0800 081 82 831

Kirsten Wolandt aus dem Iran auf Heimaturlaub

Ehemalige Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Wersten

Kirsten Wolandt genießt das Radfahren am Rhein bei ihrem Heimaturlaub in Düsseldorf. Foto: Andreas Vollmert

Düsseldorf (evdus). Vor rund zwei Jahren packte Pfarrerin Kirsten Wolandt ihre Habseligkeiten in Wersten zusammen und nahm für sechs Jahre eine Stelle in der protestantischen Gemeinde in Teheran an. Gemeinsam mit ihrem Mann lebt sie nun in einer islamisch geprägten Welt mit all den Konsequenzen. Mehrere Wochen lang ist sie derzeit bei Verwandten und Freunden in Deutschland unterwegs.

Kirsten Wolandt sitzt entspannt am Rheinufer und genießt die Aussicht. „Das fühlt sich an wie Nachhause kommen. Sehr vertraut.“ Sie lehnt sich unter den Platanen auf der Sitzbank zurück. „Das Erste, was ich in Düsseldorf getan habe war, dass ich mein Fahrrad geholt habe. Jetzt freue ich mich, dass ich hier alles mit dem Drahtesel erledigen kann.“ 

Gottesdienst feiern in Teheran

Im Iran sind die Dimensionen dagegen unvorstellbar. Das Gebiet der evangelischen Gemeinde erstreckt sich über die gesamte Fläche der 15 Millionen Einwohner Metropole Teheran. Dort ist sie vor Allem Seelsorgerin und Gesprächspartnerin für Deutsche und Deutschstämmige. "Das Eine sind Menschen, die schon lange da leben, bis zu 60 Jahre. Das sind vor allem Frauen, die einen Iraner geheiratet haben und auch nach dessen Tod da geblieben sind. Das Andere sind Menschen, die auf Zeit da sind; Angehörige der deutschen Botschaft, der Botschaftsschule, auch Firmenvertreter, wobei das im Moment wieder abnimmt.“

Zwei regelmäßige Veranstaltungen führen die evangelischen Christen in das unscheinbar in einem Hinterhof liegende Gemeindehaus. Zum Einen das Frauencafé. Bis zu 40 Besucherinnen kommen seit vielen Jahren wöchentlich, um sich auszutauschen. Das Andere ist der Gottesdienst, der immer freitags vormittags stattfindet, weil das im Iran der arbeitsfreie Tag ist. „Was unbedingt in den Gottesdienst gehört, ist das Fürbittengebet am Ende. Zu Beginn des Gottesdienstes sammeln wir die Fürbitten der einzelnen Besucher und fassen sie am Ende zusammen. Das gibt eine persönliche Note und verbindet uns auch stark.“

Kleidervorschriften und viele Feste

Deutsche Christen dürfen ihren Glauben in Iran ausleben, nicht aber bei Muslimen in Persisch dafür werben. Kirsten Wolandt ist sich der Rolle als religiöse Minderheit bewusst - auch im Alltag, wenn sie vor die Tür geht. „Kleidung heißt für alle Frauen, dass wir uns an die islamischen Vorschriften halten müssen, dass ich ein Kopftuch trage, dass ich lange Ärmel anhabe. Das ist bei 40 Grad nicht schön, aber man gewöhnt sich dran, und es trifft nicht mich allein.“

Andererseits betont die Pfarrerin die Schönheit des Landes und die Offenheit der Menschen. Das erlebt sie besonders während der vielen Feiertage. „Es gibt Trauer- und fröhliche Feiertage wie Fatima. Feiertage nutzen die Iraner immer, um raus zu fahren, Picknick zu machen. Das ist was sehr Nettes.“

Nun jedoch genießt sie die Auszeit fernab Persiens, schwingt sich wieder auf ihr Rad, um den Rhein entlang zu fahren.                                                                                                                                                                                               Verfasser: Andreas Vollmert