0800 081 82 831

„Draußen sein“

Lebensgeschichten von obdachlosen Menschen in Düsseldorf


v.l.: Stefanie Kaufmann, Nicki, Jana Lichter. Foto: Andreas Krebs

Stadtmitte (evdus). „Der Gerichtsvollzieher klingelte an einem Mittwoch um 7.30 Uhr. Rolli trank den letzten Kaffee im Stehen. Er hatte alles gut vorbereitet, Kartons gepackt und die Möbel auseinandergeschraubt. Er wusste, dass er an diesem Tag seine Wohnung verliert. Seitdem ist Rolli draußen“.

So beginnt eine Geschichte in dem Buch „Draußen sein - Lebensgeschichten von obdachlosen Menschen in Düsseldorf“, das die beiden Autorinnen Stefanie Kaufmann und Janna Lichter am Dienstag, 18. Februar, gemeinsam mit den im Buch Porträtierten in der evangelischen Johanneskirche vorstellten.

Die Veranstaltung bildet den Abschluss für das erfolgreiche, ehrenamtlich organisierte Projekt „Draußen sein“. Die gesamten Einnahmen gehen an die BürgerStiftung Düsseldorf. Es kommt Einrichtungen in der Landeshauptstadt zugute, die mit Obdachlosen arbeiten.

Entstanden ist das Projekt „Draußen sein“ aus dem Engagement der Autorinnen für den Gute-Nacht-Bus in Düsseldorf. Die Geschichten, die die Menschen ihnen nachts auf der Straße erzählt haben, fanden die Journalistin und die Fotografin so bewegend, dass sie sie aufgeschrieben und in Bildern festgehalten haben. „Viele Menschen fragen die Helfer am Bus immer wieder, warum es in einem so reichen Land wie Deutschland überhaupt Obdachlose gibt. Das wollen wir anhand von persönlichen Beispielen in unserem Buch ‚Draußen sein‘ erklären. Dafür haben wir neun Menschen aus Düsseldorf zwei Jahre lang begleitet“, sagt Kaufmann.

Das Buch erschien am 5. Dezember 2018 und hat sich so gut verkauft, dass nach wenigen Monaten die zweite Auflage erschien. Stefanie Kaufmann und Janna Lichter organisierten vom Design bis zum Vertrieb alles selbst – ohne Verlag. Die BürgerStiftung Düsseldorf finanzierte den Druck der ersten Auflage und erhält nun die Einnahmen zu 100 Prozent mit deutlichem Gewinn zurück.

Die porträtierten obdachlosen Menschen erfuhren durch das Projekt viel Aufmerksamkeit. Sie wurden in der Stadt erkannt und angesprochen. Das hat allen gut getan. Den meisten geht es heute besser. Nicki hat seit einem halben Jahr wieder einen Job, Rolli seit einigen Wochen wieder eine eigene Wohnung, Sandra hat einen eigenen Gedichtband veröffentlicht, Uwe ein Konzert vor 100 Leuten gespielt, und alle haben mit ihrem Einsatz entscheidend zum Erfolg des Projektes beigetragen.