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„Gemeinsam jeck“

Toleranz-Wagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug

Dr. Dalinc Dereköy (Kreis der Düsseldorfer Muslime), Pfarrer Dr. Martin Fricke (Evangelischer Kirchenkreis Düsseldorf), Jacques Tilly (Wagenbauer), Michael Szentei-Heise (Jüdische Gemeinde Düsseldorf) stellen den gemeinsamen Mottowagen vor. Foto: Ulrich Erker-Sonnabend
Der Toleranz-Wagen der Religionen im Entwurf. Foto: Tilly

    Für den Wagen gibt es ein crowdfuning

    crowdrange.de/jeck

    Düsseldorf (evdus). Das dürfte wohl in der karnevalistischen Welt einzigartig sein: Die vier großen Religionen fahren in diesem Jahr auf einem gemeinsamen Wagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug mit. „Es gibt nichts Vergleichbares in der Geschichte des Karnevals“, sagt Michael Szentei-Heise, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. „Gleichzeitig setzen wir damit öffentlich ein Zeichen für Toleranz.“ Und so steht als Motto über dem Wagen: „TOLERANZ WAGEN!“ - ein treffendes Wortspiel: es geht darum: „Toleranz zu wagen“ (parallel zum Slogan „Demokratie wagen!“) und gleichzeitig ist das Gefährt der „Toleranzwagen“. Entworfen hat ihn Jacques Tilly. Tilly ist Düsseldorfs Karnevals-Wagenbauer. Seit Jahren freuen sich in jeder Session die Narren über seine bissigen und satirischen mobilen Großplastiken. Jetzt hat der Wagenbauer den Entwurf gemeinsam mit Vertretern der Religionen vorgestellt.

    Ihn zu erklären sei sinnlos, meint Tilly. „Der Wagen muss sofort verstanden werden.“ Und das klappt mit der einfachen, aber wichtigen Botschaft von der Toleranz.

    Da sind eine evangelische Pfarrerin, ein jüdischer Rabbi, ein katholischer Geistlicher und ein Imam karnevalistisch beieinander auf der Wagenseite – rote Nasen mitten im Gesicht und fröhlich die Arme zum Helau schwenkend. Daneben sind auch gleich die entsprechenden Gotteshäuser zu sehen: die evangelische Johanneskirche, die Synagoge, die katholische Lambertuskirche und die (im Stadtteil Reisholz noch zu bauende) Moschee. Alles in allem: „Gemeinsam jeck“ - so lösen die Religionen in der Landeshauptstadt das gleichlautende Motto des diesjährigen Rosenmontagszuges am 4. März ein.

    „Der Wagen lebt das Motto“, sagt Tilly. „Religion ist ein Menschenrecht. Und das hier ist eine Absage an Fundamentalismus und Extremismus. Hier wird vorgelebt, wie das funktionieren kann“, so der Wagenbauer, von dem bekannt ist, dass er der Religion gegenüber skeptisch und kritisch ist. 

    Crowdfunding

    Bereits im Jahr 2017 hat die Düsseldorfer evangelische Kirche einen eigenen Wagen im Rosenmontagszug gehabt. Vor zwei Jahren wurde zum Reformationsjubiläum die Figur Martin Luthers übergroß auf die Straßen gebracht. Im darauf folgenden Jahr sahen die Narren dann einen Wagen, der Heinrich-Heine als großen Sohn Düsseldorfs feierte. Die Jüdische Gemeinde und der Kreis der Düsseldorfer Muslime waren damit gemeinsam im närrischen Lindwurm unterwegs. Und nun, in der Session 2019, treten die vier monotheistischen Religionen gemeinsam auf. „Uns ist das ein großes Anliegen“, sagt Pfarrer Dr. Martin Fricke vom Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf. Besonders schön sei, dass es um Toleranz gehe. „Das ist dreimal zu unterstreichen.“

    Die Kosten für den gemeinsamen Auftritt liegen bei etwa 60 – 65.000 Euro, inclusive zwei Tonnen Wurfmaterials – darunter auch koschere Kamellen. Die Summe soll unter anderem mit Crowdfunding zusammenkommen. Für 1911 Euro kann man sich einen Platz auf den Wagen ergattern. Von den Vieren, die zur Verfügung stehen, sind noch drei zu haben. Insgesamt können 32 Personen auf dem Wagen mitfahren. Über Spenden ab 50 Euro freuen sich die Initiatoren. Wer 250 Euro gibt, bekommt den Karnevalsorden der Jüdischen Gemeinde verliehen. Hier die Crowdfunding-Seite im Internet: crowdrange.de/jeck/.