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„In der Krise nicht alleine sein“

Videogottesdienst am Airport Düsseldorf gedreht

Laura Blüming filmt eine Szene im Gedenkraum des Flughafens Düsseldorf mit Flughafenseelsorger Johannes Westerdick. Foto: Hans Albrecht
Am Seelsorge-Schalter des Flughafens im Terminal A, Abflughalle, finden Ratsuchende Ansprechpartner. Foto: Hans Albrecht
Pfarrer Axel Weber von der Evangelischen Kirchengemeinde Unterrath hält die Predigt im Video-Gottesdienst. Foto: U.Karpa
Anne-Maarit Mühlenbein und Herbert Schneider-Held arbeiten ehrenamtlich bei der Flughafenseelsorge Düsseldorf mit. Foto: U.Karpa
Der Pressesprecher Nicolas Bertold in einer Filmszene vor dem Düsseldorfer Airport. Foto: U.Karpa
iplom-Sozialpädagogin Ute Clevers und Pastoralreferent Johannes Westerdick sind als Seelsorgende am Düsseldorfer Airport für Passagiere, Abholer und Mitarbeitende da. Foto: Sergej Lepke

    Airport Düsseldorf: Auf der Abflugebene, Terminal A, haben ehren- und hauptamtliche SeelsorgerInnen ein offenes Ohr für alle Anliegen von Passagieren, Besuchern und Mitarbeitern am Flughafen und bieten Unterstützung in seelischen Krisen.

    Golzheim/Unterrath (evdus). „Gut, dass wir einander haben“, heißt es in einem Lied von Manfred Siebald. Im Gedenkraum im Terminal A, Abflugebene des Düsseldorfer Airports, stimmen Haupt-und Ehrenamtliche der Flughafen-Seelsorge Düsseldorf im coronabedingten Abstand das Lied an.

    Die Evangelische Tersteegen-Kirchengemeinde und die Evangelische Kirchengemeinde Unterrath produzieren regelmäßig Videogottesdienste. Während des Lockdowns wöchentlich aus ihren Kirchen heraus und jetzt alle vier bis sechs Wochen zu besonderen Themen an besonderen Orten. Am 22. September wurde am Airport Düsseldorf gedreht.

    „‚Flughafen-Seelsorge – in der Krise nicht alleine sein‘ heißt der Titel unseres Gottesdienstes. Wir möchten die wichtige Arbeit der Flughafenseelsorge einmal in den Mittelpunkt rücken. Ehrenamtliche sprechen Fürbitten, ich halte eine kurze Predigt, und wir singen in Begleitung der Gitarre“, sagt Pfarrer Axel Weber von der Evangelischen Kirchengemeinde Unterrath über den Videogottesdienst.

    Was macht das Ehrenamt am Flughafen aus?

    In dem Video erzählen die Ehrenamtlichen Anne-Maarit Mühlenbein, 63 Jahre, und Herbert Schneider-Held, 66 Jahre, von ihrer Motivation, seelsorgend am Düsseldorfer Airport tätig zu sein. „Ich möchte gern für Menschen da sein. Ich komme aus Finnland, spreche mehrere Sprachen und helfe gern, den Service am Flughafen zu verbessern. Heute zum Beispiel kam ein Herr ganz aufgeregt an unseren Seelsorge-Schalter. Er hatte seine EC-Karte im Geldautomaten stecken lassen und in Kürze ging sein Flieger. Ich konnte ihn beruhigen, mit ihm zusammen zum Geldautomaten gehen – zum Glück steckte seine Karte noch im Schlitz des Automaten“, sagt Mühlenberg.

    Herbert Schneider-Held gehört seit dreieinhalb Jahren zum Team der ehrenamtlichen Seelsorgenden am Airport Düsseldorf. „Für meinen Ruhestand suchte ich ein Ehrenamt. Das sehr abwechslungsreiche Umfeld am Flughafen hat mich von Anfang an interessiert. Es sind oft die kleinen Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben. Eine ältere Dame fragte mich nach dem Weg vom Terminal zur S-Bahn. Ich begleitete sie dorthin und währenddessen erzählte sie mir ihre halbe Lebensgeschichte, von ihren Sorgen, ihrer Krebserkrankung. Am Ende sagte sie: ‚Sie sind ein Engel‘. Ich gab ihr noch ein Gebet mit auf den Weg“, erzählt Schneider-Held.

    Interreligiöser Gedenkraum am Flughafen

    Einer der Drehorte für den Gottesdienst ist der interreligiöse Gedenkraum, in dem am Eingang in Stein gemeißelt an der Wand die Namen der Opfer des Flughafenbrandes 1996 stehen. Auch wird dort der Opfer des Germanwings-Fluges 9525 von Barcelona nach Düsseldorf gedacht.

    Wenn man die Gedenkwand passiert hat, öffnet sich ein großer, mit indirektem Licht beleuchteter Raum mit Hockern, einer Bronzeschale und einem Wasserbecken mit kleinen Spiegeln versehen. Wellenbewegungen erzeugen an der Wand den Eindruck, als ob Flammen empor züngeln

    „Ich nenne ihn ‚Raum des Lebens‘. Hier sind die vier Elemente angelegt, darin können sich Menschen egal welcher Religion wiederfinden“, sagt die evangelische Flughafenseelsorgerin Ute Clevers, die gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen Johannes Westerdick die ökumenische Flughafenseelsorge in Düsseldorf leitet.Seit der Pandemie ist das Leben am Flughafen zu großen Teilen zum Erliegen gekommen. So gilt die Aufmerksamkeit der 35 ehrenamtlich Mitarbeitenden, zwei Praktikanten sowie Clevers und Westerdick verstärkt den Mitarbeitenden des Flughafens. „Hauptthema ist derzeit die Entlassung von 120 Mitarbeitenden des Bodenpersonals einer großen Airline zum Ende des Monats. Wir halten die Situation mit ihnen zusammen aus, stehen ihnen bei und suchen gemeinsam danach, wie es für sie weitergehen kann“, sagt Clevers.

    Vater und Tochter produzieren Video-Gottesdienste

    Möglich geworden sind die regelmäßigen Video-Gottesdienste der beiden Kirchengemeinden durch Vater und Tochter Laura-Alina Blüming und Mirko Blüming. Die 20-Jährige studiert „Film“ in Wuppertal und gehört seit Kindesbeinen der Evangelischen Tersteegen-Kirchengemeinde in Golzheim an. Ihr Vater ist dort Kirchmeister und Presbyter. Sie dreht den Film. Ihr Vater sorgt für den Ton. Für Laura-Alina Blüming sind diese Gottesdienste „ein Glücksfall“. Sie sammelt praktische Erfahrungen bei der Filmproduktion für ihr Studium. „Mir liegt die Kirche sehr am Herzen und dass die Botschaft über den Videogottesdienst in die Welt hinausgeht“, sagt sie.

    In der zweiten Oktoberwoche soll der jetzt gedrehte Video-Gottesdienst fertig sein und online unter www.tersteegen.ekir.de und unter www.ekir.de/duesseldorf-unterrath zu sehen sein.

    Die Flughafen-Seelsorge Düsseldorf ist erreichbar Telefon 0211 421-21 772 (24 Stunden erreichbar) per Mail: flughafenseelsorge@dus.com, Terminal A, Abflugebene, Raum 1.587, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 7.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 16.00 Uhr.

                                                                                                                                                                     Ulrike Karpa