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Landesweites Forschungsprojekt: „Die Toten des Novemberpogroms“

Mahn-und Gedenkstätte veröffentlicht Halbzeit-Ergebnisse

Die Endergebnisse des Forschungsprojekt: „Die Toten des Novemberpogroms“ der Mahn-und Gedenkstätte Düsseldorf werden kurz vor dem 9. November 2018 veröffentlicht.

Von links: Dr. Hans Wupper-Tewes, Leiter des Gedenkstättenreferats der Landeszentrale, Hildegard Jakobs von der Mahn-und Gedenkstätte, Maria Springenberg-Eich, Leiterin der Landeszentralr für politische Bildung NRW, Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn-und Gedenkstätte. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister

Düsseldorf (evdus). Im Herbst 2018 jähren sich die Novemberpogrome von 1938 zum 80. Mal. Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Düsseldorfer Mahn-und Gedenkstätte, die gerade die Halbzeit-Ergebnisse zu ihrem ersten und bisher einmaligen Forschungsprojekt in Nordrhein-Westfalen „die Toten des Novemberpogroms“ vorgestellt hat.

Kurz vor dem 9. November 2018 wird sie die Ergebnisse des Projekts, das von der Landeszentrale für politische Bildung im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, im Kontext einer offiziellen Gedenkstunde zum Novemberpogrom im Landtag präsentieren.

Im Forschungsprojekt geht es darum, die Namen und Zahlen aller Opfer der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ganz NRW zusammenzutragen. 

„Pogromnacht war eine Mordnacht“

„Schon jetzt können wir sagen, dass die Opferzahlen viel höher liegen als erwartet. Wir rechnen auch die Menschen dazu, die an den Folgen der Pogromnacht zwei, drei Wochen später gestorben sind, zum Beispiel durch Herzinfarkt, schweren Schock, durch die zugefügten Verletzungen und Misshandlung und durch Verzweiflungssuizide. In Düsseldorf konnten wir bis jetzt 17 Tote zählen und in NRW sind es nach jetzigem Stand 120 Opfer“, sagt Bastian Fleermann, Leiter der Düsseldorfer Mahn-und Gedenkstätte.

„Wir glauben, dass wir es mit einer Bagatellisierung des November-Pogroms zu tun haben. In Wahrheit ist es eine Mordnacht“, sagt Fleermann. Er findet genauso wie Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, den Begriff der ‚Kristallnacht‘ verharmlosend. Denn es wurden gezielt jüdische Menschen erniedrigt, überfallen, misshandelt und ermordet.

In Düsseldorf wurde zum Beispiel der Restaurantbesitzer Paul Marcus am 9. November erschossen. Ihm ist auch ein „Stolperstein“ an seinem früheren Wohnort Cranachplatz 1 gewidmet.

Stadtarchive und Gedenkstätten in NRW tragen Opferzahlen zusammen

Insgesamt 400 Städte und Kreise und 30 Gedenkstätten in NRW hat die Mahn-und Gedenkstätte Düsseldorf im Februar 2018 angeschrieben und um Mithilfe gebeten, in den Kommunalarchiven und Sterberegistern zu forschen und entsprechende Opfer-Daten der Pogromnacht in der eigenen Stadt, dem eigenen Kreis nach Düsseldorf zu melden. – Bisher hat erst die Hälfte der angeschriebenen geantwortet. Auch Literatur und Online-Datenbanken dienen als Recherchequellen für das Projekt.

Ziel des landesweiten Forschungsprojektes ist, die Ermordeten des Herbstes 1938 namentlich zu identifizieren, um sie angemessen zu würdigen und ihrer zu gedenken. Das Projekt kann dazu dienen, bestimmte Fragen neu aufzurollen: Welches Verhalten zeigte der Großteil der Bevölkerung? Wie tabuisiert waren Tumult, Mord und Totschlag noch 1938? Welche Rolle spielten Plünderungen, Diebstahl und Raub? Und welche Rolle spielte das kollektive Eindringen in die Privatsphäre von Menschen, das durch den November-Pogrom erstmals erfolgte?

Das Forschungsprojekt soll für andere Bundesländer beispielgebend sein.

Ulrike Paas