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„Aussetzung des Familiennachzuges ist unmenschlich“

Diakonie Düsseldorf fordert Familiennachzug für Flüchtlinge wieder zuzulassen

Halid Saleh lebt seit 2015 von seiner Familie getrennt in Deutschland. Foto Startseite: Klaudia Dolk (links), Halid Saleh (Mitte) und Thorsten Nolting.  Fotos: Christoph Wand/Diakonie Düsseldorf

Düsseldorf (evdus). Halid Saleh (Name geändert) hat es geschafft, Mossul, die ehemalige Hochburg des IS, zu verlassen und nach Deutschland zu fliehen. Der 35-Jährige ist glücklich, in Düsseldorf in Sicherheit zu leben. Doch unendlich traurig und verzweifelt macht den Familienvater, dass seine Frau mit den vier Kindern in der Türkei festsitzt und er als Flüchtling mit sogenanntem subsidiären Schutz derzeit seine Familie nicht nachholen darf.

Der von der Unionsfraktion eingebrachte Gesetzesentwurf sieht vor, den Familiennachzug bis Ende Juli 2018 weiterhin auszusetzen. Und der gerade mit der SPD in den Koalitionsverhandlungen erzielte Kompromiss, künftig höchstens 1000 Familienmitglieder pro Monat die Einreise nach Deutschland zu gewähren, ändert an der Situation für die vielen betroffenen auseinander gerissenen Familien wenig. 

Thorsten Nolting, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Düsseldorf, findet deutliche Worte: „2015 wurden die Flüchtlinge bei uns willkommen geheißen. Sie sollten sich hier in sicheren Verhältnissen bewegen können. Jetzt steuert die Politik gegen auf Kosten von lebenswichtigen Beziehungen der Betroffenen. Menschen können ohne ihre Angehörigen hier nicht richtig angekommen. Sie können sich nicht konzentrieren auf den Spracherwerb und die Ausbildung, wenn ihr Herz ständig bei ihren zurückgelassenen Familien in der Türkei,  im Irak oder in Syrien ist“.

„Trennung der Familien verhindert Integration“

Die Diakonie sieht in der Aussetzung des Familiennachzugs einen Akt der Unmenschlichkeit und eine Verhinderung gelingender Integration für die hier lebenden meist männlichen Geflüchteten.

Klaudia Dolk, Juristin in der Flüchtlingsberatung der Düsseldorfer Diakonie, sitzt häufig in ihrer Sprechstunde verzweifelten und frustrierten Betroffenen gegenüber. „Viele Männer haben damals die gefährliche Bootsfahrt übers Mittelmehr gewagt, um zu uns zu kommen in der Hoffnung, ihre Familien nach zwei Jahren nachholen zu können. Doch das bleibt den subsidiär geschützten Flüchtlingen vorerst verwehrt“, sagt sie.

Halid Saleh hat seine sehbehinderte Frau und seine Kinder seit dem 16. Oktober 2015 nicht mehr gesehen. Er telefoniert ab und zu mit seinem Sohn in der Türkei. Der Zwölfjährige schlüpft in die Rolle des Vaters und unterstützt seine Mutter und die Geschwister. Saleh weiß nicht, ob er die Trennung von der Familie noch lange aushält. 

Thorsten Nolting fordert von der Politik eine humanitäre Lösung für die hier lebenden Flüchtlinge. „Wir haben es geschafft, die vielen 2015 zu uns gekommenen Flüchtlinge hier unterzubringen. Jetzt sind viele Unterkünfte für Flüchtlinge in Düsseldorf und anderswo leer. Wir würden es auch schaffen, die 50.000 bis 60.000 Menschen im Jahr der hier in Deutschland lebenden als schutzbedürftig anerkannten Flüchtlinge nachzuholen“, sagt der Diakoniepfarrer.

Halid Saleh hat auf vollen Flüchtlingsschutz geklagt – das Verfahren liegt seit fast einem Jahr beim Verwaltungsgericht.

Verfasserin: Ulrike Paas