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Fragen über Fragen

"Reformation?" - 95 Impulse zu Religion und Gesellschaft

Stadtmuseum Berger Allee 2, Carlstadt

di - so, 11 bis 18 Uhr, mo geschlossen. Bis zum 3.12.

www.duesseldorf.de/stadtmuseum
Haben die Ausstellung im Stadtmuseum vorbereitet: (v.l.) Architekt Bruno Braun, Autorin Marlene Streeruwitz, Superintendentin Henrike Tetz, Museumsdirektorin Susanne Anna, Choreograf Ben J. Riepe, Ausstellungsmacher Meyer Voggenreiter. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer
Ausstellungsgegenstand Fragen an der Wand. Foto: evdus
Blick in die Ausstellung. Foto: evdus
Das Bücherrondell im Zentrum der Fragenschau. Foto:evdus

    Düsseldorf (evdus). Fragen bewegen die Welt. Heute wie vor 500 Jahren. Luthers 95 Thesen waren keine feststehenden Sätze, sondern fragende Diskussionsanstöße. Im Laufe der Reformation waren Fragen immer wichtig. Luther selbst quälte sich lange mit der Frage nach dem gnädigen Gott, bis er endlich die christliche Freiheit entdeckte. „Fragen helfen uns, die Welt zu erfahren“, sagt Superintendentin Henrike Tetz. 

    „Fragen geben kraftvolle Impulse.“ Von Anfang an war die Reformation auf das Fragen und auf Dialog gerichtet, auf ein gemeinsames Ringen, so die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf. Und das ist gegenwärtig im Stadtmusueum zu erleben. 

    Keine Nacherzählung der Reformationsgeschichte 

    Aus Anlass des Reformationsjuiläums gibt es dort eine Schau unter dem Titel „Reformation?“. Die bringt keine Nacherzählung der Reformationsgeschichte Düsseldorfs, sondern es werden 95 Fragen ausgestellt – Fragen die Künstler, eine Schriftstellerin, ein Architekt, Superintendentin Tetz als Vertreterin der Theologie sowie Musiker und ein Tänzer gestellt haben. Der Ausstellungsmacher Meyer Voggenreiter hat diese Fragen an die Wände der Ausstellungsräume in der ersten Etage des Stadtmuseums gebracht. Für Besucherinnen und Besucher ist das ein Startpunkt für Gespräche und Diskussionen. Voggenreiter und Museumsdirektorin Susanne Anna haben die Fragen der Ausstellung kuratiert und redigiert. 

    Da sind Fragen nach dem Religiösem – etwa die klassische Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Da sind aber auch Fragen nach der Gesellschaft. Zum Beispiel die Frage des Architekten Bruno Braun: „Es gibt so gewaltige Unterschiede in der Welt. Menschen in Braka, Senegal, im Slum wohnend, und wir hier. Wie ist das auszuhalten?“ Braun baut im Senegal derzeit über 1000 Wohnungen für Flüchtlinge. Vor diesem Hintergrund fragt er weiter „Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Warum exportieren wir Waffen und nicht Wohnungen?“ 

    „Lernt der Mensch aus der Geschichte?“

    Die Frage geben Gedankenfutter. Sie provozieren Meinung, die Orientierung in der Welt hervorruft. Das sei ein Grundbedürfnis der Reformation, sagt Tetz. Und so ist der Besucher der Ausstellung eingeladen, sich von den Fragen anregen zu lassen zum eigene Denken und auch zum Reden – mit anderen Besuchern im Idealfall. Wer das schwierig findet, der kann sich auch eines Computers bedienen und da seine Gedanken aufschreiben. Von den 95 Fragen steht täglich eine im Netz, die zum Kommentar einlädt. Eine Reihe von Vorträgen und Lesungen begleitet die Ausstellung. Auch ein interreligiöses Gespräch ist geplant.

    Im Zentrum der Fragenschau steht ein Bücherrondell. Hier haben die Ausstellungsmacher Ihnen wichtige Bücher eingestellt, in denen geblättert und gelesen werden darf. Bei der Pressevorstellung fand dort gleich ein Katalog, der über die Rolle der Frauen in der Reformation informiert, Zuspruch. Das ist eine der Entdeckungen der vielen derzeitigen Reformations-Jubiläumsveranstaltungen, dass heute klar ist, dass es auch Frauen gab, die die Reformation vor fünf Jahrhunderten mit beförderten. Und so weitet die Ausstellung im Stadtmuseum denn den Blick auf das Reformationsgeschehen, wenn den Fragen auch lesend nachgegangen wird. Frage 44 lautet: „Lernt der Mensch aus der Geschichte?“ Wenn Fragen gestellt werden, sicherlich. 

    Ausstellungsführer und Hörstationen

    Zur Ausstellung gibt es für jeden Besucher einen Führer mit allen 95 Fragen in Deutsch, Englisch, Hebräisch und Arabisch. Für Sehbeeinträchtigte und erblindete Besucherinnen und Besucher stehen Hörstationen und Audioguides bereit.