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„Es geht um Beziehungspflege und Sorge“

Evangelische Friedens-Kirchengemeinde aktiv in Bilk: „Nachbarschaft am Telefon“

Wer selbst beim Projekt „Nachbarschaft am Telefon“ der Evangelischen Friedens-Kirchengemeinde mitmachen möchte, kann sich an Gemeindepädagogin Karin Martini wenden per Mail unter seniorenbuero@friedenskirche.eu und telefonisch unter 0211.60 00 15 15.

„Nachbarschaft am Telefon“ hat sie zusammengebracht: Waltraud Menke* und Rolf Dahlmann telefonieren einmal in der Woche ausführlich miteinander. Foto: Sergej Lepke

Unterbilk/Bilk (evdus). Die Evangelische Friedens-Kirchen-Gemeinde kann sich glücklich schätzen: Sie hat eine Gemeindepädagogin, Karin Martini, die seit Jahren mit rund 30 ehrenamtlich Mitarbeitenden für eine lebendige Nachbarschaft sorgt. Rund um die Friedenskirche an der Florastraße in Bilk werden Kontakte gepflegt und ausgebaut. Bei ihr laufen die Fäden zusammen – auch beim Projekt „Nachbarschaft am Telefon“. Wer einfach mal reden will, weil er alleine lebt, neu zugezogen ist, die Wohnung selten verlässt und gern telefoniert, bekommt von Martini eine Person für wöchentliche verlässliche und vertrauliche Telefongespräche vermittelt.

Waltraud Menke* fand zu Beginn des ersten Lockdowns im letzten Jahr eine Postkarte mit der Aufschrift „Wir hören zu“ in ihrem Briefkasten. Sie enthielt Kontaktangebote des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf. Erst legte sie die Karte beiseite, griff dann doch zum Hörer und wurde an das Nachbarschaftstelefon der Friedenskirche in ihrem Wohnbezirk vermittelt. „Bei mir kam Einiges zusammen“, erzählt die 69-Jährige, die an den Folgen mehrerer Erkrankungen heute noch leidet. „Ich habe im Leben immer viel gearbeitet bin im letzten Frühjahr dann in den kompletten Ruhestand gegangen. Diese Veränderung war nicht leicht für mich“, schildert Menke. Zeitgleich ging nach 17 Jahren ihr Auto kaputt und durch die Pandemie fielen auf einmal alle ihre Termine aus wie die monatlichen Führungen im K20 und K21 und die Literaturtreffen in der Kneipe Destille. „Mich überkam eine innere Leere. Ich fühlte mich wie abgeschnitten, zuhause eingesperrt“. 

„Da fragt jemand, wie es mir geht“

Inzwischen telefoniert die alleinlebende Rentnerin seit zehn Monaten wöchentlich jeweils eine Stunde mit Rolf Dahlmann, ihrem gleichaltrigen Telefonpaten von „Nachbarschaft am Telefon“.

Gesprächsthemen gibt es viele: Ihre früheren beruflichen Tätigkeiten reichen von der Finanzdienstleisterin bis zum „Mädchen für alles“ an einem Theater. Mal geht es um Jugenderinnerungen, dann wieder kommt das Alltagsleben der Rentnerin mit geringer Rente zur Sprache. Zum Beispiel, wenn es niemanden gibt, der mal eben eine defekte Deckenleuchte in ihrer Wohnung auswechseln kann und ein Hausmeisterservice zu teuer ist. Für sie liegt der Wert der Telefonaktion darin zu merken: „Ich lebe noch. Da fragt jemand, wie es mir geht“.

„Ich möchte etwas zurückgeben“

„Durch mein Ehrenamt als Telefonpate komme ich mit so witzigen, interessanten Menschen in Kontakt, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Ich erhalte einen Einblick in ihr Leben, einfach spannend. Es geht um Beziehungspflege und um ein gemeinsames schönes Erlebnis“, sagt Rolf Dahlmann. Er hat sich direkt zu Beginn seines Ruhestandes 2017 für gleich mehrere Ehrenämter als Vorlesepate in Kindergärten und als Stadtführer entschieden. Seit dem Start des Projektes „Nachbarschaft am Telefon“ mit Karin Martini war Dahlmann mit dabei. Am Anfang stand ein Einführungskurs. Die Teilnehmenden lernten, mit Nähe und Distanz in einem Telefonat umzugehen und, wann es angemessen ist, in einem Gespräch nachzufragen oder ein Thema lieber ruhen zu lassen.

Wichtig ist für Dahlmann der regelmäßig Austausch mit anderen Telefonpat:innen. „Einmal hatte ich eine Telefonpartnerin, die in einen heftigen Streit mit ihrer Tochter verstrickt war und mich in unseren Gesprächen auf ihre Seite ziehen wollte. Den richtigen Umgang mit dieser Situation konnte ich dann in unserer Gruppe besprechen“, sagt der 69-Jährige. Als Dahlmann eine alte Dame, mit der er wöchentlich telefoniert hatte, plötzlich nicht mehr erreichen konnte, fragte er aus Sorge in ihrer Nachbarschaft nach. Er erfuhr, dass sie gestürzt und ins Krankenhaus gekommen war.

Für Rolf Dahlmann steht fest: „Ich ziehe große Befriedigung aus meinen Ehrenämtern im Ruhestand. Es bedeutet für mich auch ein Dank dafür, dass ich so gut alt geworden bin. Ich möchte etwas zurückgeben von dem, was ich Schönes in meinem Leben erlebt habe“.

*Name von der Redaktion geändert

                                                                                                                                                     Autorin: Ulrike Karpa