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Duften wie bei Luther

In Oberkassel durfte dem Duft der Reformation nachgespürt werden

Heinrich Nagelschmitz und Melanie Florin informierten anschaulich über Düfte – vom Weihrauch bis zum modernen Parfüm. Foto: Andreas Vollmert
Der Gemeindesaal unter der Auferstehungskirche wurde einen Abend lang zum Duftlabor. Foto: Andreas Vollmert
Duftproben bestimmten das Geschehen im Oberkasseler Gemeindesaal. Foto: Andreas Vollmert

    Düsseldorf (evdus). Um allerlei Riechwässer, Kräuter und Räucherwerk ging es bei einem spannenden Abend im Gemeindesaal unter der Auferstehungskirche in Oberkassel. Vor rund 100 Gästen referierten Drogist Heinrich Nagelschmitz sowie die Kulturhistorikerin Melanie Florin. Duften wie bei Luther - Düfte der Reformation, das war das Thema.

    „Sie bekommen jetzt einen reinen Jasminduft. Für mich eine kleine Offenbarung. Er ist honigartig süß, betörend, sinnlich“, erklärt Nagelschmitz den vielen Besucherinen und Besucher an diesem Abend im Gemeindesaal der Auferstehungskirche. Duftstreifen und Tücher wandern durch die Reihen. Heinrich Nagelschmitz referiert über Düfte und Gerüche vor 500 Jahren – also zu Zeiten Martin Luthers. Die Zuhörer wedeln mit den Händen und halten die Nase ganz dicht dran. „Wenn man die Augen schließt, hat man ein großartiges Erlebnis - sehr angenehm“, lautet das Urteil einer Besucherin. „Davon kann man süchtig werden. Sehr intensiv. Hätte ich aber nicht als Jasmin erkannt“, meint ein anderer Besucher.

    Ins Mittelalter entführt

    Heinrich Nagelschmitz entführt die Gäste nach Südeuropa und zeigt auf der Leinwand eine Kirche aus dem Mittelalter. Dazu verteilt er nochmals Duftkarten. Seine Anweisung: „Augen bitte schließen und mal ganz tief einatmen! Wir riechen dieses Eichenholz, Kerzenwachs, Bohnerwachs vom Boden, und wir riechen Weihrauch.“ Den wiederum mochte Reformator Luther nicht, weiß Kulturhistorikerin Melanie Florin an diesem Abend zu berichten: „Martin Luther war davon überzeugt, dass man keinen Weihrauch braucht, damit die Gebete bei Gott ankommen. Er hat ihn nicht ausdrücklich verboten, aber er hielt ihn für verzichtbar.“

    Heilkräuter waren in den Klöstern des Mittelalters sehr verbreitet, erfahren die Teilnehmer. Pflanzen wie Anis, Minze, Zimt und Rosmarin wurden auch bei Luthers in der Küche eingesetzt. Dazu verwandelte seine Frau Katharina von Bora den Mönchsfriedhof in einen Kräutergarten, ist überliefert.

    Parfüm war unbekannt

    Gegen 1500 tauchten in Europa zunehmend ätherische Öle auf. Parfüm nach heutigen Vorstellungen mit raffinierten Rezepturen waren dagegen unbekannt, so Melanie Florin. Das gemeine Volk stank häufig, denn: „Man hatte Angst vor Wasser, da man vermutete, dass es in die Poren der menschlichen Haut eindringt. Der Aberglaube sagte: Verstopfte Poren halten die Körpersäfte im Gleichgewicht und schützen den Körper vor Krankheiten.“

    Am Ende des unterhaltsamen wie informativen Abends ist der Gemeindesaal unter der Kirche in zahllose Gerüche gehüllt. Heinrich Nagelschmitz verteilt abschließend einen modernen Duft einer englischen Parfümeurin und fügt hinzu: „Es sind grüne Zitrone, Osmanthus, Rose, Myrte und Dinge, die sie nicht verrät.“ Augenzwinkernd entlässt er die Gäste: „Wenn man dieses Parfüm riecht, dann hat man das Gefühl den Himmel auf Erden zu haben.“

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    Hier hören Sie einen Audiobeitrag über die Duftprobe zu Luthers Zeiten.