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Auftaktveranstaltung zum Bürgergutachten 2020

Oberbürgermeister Thomas Geisel begrüßt die Gäste beim Kick-Off zum Bürgergutachten 2020 im Rathaus. Foto: Sergej Lepke
Superintendent Heinrich Fucks wirbt für das Bürgerbeteiligungsprojekt. Foto: Sergej Lepke
Viele waren der Einladung ins Rathaus gefolgt. Foto: Sergej Lepke
Professor Hans J. Lietzmann und seine Mitarbeiterin stellten das Konzept des Bürgergutachtens 2020 vor. Foto: Sergej Lepke
Maria Fischer (BKU) im Gespräch mit dem Moderator Daniel Schneider. Foto: Sergej Lepke
Präses Manfred Rekowski von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Foto: Sergej Lepke
Samuel Coppes (rechts),Jonas Einck (links), Foto: Sergej Lepke
Gruppenbild der Diskutanten: v.l. Heinrich Fucks, Manfred Rekowski,Daniel Schneider, Jonas Einck, Maria Fischer, Dirk Sauerborn und Samuel Cappes. Foto: Sergej Lepke

    Hier erfahren Sie, wie das Bürgergutachten 2020 funktioniert:

    Düsseldorf (evdus). Viele waren der Einladung gefolgt zur Auftaktveranstaltung des Bürgergutachtens 2020 unter der Schirmherrschaft von Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses. Der Evangelische Kirchenkreis bittet in Kooperation mit dem Institut für Partizipations- und Demokratieforschung der Bergischen Universität Wuppertal (IDPF) in den nächsten Monaten Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger im Rahmen eines groß angelegten Beteiligungsprojektes, Antworten zu finden auf die Frage „Wieviel Kirche braucht die Stadt?“

    „Dieses Thema geht die ganze Stadt etwas an. Kirchen haben ein Relevanzproblem. Die beiden großen Volksparteien auch. Für das Miteinander einer Stadtgesellschaft mit ihrer Vielfalt braucht es Werte. Die Fähigkeit zu Solidarität und Empathie sind gefragt“, sagt Geisel. Er wünscht den Kirchen mehr Mut zur Verkündigung, ein unverzagtes, selbstbewusstes Eintreten für die christlichen Werte.

    Was ist dran in der Stadt?

    Superintendent Heinrich Fucks erzählt von „kleinen Formen der Beteiligung“, die er im Alltag zum Beispiel auf dem Wochenmarkt in seinem Stadtviertel im Austausch mit Anderen erlebt. Beim Bürgergutachten gehe es darum, dass sich Menschen über Kirchen-und Stadtentwicklung austauschen und dabei ihre Kompetenz und Erfahrung einbringen. „Jesus ist unter die Menschen gegangen mit der Frage ‚Was willst du, dass ich dir tue?‘, sagte Fucks.

    Der große Vorteil des Bürgergutachtens liegt nach Meinung von Professor Hans J. Lietzmann vom IDPF darin, dass zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger miteinander ins Gespräch kommen. „Was denkt der Andere? Ein Diskurs kann viele Anregungen hervorbringen“, so Lietzmann.  

    Begegnungsorte schaffen

    Bei der Auftaktveranstaltung im Rathaus waren die Gäste einer Podiumsdiskussion „Wieviel Kirche braucht die Stadt?“ Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Dirk Sauerborn, Polizeihauptkommissar und Mit-Initiator von „Lobby für Demokratie“ in Düsseldorf, Maria Fischer, Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Düsseldorf, Jonas Einck, Vorsitzender der Evangelischen Jugend Düsseldorf und Samuel Coppes , Gemeindegründer im Düsseldorfer Süden.

    „Das Verfahren der Bürgerbeteiligung ist gut, weil es unabhängig vom Bildungsstand, Nationalität, Alter Menschen zusammen bringt“, sagt Maria Fischer. Ihr ist es wichtig, Begegnungsorte zu schaffen. Diese könnten in der Entbindungsklinik ebenso sein wie in der Kindertagesstätte oder bei einem freiwilligen sozialen Jahr, einem Sozialdienst zur persönlichen und beruflichen Orientierung.

    Offline-Kontakt und Social Media

    Dirk Sauerborn freut sich über das gestartete Bürgerbeteiligungsmodell in Düsseldorf. „Das ist urdemokratisch. So ein Dialog ist auch ein Beitrag zum Frieden in der Stadt“, sagt er, der gute Kontakte zur muslimischen Community in Düsseldorf und den interreligiösen Austausch pflegt. Während er das persönliche Gespräch, den Offline-Kontakt zu Menschen für unverzichtbar und an erster Stelle sieht, wenn es um die Teilhabe von Menschen geht, sieht Jonas Einck von der evangelischen Jugend Social Media in einer Welt, die immer digitaler wird, als sehr wichtig an. „Die Kirche muss online gut aufgestellt sein“, sagt Einck, der soziale Arbeit studiert und sich ehrenamtlich in einer Notschlafstelle für Obdachlose engagiert. Nach seiner Erfahrung ließen sich Jüngere eher durch Aktionen der Kirche wie der „Seenotrettung“ und der Beteiligung an „Friedays für Future“ gewinnen.

    „Seelsorge findet unsichtbar statt“

    Kirche und Diakonie bringen sich ein in den Quartieren der Stadt. Manches sehe man nicht auf den ersten Blick: „Seelsorge findet unsichtbar statt“, sagt Präses Manfred Rekowski. „Kirche bietet Asyl für Sinnsuchende. In der Kirche kann man Herberge finden, sich willkommen fühlen. Die Zugangswege zur Kirche sollten niedrig sein“.

    Samuel Coppes macht die Erfahrung, dass Viele ein Interesse an Kirche haben, aber nur wenige sich beteiligen wollen. Er und einige Mitstreiter sind gerade im Stadtteil Benrath auf der Suche nach einem Gemeinschaftsgarten als Begegnungsort im Quartier. Darüber könne Kontakt zu ganz unterschiedlichen Millieus entstehen, so Coppes.

    Sonntag – Tag der Unterbrechung 

    Als es um die „Sonntagsfrage“ ging, pflichteten die Diskussionsteilnehmer Unternehmerin Fischer bei: „Der Sonntag ist ein unverzichtbares Strukturelement für unsere Gesellschaft. Der Tag dient vor allem der Familie und der Selbtreflektion. Man kann es auch Beten nennen“, sagt sie. Auch Rekowski sieht im Sonntag einen „Tag der Unterbrechung, der Unverfügbarkeit, der einer Gesellschaft gut tut“.

    Kommunikation ist unverzichtbar

    Wie ein roter Faden durchzog die Diskussion, die von Daniel Schneider moderiert wurde: Für das Zusammenleben in einer modernen Stadtgesellschaft mit all ihrer Vielfalt , Armen und Reichen, Menschen verschiedener Religionen und Lebensentwürfen ist das Miteinander im Gespräch sein unverzichtbar.

    Ein begleitendes Instrument des Bürgerbeteiligungsprojektes sind „runde Tische“, die im Vorfeld stattfinden. Die Diskussion bei der Auftaktveranstaltung im Rathaus gab den Gästen schon mal einen kleinen Einblick in die Praxis. 

                                                                                                                                                          Ulrike Paas