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„Die Grabpflege in die Hände der Kirchengemeinde legen“

Evangelischer Friedhof in Kaiserswerth geht neue Wege in der Bestattungskultur

Evangelischer Friedhof Kaiserswerth, Leuchtenberger Kirchweg 21,40489 Düsseldorf

Das ist eines der pflegefreien, gemeinschaftlichen Urnengräber. Foto: Sergej Lepke 

Kaiserswerth (evdus). Vom Eingangstor aus lässt sich schon die Kapelle als Verkündigungsstätte sehen, das Herzstück des kleinen evangelischen Friedhofs in Kaiserswerth mit Rheinblick inmitten eines Wohngebietes am Leuchtenberger Kirchweg. Wie bei den meisten Friedhöfen im Land ist auch hier der Wandel in der Bestattungskultur zu spüren. Immer mehr Grabflächen bleiben leer. Der Trend geht zu Urnenbegräbnissen, und die benötigen weniger Platz. Ein zentrales Thema ist für viele heute die Frage der Grabpflege. „Die Menschen möchten nach ihrem Tod ihren Angehörigen nicht zur Last fallen und denen die Grabpflege für zwanzig Jahre aufbürden. Aber sie möchten sicherstellen, dass ihr Grab über einen langen Zeitraum ein würdevoller und gepflegter Ort ist“, sagt Dr. Sabine Grabowski, Friedhofkirchmeisterin der Evangelischen Kirchengemeinde Kaiserswerth. Hinzu kommt, dass sich traditionelle Familienstrukturen zunehmend auflösen und die heutige Gesellschaft immer mobiler wird.

Die Kaiserswerther Kirchengemeinde ist dem Wunsch vieler Gemeindeglieder nachgekommen und hat 2013 das erste pflegefreie, gemeinschaftliche Urnengrab links neben der Kapelle angelegt. Eine Stele, von einem Steinmetz entworfen und mit den Namen und Daten der Verstorbenen versehen, ziert das bepflanzte Urnenfeld, das von einer Friedhofsgärtnerei gepflegt wird. Schnell waren die 32 Plätze belegt, so dass die Gemeinde nach drei Jahren ein zweites pflegefreies Gemeinschaftsurnenfeld rechts von der Kapelle geschaffen hat. „Wir gewährleisten die Pflege des Gemeinschaftsgrabfeldes für 20 Jahre und das zu einem guten Preis“, sagt Grabowski. Ein einmaliger Betrag von rund 1580 Euro für den Platz im Urnengemeinschaftsgrab, Beschriftung der Stele und die Pflege kommt auf Interessenten zu.

Pflegefreie Sargbestattungen in der Zukunft in Kaiserswerth möglich

Für die Zukunft hat sich die Friedhofkirchmeisterin gemeinsam mit dem Presbyterium der Kirchengemeinde ein neues Projekt vorgenommen. Nach dem Modell der pflegefreien Urnengemeinschaftsgräber soll es im nächsten Jahr das erste pflegefreie Gemeinschaftsfeld für Sargbestattungen geben. Am Konzept wird noch gefeilt, die Kosten noch kalkuliert, erste Pläne gibt es schon. „Wir wollen eine bepflanzte Insel in der Mitte eines Feldes anlegen, wo wir auch die Flussbewegung des Rheins aufnehmen und den hier in der Kaiserpfalz vorkommenden Basaltstein einsetzen. Jeder hier Begrabene soll eine Basaltstele mit seinem Namen bekommen. Angedacht ist, Bänke aufzustellen an dem Gräberfeld und dort eine zentrale Trauerstelle auf dem Friedhof zu anzulegen“, sagt Grabowski. Bis zu 36 Särge können auf dem neuen Feld Platz finden.

Für die 52-Jährige ist der Kaiserswerther Friedhof, auf dem auch Familienmitglieder ihre Ruhestätte haben, ein Stück Heimat. „Ich treffe hier auf den ganzen Grabsteinen die Leute, die ich kannte, die Gemeinde auch ausgemacht haben, da spüre ich ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Letztlich treffen wir uns alle auf dem Friedhof. Das hat auch etwas Tröstliches. Der Friedhof soll ein schöner Ort sein, wo man gern hingeht und sich geborgen und aufgehoben fühlt“.

Verfasserin: Ulrike Paas