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Ganz normale Nachbarn

Helmut-Gollwitzer-Haus der Diakonie wird zehn Jahre alt

Hellmut-Gollwitzer-Haus, Ansprechpartnerin: Sieglinde Wohlleben, Bochumer Straße 9-11, Oberrath, Telefon: 0211 / 41 60 92 20

Sieglinde Wohlleben leitet das Helmut-Gollwitzer-Haus. Foto: Diakonie Düsseldorf

Oberrath (did). Es gab wilde Fantasien, als die Diakonie vor knapp zwölf Jahren ihre Planungen für ein Haus für chronisch mehrfach beeinträchtigte Menschen an der Bochumer Straße vorstellte. In der Nachbarschaft kursierten Gerüchte über die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner, die sie als potenzielle Störung darstellten; Gerüchte, die mit der Realität nichts zu tun hatten. Im ohnehin schon belasten Stadtteil Rath sei kein Platz für eine solche Einrichtung, fanden viele – ohne zu wissen, wer denn da kommen würde.

„In der Regel sind das eher zurückgezogene Menschen, die eine schwierige Lebensgeschichte zum Beispiel mit einer Alkoholsucht und einer psychischen Erkrankung hinter sich haben aber ansonsten Nachbarn wie Du und ich sind“, sagt Sieglinde Wohlleben, Leiterin des Hauses. Jetzt feiert die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen. Probleme mit den Nachbarn: Fehlanzeige. Im Gegenteil: „Unser Haus ist absolut im Stadtteil integriert“, sagt Sieglinde Wohlleben.

Von wenigen Monaten bis hin zu einigen Jahren leben die Bewohnerinnen und Bewohner im Helmut-Gollwitzer-Haus. Sie arbeiten in Einzel- und Gruppengesprächen ihre Geschichte auf, lernen lebenspraktische Dinge wie gesunde Ernährung und trainieren gleichzeitig, ihren Alltag wieder selbst in die Hand zu nehmen. Dazu gehört auch, dass sie Aufgaben im Haus wie die Vorbereitung von Mahlzeiten, Wäschewaschen, kleinere Handwerksarbeiten oder den Gartendienst übernehmen. „Ziel ist, dass die Menschen auf Dauer wieder selbstständig und selbstbestimmt in einer eigenen Wohnung leben können“, sagt Sieglinde Wohlleben.

Das klappt bei den meisten, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Direkt ganz allein zu wohnen, der Schritt ist für viele doch zu groß. Aber zum Beispiel nach der Zeit im Helmut-Gollwitzer-Haus in eine ambulant betreute Wohngemeinschaft zu ziehen, ist für viele ein sinnvoller An-schluss. Zwei Drittel der Menschen schaffen es mit Hilfe des Helmut-Gollwitzer-Haus, die nächsten Schritte in Richtung Selbstständigkeit zu gehen. „Das ist angesichts der Probleme, mit denen die Menschen zu uns kommen, eine sehr gute Quote“, findet Sieglinde Wohlleben. „Wir arbeiten weiter daran, den Menschen eine Chance zu geben, die sonst wohl keine mehr hätten.“