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Gemeinde neu denken

Vortrag von Dr. Steffen Schramm - Frühjahrssynode 2021

Gastreferent Dr. Steffen Schramm hielt einen inspirierenden Vortrag zur Zukunftsgestaltung und Neuausrichtung kirchlichen Handels. Foto: Privat

Ein ‚Weiter so‘ kann es in der Kirche nicht geben. Darüber waren sich die Mitglieder der Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf einig. Ein Rückgang der Mitgliederzahlen, der hauptamtlich Mitarbeitenden und der Finanzen erfordern eine Neuausrichtung. Die Gesellschaft ist pluraler, multireligiöser und multikultureller geworden. Gastreferent Dr. Steffen Schramm, Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung der Evangelischen Kirche der Pfalz und Autor des Buches „Gemeinde geht weiter – Theorie- und Praxisimpulse für kirchliche Leitungskräfte“, gab in seinem Vortrag Impulse für den Prozess „zukunft kirche 2.0“ des Düsseldorfer Kirchenkreises. „Unsere Bestimmung bleibt, aber die Welt um uns herum hat sich verändert. Das führt zu der Frage: Was brauchen die Menschen und wie können wir uns weiterentwickeln?“, sagte Schramm.

Von der Versäulung zur Vernetzung

In den 70er und 80er Jahren haben Kirchengemeinden von der Wiege bis zur Bahre für jede Zielgruppe eigene Angebote geschaffen, zum Beispiel Krabbelgruppen, Seniorentreffpunkte, Frauengesprächskreise. „Die Folge dieser Differenzierung von Angeboten und Spezialisierung von Mitarbeitenden führt heute bei geringer werdenden Ressourcen zu einer Versäulung und operativen Verinselung kirchlichen Handels. Die einzelnen Handlungsfelder stehen unverbunden nebeneinander und der Eindruck der Akteurinnen und Akteuren ist: Wir machen immer mehr, und es bringt immer weniger“, sagte der Gastreferent. Er plädierte dafür, sich zu vernetzen und anstelle von fertigen kirchlichen Angeboten für Menschen in den Dialog mit ihnen zu treten und danach zu fragen: Was für eine Kirche wird hier an diesem Ort gebraucht? Ein Beispiel aus der Praxis: In einer Gemeinde in der Pfalz wurde ein bereits seit sieben Jahren bestehender Mittagstisch für alleinstehende, zum großen Teil verwitwete Seniorinnen und Senioren ins Leben gerufen und so auf die artikulierte Einsamkeit der Betroffenen reagiert. Es wird dabei von außen nach innen gedacht, von den Menschen und den Herausforderungen ihres Alltags her. Die Antworten ergeben sich im Dialog mit den Gemeindegliedern vor Ort.

Netzwerke bilden

Für die Zukunft empfiehlt Steffen Schramm Gemeinden, danach zu fragen: „Wer ist im gleichen Feld mit uns unterwegs, wo gibt es Kooperationsmöglichkeiten und was könnten wir gemeinsam hinbekommen, das wir allein nicht schaffen?“ Ein Netzwerk, das aus professionellen Akteurinnen und Akteuren und Organisationseinheiten besteht, kann Ressourcen bündeln zum Beispiel bei der Konfirmandenarbeit. Auch eine Vernetzung nach außen, etwa mit Kultureinrichtungen, in der Stadt ist denkbar. „Der Grundgedanke ist, dass man durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Organisationen die eigene Auftragserfüllung verbessern kann. Es kommt mehr Know How zusammen. Das führt zu Neuem und zu mehr Möglichkeiten“, sagt Schramm. „Durch die Arbeit an gemeinsamen Interessen entstehen auch neue Beziehungen. Netzwerke sind sehr flexibel und können ein hohes Maß an Komplexität verarbeiten. Es wird gemeinsam an etwas Sinnhaftem gearbeitet und das heißt in der Kirche an Projekten der Kommunikation von Glaube, Liebe und Hoffnung als Zeugnis der Versöhnung und Befreiung, als Vorzeichen des Reiches Gottes“.

Der Vortrag von Steffen Schramm stieß auf große Resonanz bei den Mitgliedern der Synode. Seine Impulse sollen in den Prozess der Neuausrichtung kirchlichen Handels im Kirchenkreis Düsseldorf in den nächsten Monaten einfließen.

                                                                                                                                                       Ulrike Karpa