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Düsseldorfer Studentin besuchte Evangelische Emmausgemeinde Moskau

Heimatliche Gefühle in der Fremde

Aljona Hofmann ist Pfarrerin der Evangelischen Emmausgemeinde Moskau. Gottesdienste finden in der deutschen Botschaft in Moskau statt. Im Kindergottesdienst kommt die Kirchenmaus-Handpuppe zum Einsatz. Foto: hak  

Mit interessanten Einblicken in das Gemeindeleben der Evangelischen Emmausgemeinde Moskau, die sie besuchte, ist die Düsseldorfer Studentin Hannah in die Landeshauptstadt zurückgekehrt. Drei Monate verbrachte sie in Moskau, um vor Ort Russisch und Leben und Kultur kennen zu lernen. 


Um zum Ort des allsonntäglichen Gottesdienstes zu gelangen, musste ich an einem hohen Zaun vorbei und eine Passkontrolle passieren. Damit verließ ich Russland und betrat deutsches Hoheitsgebiet – der Gottesdienst findet in der deutschen Botschaft Moskau statt. „Unsere Gemeinde hat keine eigene evangelische Kirche deswegen finden die meisten Gottesdienste seit fast 40 Jahren auf dem Gelände der deutschen Botschaft statt“, erklärt Pfarrerin Aljona Hofmann. Seit September 2015 ist sie Pfarrerin der Evangelischen Emmausgemeinde Moskau. Vor ihrer Stelle in Moskau war sie zwölf Jahre lang Gemeindepfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Kyritz an der Knatter in Brandenburg.

„Nach zwölf Jahren stand einfach eine Veränderung an, und familiär bot es zu sich zu diesem Zeitpunkt auch an ins Ausland zugehen. Meine frühe Kindheit habe ich in der UdSSR verbracht, daher spreche ich noch ein wenig Russisch“, sagt Hofmann. 

Portrait von Frank-Walter Steinmeier im Gottesdienst

Eine junge Studentin der Theologie ist zum Gottesdienst gekommen. „Ich bin zum Studieren für etwa ein Jahr in Moskau und besuche seit kurzem auch die Gottesdienste,“ sagt sie. Bevor der Gottesdienst gefeiert werden kann, müssen die Gemeindemitglieder warten bis die katholische Gemeinde ihren Gottesdienst beendet und der Saal wieder frei ist. Dann wird der Altar vorbereitet, die Kanzel steht bereit. Von einem Portrait an der Wand schaut Frank-Walter Steinmeier dem Geschehen zu. Der Gottesdienst kann beginnen. Im Laufe des Gottesdienstes kommen immer mehr Gläubige dazu.

Die Evangelische Emmausgemeinde Moskau umfasst etwa 100 Gemeindemitglieder. Anders als in Deutschland müssen sich die Mitglieder hierfür aktiv in eine Liste eintragen lassen und auch der Mitgliederbeitrag ist im Gegensatz zu der Kirchensteuer freiwillig.

Die Kollekte wird in Rubel und Euro gesammelt

„Die aller meisten Gemeindemitglieder sind Deutsche und zum Arbeiten hier. Sie bleiben etwa für drei bis fünf Jahre in Moskau. Wir haben auch einige wenige russische Gemeindemitglieder, aber das ist eher die Ausnahme. Eines unserer russischen Gemeindemitglieder ist Deutschlehrerin und sehr deutsch affin,“ sagt Pfarrerin Hofmann. „Zu jedem Gottesdienst findet parallel ein Kindergottesdienst statt, der wird von unseren Konfirmanden und ehrenamtlichen Helfern organsiert,“ erzählt Hofmann. Mit den Kindern feiert die graue Handpuppe „Emmaus“.

Die Gemeinde finanziert sich aus den Mitgliederbeiträgen der einzelnen Gemeindemitglieder und aus der Kollekte, so wurde auch Gottesdienst am 1. Advent für die Evangelische Emmausgemeinde Moskau gesammelt, in Rubel und Euro.

„Wir bestreiten die alltäglichen Ausgaben, zum Beispiel für den Kindergottesdienst, aus der Kollekte. Mein Gehalt, die Pfarrwohnung und andere Fixkosten werden aber aus dem Mitgliederbeitrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bestritten“, so Pfarrerin Hofmann. Nach dem Gottesdienst lädt die Gemeinde zum Kaffeetrinken ein.

Eine junge Gemeinde

Da die meisten Gemeindemitglieder zum Arbeiten in Moskau sind, ist die Gemeinde sehr jung. „Unsere Gemeindemitglieder sind meistens zwischen 30 bis Mitte 50 Jahre alt. Und wir haben keine Senioren,“ sagt Hofmann. Dieser besondere Umstand hat große Auswirkungen auf das Gemeindeleben. „In meiner alten Gemeinde hatten wir drei bis vier Seniorenkreise, die haben wir hier gar nicht, auch werden Abendveranstaltungen nicht angenommen. In Moskau wird meistens bis nach 19 Uhr gearbeitet, da möchten die Gemeindemitglieder den Feierabend lieber mit der Familie verbringen“. Umso wichtiger werden der Gottesdienst und das anschließende Kaffeetrinken. „Es ist schön, hier die Möglichkeit zu haben, mit Muttersprachlern deutsch zu sprechen und sich auszutauschen“, sagt die junge Studentin.

Auch Pfarrerin Hofmann bekräftig, wie wichtig das allsonntägliche Zusammenkommen für die Gemeindemitglieder ist. „Vielen ist es wichtig, dass der Gottesdienst genauso abläuft, wie sie es von zuhause kennen“. Die Gemeindemitglieder nutzen beim anschließenden Kaffeetrinken die Möglichkeit, sich gegenseitig deutschsprachige Bücher zu leihen und sich auszutauschen. Die meisten Mitglieder leben auf dem Gelände der Botschaft oder im deutschen Dorf in Moskau und haben so wenig Kontakt zu Moskovitern.

Weihnachten mit russischem Touch

In der russisch orthodoxen Kirche fällt das Weihnachtsfest auf den 6. Januar, der 24. Dezember ist für die meisten Russen ein ganz normaler Arbeitstag. Dennoch kam die Gemeinde am 24. Dezember zusammen und feierte einen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst. Für den Weihnachtsgottesdienst wurden etwa 150 Besucher erwartet. „Der russische Geschmack ist sehr bunt. Viele Gemeindemitglieder und auch ich haben Festschmuck gekauft, den sie in Deutschland wahrscheinlich nicht mehr verwenden werden,“ sagt Hofmann. Das könnte bei ihr schon bald der Fall sein, denn im Sommer 2021 wird sie wieder nach Deutschland gehen. Viele Gemeindemitglieder werden auch am nächsten Sonntag wieder in den Evangelischen Emmausgemeinde Moskau kommen, Gottesdienst feiern und sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen. „Es ist schön, die Möglichkeit zu haben deutsche Tradition zu begehen“, sagt die junge Theologie-Studentin. So bietet die Evangelische Emmausgemeinde in Moskau den Deutschen heimatliche Gefühle in der Ferne und ermöglicht es den Gemeindemitgliedern auch, sich in der Fremde heimischer zu fühlen. 

hak