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Immer die Erste in der Notschlafstelle

Jasmin landete mit 14 auf der Straße – erst im TrebeCafé fand sie Hilfe

Jasmin am Eingang des TrebeCafés der Diakonie an der Kölner Straße in Düsseldorf. Foto: Gerald Biebersdorf/Diakonie Düsseldorf

Das TrebeCafé kann seine Arbeit nur durch Spenden aufrechterhalten. Seit vielen Jahren setzen sich Spenderinnen und Spender dafür ein, dass die Mädchen nicht allein sind. Mehr Infos unter: www.diakonie-duesseldorf.de/trebe2018

An die Zeit auf der Straße erinnert Jasmin sich noch gut, obwohl sie oftmals lieber nicht daran denken und auch nicht darüber sprechen möchte, wie sie dort gelandet ist. „Vielleicht nur so viel: Bei meinen Eltern konnte ich einfach nicht bleiben“, sagt sie. Jasmin war 14, als sie das Elternhaus verließ. Anfangs schlief sie noch bei Freunden. Doch irgendwann hatten auch diese keinen Platz mehr für sie, die 14-Jährige stand auf der Straße. Das Vertrauen in die Behörden hatte Jasmin verloren. „Es hieß immer wieder, es sei nicht möglich, mich in einer Einrichtung unterzubringen“, erzählt die heute 19-Jährige. „Nicht vermittelbar“, das sei der Stempel gewesen, den ihr die Behörden aufgedrückt hätten. Also versuchte Jasmin irgendwann gar nicht mehr, Hilfe zu bekommen. „Ich war unsicher und habe mich abwimmeln lassen.“

Jasmin richtete sich auf der Straße ein. Wer Jasmin heute sieht, kann kaum glauben, dass die junge Frau damals nicht resoluter aufgetreten ist. In ihren Jeans und der schwarzen Lederjacke wirkt die 19-Jährige, als könne ihr niemand etwas vormachen. „Aber damals war ich ganz anders – wenn ich Bilder aus dieser Zeit sehe, erkenne ich mich kaum wieder.“ Auf der Straße habe sie sich nie wohlgefühlt. „Ich war immer die Erste bei den Notschlafstellen“, erzählt sie. „Ich konnte es gar nicht abwarten, dass sie endlich öffnen.“ Irgendwann habe ihr dann eine andere Jugendliche vom TrebeCafé der Diakonie Düsseldorf erzählt. 

Das Leben wieder in den Griff bekommen

Wie viele Mädchen und junge Frauen, die das erste Mal das TrebeCafé aufsuchen, habe sie keinen Fitzel Vertrauen gehabt, als sie an der Tür der Einrichtung in der Nähe des Hauptbahnhofs klingelte. „Ich war in so vielen Einrichtungen und immer wollten die Menschen mir vorschreiben, was ich zu tun habe“, sagt Jasmin. „Ich hatte Sorgen, dass das im TrebeCafé weitergeht.“

Doch im Café war alles ganz anders. Jasmin konnte sich in Ruhe bei einem Kaffee aufwärmen, etwas zu Mittag essen, ihre Kleidung wechseln oder auf dem Hochbett einfach eine Runde vor sich hin dösen – ohne dass ihr jemand hineinredete. Das schaffte Vertrauen. Nach und nach öffnete sich Jasmin den Mitarbeiterinnen und schilderte ihre Situation. Ein weiteres halbes Jahr dauerte es, bis Jasmin so viel Vertrauen geschöpft hatte, dass eine der Mitarbeiterinnen sie zum Jugendamt begleiten durfte. „Ich hatte einfach zu große Angst, dass wieder alles umsonst ist“, erinnert sich Jasmin.

Heute ist sie froh, dass die Mitarbeiterinnen sie überzeugen konnten, einen weiteren Anlauf zu wagen. „Sie haben wirklich alle Hebel für mich in Bewegung gesetzt.“ Jasmin bekam einen Platz bei einem Projekt, das Jugendlichen wie ihr eine Wohnung zur Verfügung stellt. Dort konnte Jasmin zur Ruhe kommen und sich gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen des TrebeCafés darum kümmern, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Sie entschied sich, wieder zur Schule zu gehen, holte erst ihren Hauptschulabschluss nach und machte in dieser Zeit ein Praktikum in einem Krankenhaus. Das gefiel ihr so gut, dass sie sich für einen Ausbildungsplatz als Medizinische Fachangestellte bei der Bundeswehr beworben hat. Noch hat sie keine Zusage, aber die Chancen stehen gut.

Zurzeit macht sie ihren Realschulabschluss. „Sogar mit dem Rauchen habe ich aufgehört“, sagt Jasmin und lacht. Dass das Leben nun wieder rund laufe, hindere sie aber nicht daran, regelmäßig im TrebeCafé vorbeizuschauen. „Für mich ist das wie ein zweites Zuhause“, sagt sie.