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Kirche soll moderner werden

Bürgergutachten 2021: Eine Teilnehmerin berichtet

Informationen über das Bürgergutachten 2021 finden Sie hier unter www.wieviel-kirche-braucht-die-stadt.de

Gabi Henke hat sich am Bürgergutachten 2021 beteiligt und berichtet von ihren Erfahrungen. Foto: C. Otte

Düsseldorf (evdus). Gabi Henke aus Gerresheim hat Post bekommen. Im Umschlag mit dem ihr bekannten Logo von „evangelisch in Düsseldorf“ mit dem orangenen Kreuz in der Mitte steckte die Einladung zur Teilnahme an einem viertägigen Workshop zum Bürgergutachten "Glaube in der Stadt".

Der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf hat mit Hilfe der Landeshauptstadt im April 100 zufällig ausgewählte Düsseldorfer:innen zu einem ersten Austausch- und Dialogverfahren über die Stadt-und Kirchenentwicklung eingeladen. Es ermöglicht den Teilnehmenden, ihre Verbesserungsvorschläge, Ideen und Empfehlungen einzubringen.

Eine gute Möglichkeit, sich zu äußern

Für Gabi Henke war klar. „Daran nehme ich teil, weil ich schon seit längerem überlege, was ich für meinen Stadtteil tun kann. So ein Bürgergutachten ist eine gute Möglichkeit, sich zu äußern. Ich wohne im unteren Gerresheim, und seit dort das Glashüttenwerk stillgelegt wurde, macht der Stadtteil auf mich einen halbtoten Eindruck. Nachdem vor kurzem ein Supermarkt und ein Drogeriemarkt geschlossen wurden, sieht es auch mit der Nahversorgung schlecht aus.“ Henke lebt seit über 40 Jahren in Gerresheim. 

Zur Teilnahme motiviert hat die 66-Jährige außerdem ihr Wunsch, der evangelischen Kirche etwas zurückzugeben. „Als ich damals, alleinerziehend mit zwei Kindern, dringend einen Kindergartenplatz suchte, hat mir die Kirche geholfen. So konnte ich arbeiten gehen und für unseren Lebensunterhalt sorgen“, sagt Henke, die sich seit über zehn Jahren ehrenamtlich in der Evangelischen Kirchengemeinde Gerresheim beim Diakoniefrühstück für Menschen mit geringem Einkommen engagiert.

Über vier Tage hinweg traf sich Gabi Henke coronabedingt ausschließlich über Videokonferenzen mit anderen Teilnehmenden und Expert:innen verschiedener Themenbereiche. Mit ihnen diskutierte sie über die Zukunft von Stadt und Kirche. Auch Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Superintendent Heinrich Fucks nahmen an einem Tag am Verfahren teil, um sich mit den Düsseldorfer:innen auszutauschen.

Neue Bürgersteine und Ampel in Spielplatznähe

Eine Aufgabestellung für die Beteiligten lautete zum Beispiel, den eigenen Stadtteil bei einem Spaziergang einmal aus dem Blickwinkel eines kleinen Kindes und aus der Perspektive eines älteren Menschen anzuschauen. „Bei meinen Spaziergängen durch Gerresheim ist mir aufgefallen, dass wir dringend neue Bürgersteige brauchen. An einigen Stellen sind die richtige Stolperfallen. Und an der Quadenhofstraße könnten wir noch eine Ampel gebrauchen, damit Kinder es leichter haben, die befahrene Straße zum Waldspielplatz zu überqueren“, sagt die Rentnerin. Durch die Teilnahme am Bürgergutachten weiß sie jetzt, dass für solche Anliegen die Bezirksvertretung 7 in Gerresheim zuständig ist und sie ihre Wünsche und Anregungen auch persönlich bei den „Runden Tisch-Treffen“ vortragen kann.

Humor in der Predigt und musikalische Vielfalt

Für die Kirche hat Gabi Henke die Empfehlung: „Sie muss moderner werden. Vor einigen Jahren habe ich einen Gospelchor in der Kreuzkirche gehört. Da war die Kirche bis zum letzten Platz besetzt, und es entstand eine lockere Atmosphäre. Das ist mir in Erinnerung geblieben“. Henke wünscht sich eine musikalische Vielfalt jenseits der klassischen Orgelklänge und Predigten in einer Alltagssprache, die alle verstehen. „An Humor und Leichtigkeit sollte nicht gespart werden, denn gerade in der jetzigen Zeit tut Aufmunterung gut“. Auch Lyrik über gelingendes Leben kann sie sich gut im Gottesdienst vorstellen.

Nach Ende ihrer Beteiligung am Bürgergutachten sagt Henke: „Die Teilnahme war eine Bereicherung. Vielleicht bewirkt es etwas – egal ob in der Kirche oder in der Stadt“. Für die zweite Phase des Verfahrens im Juni werden derzeit die Einladungsbriefe verschickt.

Ulrike Karpa