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„Etwas Respekt bitte“ 

Reformationsfest in der Johanneskirche

Gottesdienst zur Reformation in der Johanneskirche am Martin-Luther-Platz. Fotos: Sergej Lepke

Michael Dederichs, stellvertretender Stadtdechant, Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle, und Heinrich Fucks, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises. Foto: Sergej Lepke
Ines Pohl hält die Kanzelrede „Etwas Respekt, bitte“. Foto: Sergej Lepke
Dr. Uwe Vetter, Pfarrer der Johanneskirche, hielt die Liturgie. Foto: Sergej Lepke
Kantor Wolfgang Abendroth führte eine Bach-Motette auf. Foto: Sergej Lepke
Düsseldorfer Kammerchor und Solisten. Foto: Sergej Lepke
Viele waren der Einladung zum Reformationsgottesdienst in der Johanneskirche gefolgt. Foto: Sergej Lepke

    Düsseldorf (evdus). Beim Reformationsgottesdienst am 31.Oktober in der Johanneskirche begrüßte Superintendent Heinrich Fucks Gäste aus Kirche, Brauchtum, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Unter ihnen waren auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel und der stellvertretende Stadtdechant Michael Dederichs. 

    „Etwas Respekt, bitte“, so lautete die Überschrift der Kanzelrede, die Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle in Berlin, in der Johanneskirche hielt. Schon der Reformator Martin Luther forderte vor 502 Jahren im Streit um seine Thesen gegen den Ablasshandel Respekt in der Debatte: „Lasset die Geister aufeinander platzen, aber haltet die Faust stille“, übersetzt: Bewahrt Respekt voreinander, wenn ihr streitet.

    Der Rechtsstaat muss seine Werte verteidigen

    Ines Pohl beschreibt den Respektverlust heute in der virtuellen Welt der sozialen Medien ebenso wie in der realen Welt, „da wird gehetzt, verachtet, erniedrigt und verbale Gewalt ausgeübt“. Beispiele für öffentlich bekundeten Hass sieht sie bei Pegida-Kundgebungen oder bei Verunglimpfungen von Politikern im Netz. Pohl sieht die Justiz in der Pflicht. „Für mich gehört zum demokratischen Rechtsstaat die Verteidigung seiner Grundlagen, und dazu gehört für mich Respekt vor meinen Mitmenschen und der respektvolle Umgang miteinander“.

    Um Respekt stärker in der Gesellschaft zu verankern, nennt Ines Pohl drei Punkte: „Respekt muss justizibel sein“, es gehe um die konsequente Verfolgung von Übergriffen, die im Internet passieren. „Judenfeindliche Straftaten müssen härter geahndet werden“ und die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern solle verbessert werden, damit sie Schülerinnen und Schülern jene Medienkompetenz vermitteln können, die für ein friedliches, respektvolles Miteinander im digitalen Zeitalter unerlässlich ist.

    Kirchen bieten geschützte Räume des Respekts

    Ines Pohl verweist auf die Autorin Carolin Emcke und ihr Buch „Gegen den Hass“. Darin heißt es: „Vielleicht ist der wichtigste Gestus gegen den Hass, dich nicht vereinzeln zu lassen. Sich nicht ins Stille, ins Private, in geschützte des eigenen Refugiums oder Milieus drängen zu lassen“. Hier sieht Pohl die Kirchengemeinden in der Pflicht. „Im geschützten Raum der Kirche kann durch die Auseinandersetzung auch und gerade mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten eine Kraft entstehen, die Respektlosigkeit und Hass da draußen etwas entgegensetzen kann“.

    Kantor Wolfgang Abendroth gestaltete mit dem Düsseldorfer Kammerchor und Instrumentalisten den Reformationsgottesdienst musikalisch mit der Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ von Johann Sebastian Bach.

    Verfasserin: Ulrike Paas