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Gerresheimer Pfarrerin geht in den Ruhestand

Abschiedsgottesdienst für Cornelia Oßwald

Der Abschiedsgottesdienst am 6. Oktober mit anschließendem Empfang beginnt um 10.30 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche, Heyestraße 93, Gerresheim.

Pfarrerin Cornelia Oßwald geht in den Ruhestand. Foto: Privat
Oßwald hält eine Rede bei einer großen Protestveranstaltung gegen die Schließung der Glashütte in Gerresheim. Foto: Uwe Koopmann
Cornelia Oßwald im Gespräch mit Präses Manfred Rekowski, Diakonie-Pfarrer Thorsten Nolting und Volker König,leitender Dezernent für Politik und Kommunikation im Landeskirchenamt beim Besuch der Diakonie-Sprechstunde 2019. Foto: Privat
Ehepaar Meuschel-Oßwald zieht es für ein Jahr nach Dangast in Norddeutschland. Foto: Privat

    Gerresheim (evdus). Über die Grenzen Gerresheims hinaus hat sich Cornelia Oßwald, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Gerresheim, einen Namen gemacht. Nach fast 35 Jahren in der Gemeinde geht sie in den Ruhestand. Ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit in Düsseldorf, für die Unterstützung von Benachteiligten, Solidarität mit Schwächeren zieht sich wie ein roter Faden durch ihren beruflichen Weg.

    In einem Gottesdienst am Sonntag, 6. Oktober, entpflichtete Pfarrer Heinrich Fucks, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, Oßwald von ihren pfarramtlichen Aufgaben.

    Der Gottesdienst mit anschließendem Empfang begann um 10.30 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche, Heyestraße 93.Unter Leitung von Evelin Affolderbach führte die Kantorei Gerresheim die Kantate „Nun danket alle Gott“ von Johann Pachelbel auf.

    „Ich will Gemeindepfarrerin werden“

    Am 23. Oktober 1956 wurde Cornelia Oßwald in Opladen, dem heutigen Leverkusen, geboren. Ihre Eltern gaben ihr ein Interesse am Menschen mit auf den Weg und „ein Verlangen nach Gerechtigkeit, weil vor Gott alle Menschen gleich sind.“ Im Konfirmandenunterricht begeisterte sie ein Pfarrer für die Kirche mit inszenierten Jesus-Geschichten aus der Situation Jugendlicher heraus und mit Songs zur Gitarre. Daraus wurde vor dem Abitur der Wunsch: „Ich will Gemeindepfarrerin werden“.

    Nach dem Theologiestudium in Göttingen mit Studienaufenthalten in Indien, Hongkong und auf den Philippinen sowie ihrem Vikariat in Hannover-Linden kam Oßwald 1985 als Pfarrerin im Probedienst in die Evangelische Kirchengemeinde Gerresheim und wurde dort 1986 gewählt und in ihre Pfarrstelle eingeführt. 

    „Das Christentum ist hochpolitisch“

    Von Beginn an lud die heute 62-Jährige zu Gottesdiensten zum 1. Mai ein, bis in die 90er Jahre noch gemeinsam mit dem Betriebsrat der Glashütte. Später wurde der ökumenische Gottesdienst dann für die ganze Stadt in der Johanneskirche gefeiert.

    Für die Konfirmandenväter, darunter viele, die auf der Glashütte in Gerresheim arbeiteten, organisierte sie Fußballturniere. „Die Väter kamen dadurch punktuell noch mal anders mit Kirche in Kontakt“, sagt sie. Und als 2005 die Glashütte geschlossen wurde und Viele ihren Job verloren, stand sie an der Seite der Beschäftigten, beteiligte sich an Protestveranstaltungen und hielt Gottesdienste. „Man kann keine scharfe Trennung ziehen zwischen der Welt Gottes und der Welt, in der wir leben. Wir beziehen uns auf die Heilige Schrift, und das Evangelium ist unpolitisch nicht zu haben“, sagt die Pfarrerin, die seit Studententagen regelmäßig bei den Ostermärschen dabei ist.

    Pionierin als Frau und Mutter im Pfarrdienst

    Pionierarbeit leistete Cornelia Oßwald, die mit dem Mathematiker Günther Meuschel-Oßwald verheiratet ist, als sie 1989 ihr erstes Kind bekam und damit in ihrer Gemeinde die erste Pfarrperson war, die Erziehungsurlaub beanspruchte. „Das war für die Kirche eine neue Situation, sie musste eine Vertretung organisieren und tat sich schwer damit“, sagt Oßwald. Für die Gemeinde neu war auch ihr Wunsch, nach der Geburt ihres zweiten Sohnes 1991 als Pfarrerin in Teilzeit zu arbeiten. Von 1994 bis 2000 teilte sie sich die Stelle mit ihrer damaligen Kollegin Monika Förster-Stiel. Gemeinsam entwickelten sie ein Pfarrstellen-Teilungsmodell. „Es verknüpfte funktionale und bezirkliche Zuständigkeiten und hatte eine klare Arbeitszeitregelung“, sagt sie. Heute sei die Kirche entschieden weiblicher und die Perspektive von Frauen und Eltern im Pfarrdienst beim kirchlichen Arbeitgeber stärker im Blick.

    Erste Stadtsuperintendentin in Düsseldorf

    2000 wurde Oßwald in das Amt der Superintendentin im damaligen Kirchenkreis Düsseldorf-Ost gewählt und 2004 folgte dann die Wahl zur ersten Stadtsuperintendentin in Düsseldorf verbunden mit der Aufgabe, die damals drei Kirchenkreise Ost, Süd und Nord zu einem Kirchenkreis zusammenzuführen. Das scheiterte. „Da war ein Stillstand des Prozesses der Zusammenführung der Kirchenkreise, eine Blockade, die zunächst aufgelöst werden musste“, sagt Oßwald und trat Ende 2005 als Stadtsuperintendentin zurück. „Ich hatte das Gefühl, gescheitert zu sein. Es macht demütig zu erkennen, man hat nicht alles in der Hand“, sagt die Pfarrerin, die diese Zeit persönlich als ihre spirituell tiefste Zeit erlebt hat, sich eine Auszeit nahm und in ihrer Bibel-Meditationsgruppe und im Gebet Halt fand. Erst 2007 ist dann die Zusammenführung der drei Kirchenkreise zum Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf gelungen.

    Diakonie-Sprechstunde ins Leben gerufen

    2005 zählte eine Düsseldorfer Tageszeitung Oßwald zu „Düsseldorfs starken Frauen“ und bringt ihre Sicht auf die Aufgaben als Pfarrerin in Leitungsfunktion auf den Punkt. „Menschlichkeit, Beachten der Schwachen und Benachteiligten, Blick auf den Lebenssinn. Und das beherzt, sozial engagiert, geradeaus – und das alles ohne Theologendeutsch“.

    2006 führte Oßwald, nach wie vor Superintendentin für den Kirchenkreis Düsseldorf-Ost, die Demonstration gegen rechte Gewalt unter dem Motto „Düsseldorf zeigt Neonazis die rote Karte“ auf dem Martin-Luther-Platz vor der Johanneskirche an.

    Die diakonische Arbeit liegt Oßwald sehr am Herzen. Seit 2007 wieder schwerpunktmäßig Gemeindepfarrerin an der Gustav-Adolf-Kirche, rief sie mit Kollegen und engagierten Gemeindegliedern, wissenschaftlich begleitet durch einen Sozialethiker und die Fachhochschule Düsseldorf, eine wöchentliche Diakonie-Sprechstunde ins Leben. „Wir wollten keine Haustür-Diakonie mehr machen und Hilfsbedürftige zwischen Tür und Angel abfertigen. In der Sprechstunde dienstagsmorgens haben wir Zeit für die Beratung der Bittsteller und können uns angemessen um ihr Anliegen kümmern. Zu Beginn gibt es jedes Mal eine kleine Andacht, ein gutes Übungsfeld für mich, kurz und anschaulich ohne Theologendeutsch zu sprechen“, sagt Oßwald. Sie betont, wie wichtig es ist, Hilfsbedürftige nicht gegeneinander auszuspielen; und deshalb haben alle im Stadtbezirk 7 von Armut Betroffenen Zugang zu diesem Angebot. Inzwischen ist daraus das „Netz gegen Armut“ entstanden, an dem sich auch die katholische Ortsgemeinde, Wohlfahrtsverbände und Bürgervereine beteiligen.

    Café Mittendrin ein Anziehungspunkt in Gerresheim

    Eine Zeit des Umbruchs und des Kampfes erlebte Oßwald in den Jahren 2009 und 2010 als sich die Evangelische Kirchengemeinde Gerresheim von zwei ihrer drei Zentren aus finanziellen Gründen trennen musste, was mit Protest und Schmerz bei vielen Gemeindegliedern einherging. „Es war anstrengend, aber auch beflügelt von der Vision, am Standort der Gustav-Adolf-Kirche an der Heyestraße ein neues attraktives Gemeindezentrum samt Kirchencafé zu bauen“, sagt Oßwald. Heute ist das Café Mittendrin zu einem Anziehungspunkt im Stadtteil geworden.

    Jetzt geht Pfarrerin Cornelia Oßwald in den Ruhestand. „Ich will erst einmal die Lücke spüren, etwas Abstand haben“, sagt sie. Ende Oktober kommt der Möbelwagen, und sie bricht mit ihrem Mann für ein Jahr nach Norddeutschland auf. Danach stehen die Zeichen auf Neuanfang in einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Bonn. Kontakte knüpfen und Netzwerken sind eine ihrer großen Stärken. „Man sagt mir nach, dass ich klar bin, geradeaus und straigt“. 

    Ulrike Paas