist gut - Vertrauen ist besser“. Kempnich, die seit mehr als zehn Jahren am Hauptbahnhof tätig ist, betonte, die Uniform, die sie als Mitglied der Bahnhofsmission trage, sorge dafür, „dass die Menschen uns viel mehr Vertrauen entgegenbringen, als wenn wir sie sie nicht tragen würden.“ Manchmal erzählten Hilfesuchende in wenigen Minuten so persönliche Dinge, die man sonst nur nach langjährigen Beziehungen zu hören bekomme.

„Vertrauen immer ein Thema“

„Wir versuchen, den Punkt im Gegenüber zu finden, den man zum Vertrauen haben muss. Das ist beidseitig“, so Kempnich weiter. In fast jedem Menschen stecke ein solcher „Persönlichkeitsanteil“, den es zu entdecken gelte. Dann seien am Ende auch beide Gesprächsteilnehmer froh darüber. Gerade am Hauptbahnhof in der NRW-Landeshauptstadt, der täglich von rund 300.000 Menschen frequentiert werde, sei „Vertrauen immer ein Thema“, betonte auch der polizeiliche Kontaktbeamte für interkulturelles Verständnis, Dirk Sauerborn.

Der wies auf die zahlreichen Einrichtungen rund um den Bahnhof hin, die Hilfe- oder Ratsuchenden mit Vertrauen begegneten. Dies gelte auch für das Vertrauen in die Demokratie. Am Beispiel der ausländerfeindlichen Hetzkampagnen der rechtsgerichteten Dügida-Bewegung vor einigen Jahren vor dem Hauptbahnhof machte Sauerborn klar, dass die bürgerliche Gesellschaft klar und eindeutig gegen die Aufmärsche dieser Bewegung Stellung bezogen habe.

Politisch Verfolgte genießen in Deutschland nach dem Grundgesetzartikel 16 Asylrecht. Darauf könnten sie auch vertrauen, so der Polizeibeamte mit Verweis auf den Welcome-Point 3 in Bahnhofnähe in der Heinz-Schmöle-Straße 7, in dem Flüchtlinge willkommen geheißen werden. Auch die vielfach ausgegrenzten Obdach- oder Wohnungslosen dürften zu Recht auf Hilfe und Entgegenkommen vertrauen. „Schließlich kann jeder von Schicksalsschlägen getroffen werden, die ihn aus der Bahn werfen können“, so Sauerborn im Gespräch mit den Teilnehmern des Quartiersrundgangs. 

Menschen mit Offenheit und Vertrauen begegnen

Auch Simone Heil von der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch belastete Migrantinnen und Migranten im Atrium am Bertha-von-Suttner-Platz 3 an der Rückseite des Bahnhofs plädierte für eine Vertrauens-Kultur. „Es gibt hier immer ein Getränk. Für jeden, der kommt. Die Gastfreundschaft wird gelebt“, so Heil, die seit einem knappen Jahr in der Einrichtung tätig ist, die in den Räumlichkeiten eines ehemaligen griechischen Lokals eingezogen ist.

„Wir versuchen hier, den Menschen, die zu uns kommen mit Offenheit und Vertrauen zu begegnen,“ sagte Heil. Glücklich ist sie unter anderem darüber, dass die Einrichtung „keine Fallzahlen erfüllen“ müsse. „Wir sind einfach da für die Leute“, die oftmals auch an die Hand genommen werden müssten. Wichtig sei, bei allen Hilfen nicht zu vergessen, dass in vielen Heimatländern von Migranten die Seele oder auch psychische Probleme nicht thematisiert würden.

Die Fachkräfte im Atrium vermitteln Hilfsangebote oder bieten auch attraktive Freizeitangebote zum Kennenlernen und Austauschen. Am Ende des Rundgangs durch und um den Hauptbahnhof zog ein Teilnehmer für sich das Fazit: „Wer vertraut, geht davon aus, dass der andere dieses Vertrauen nicht ausnutzt. Das hat immer auch viel mit der eigenen Lebenserfahrung zu tun.“

Verfasser: Andreas Rehnolt