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Begegnung per Whats App und Zoom

Konfirmationsunterricht in der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd in der Coronazeit

von links: Pfarrer Kay Faller, Konfirmand Julian Wesselborg und Konfirmandin Charlotte Ngomo. Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf (evdus). Mit der Konfirmation sagen in diesem Jahr in Düsseldorf 549 Jugendliche „Ja“ zur eigenen Taufe und bekennen sich in einem Segnungsgottesdienst zum christlichen Glauben. Charlotte und Julian sind zwei der 45 Jugendlichen, die sich in der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd mitten in der Corona-Pandemie auf den feierlichen Konfirmationsgottesdienst Anfang September vorbereiten.

Als sich die neue Gruppe der Konfirmand:innen im Sommer letzten Jahres formierte, waren noch gemeinsame Treffen vor Ort an der Stephanuskirche in Wersten möglich – auf Abstand und mit Maske.

In Kleingruppen ging es mit dem Fahrrad auf eine Gemeinde- und Kirchenerkundungstour. Und zum Thema „Abendmahl“ konnten die Jugendlichen eine Umschlagseite ihrer Bibel kreativ gestalten. „Das hat Spaß gemacht. Ich habe eine Weinrebe, einen Kelch und ein Brot gemalt“, sagt Charlotte. Julians Vorderseite der Bibel ziert ein Kreuz, darüber ein blauer Himmel und darunter Dornenbüsche, Symbole für Leben und Tod.

„Solche Aktionen sind für die Jugendlichen gemeinschaftsbildend und werden als bereichernd und inspirierend erlebt. Die Konfis kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnisse, besuchen verschiedene Schulen und machen hier eine wichtige Gruppenerfahrung“, sagt Pfarrer Kay Faller. 

Konfiunterricht verlagert sich ins Digitale

Kurze Zeit später, als das Pandemiegeschehen keine Präsenztreffen mehr zuließ, verlegte Kay Faller den Konfiunterricht kurzerhand ins Digitale. Per Whats App-Nachricht, Mail und via Zoom tauschten sich die Jugendlichen über Bilder und biblische Texte aus.

„Am Anfang war es etwas chaotisch. Einige konnten sich nicht einloggen, andere sind ständig aus der Zoom-Konferenz rausgeflogen oder haben nichts gehört“, sagt Julian, der in dem neuen Onlineformat keine wirkliche Alternative zum herkömmlichen Konfi-Unterricht sieht, weil das persönliche Gruppenerlebnis zu kurz kommt. Auch Kay Faller empfindet bei den Online-Kontakten eine viel größere Distanz untereinander: „Digital redet man anders als wenn man sich in die Augen schaut und sieht, wie es dem Anderen gerade geht. Für mich ist Konfi-Unterricht auch ein Stück Lebensbegleitung in einer wichtigen Phase des Erwachsenwerdens“. 

Geschichte vom barmherzigen Samariter heute

Trotz der Hindernisse im Kontakt untereinander hat das Medium Internet den Jugendlichen geholfen, sich mit Geschichten der Bibel auseinanderzusetzen.

„Was ist Barmherzigkeit? Wer braucht unser Herz und wie sollen wir miteinander umgehen? Bei der Übertragung des biblischen Textes über den barmherzigen Samariter auf die heutige Zeit stand bei den Jugendlichen sehr bald das Thema „Obdachlosigkeit“ im Focus. Persönliche Einblicke in die Arbeit mit Obdachlosen in der Landeshauptstadt gab der Sozialpädagogik-Student Jonas Einck, der für eine Obdachloseninitiative in Düsseldorf arbeitet und seine Bachelorarbeit zum Thema „Obdachlose Jugendliche in Düsseldorf“ schreibt.

In selbst verfassten Geschichten erzählen die Konfis vom Obdachlosen auf der Straße, der durch eine Kioskverkäuferin Hilfe erfährt. Oder von einem am Boden liegenden Überfallenen, den ein Fremder zur nächsten Notaufnahme fährt. Unter dem Titel „Ein Herz für andere“ wurden alle Geschichten der Jugendlichen zu einem Heft für den Vorstellungsgottesdienst in der Gemeinde zusammengefasst.

„Mich erschreckt, dass es auch sehr junge Obdachlose in meinem Alter in Düsseldorf gibt“, sagt der 14-jährige Julian. Charlotte ergänzt: „Ich finde die Filme der Diakonie zur Obdachlosigkeit interessant. Und gut, dass es Obdachlosenunterkünfte nur für Frauen und Mädchen gibt, weil ich glaube, dass es Mädchen und Frauen auf der Straße eher noch schwerer haben als Jungs und Männer“. Für das „Trebecafé“ an der Kölner Straße spendeten die Konfis 250 Euro. Die Einrichtung hilft Mädchen, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben. Der Betrag der Konfirmand:innen wurde von einem privaten Spender auf 500 Euro verdoppelt.

In der Coronazeit finden die Konfirmationen zu verschiedenen Zeiten statt. Manche Kirchengemeinden laden im Mai zu Konfirmationsgottesdiensten ein. Andere feiern im Juni, August und September Konfirmation. Die Evangelische Kirchengemeinde Heerdt hat mit fünf Konfis die kleinste Konfirmandengruppe, während sich in Kaiserswerth 102 Jugendliche auf ihre Konfirmation vorbereiten und die größte Konfi-Gruppe im Kirchenkreis Düsseldorf bilden. 

                                                                                                                                                                                  Ulrike Karpa

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd haben jeweils die Umschlagseiten ihrer Bibel kreativ gestaltet. Foto: Kay Faller