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Aufbruch nach Bangkok

Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Carsten Körber

Gottesdienst in der Thomaskirche, Eugen-Richter-Straße 10, Mörsenbroich,  am Sonntag, 25. Juni, 10.30 Uhr

Carsten Körber in der Thomaskirche. Foto: Sergej Lepke

Mörsenbroich (evdus). „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, diesen Ausspruch des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer hat sich Pfarrer Carsten Körber zu eigen gemacht, als er 2000 die Pfarrstelle in der evangelischen Thomaskirche in Mörsenbroich übernahm. Nach 17 Jahren packt Körber nun seine Koffer und geht nach Bangkok.

Am Sonntag, 25. Juni, verabschiedet ihn die Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde, die Neugründung der ehemaligen Thomas-Kirchengemeinde, die gerade mit der Evangelischen Matthäi-Kirchengemeinde und der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde zur Emmaus-Kirchengemeinde fusioniert ist.

Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr in der Thomaskirche, Eugen-Richter-Straße 10. Anschließend sind die Besucherinnen und Besucher zu einem Empfang eingeladen.

„Perspektivwechsel - als Fremder im Ausland“

„Ich habe mich schon seit längerem für eine Auslandspfarrstelle interessiert. Mich reizt daran der Perspektivwechsel, als Fremder in einem anderen Land zu leben. Und jetzt, ein paar Jahre vor dem Ruhestand, ist genau der richtige Zeitpunkt für so einen Schritt“, sagt der 57-Jährige, der ab Ende Juli für sechs Jahre Pfarrer in der

deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Bangkok in Thailand wird.

Fernweh ist immer schon ein Motor für Körber, sich auf den Weg zu machen. Als Schüler hat er im Rahmen eines Schüleraustausches ein Jahr in Nordamerika gelebt. Nach dem Theologiestudium arbeitete er mehrere Jahre als biblischer Archäologe in Jordanien. Und seit über 17 Jahren engagiert er sich in der ökumenischen Partnerschaft zwischen den Evangelischen Kirchenkreisen Düsseldorf und Mariental in Namibia, was mit vielen Reisen in das afrikanische Land verbunden ist.

In Thailand leben rund 40.000 Deutsche, darunter viele Rentner. Deshalb gehört zu Körbers neuer Gemeinde auch ein Begegnungszentrum in Pattaya, einer Touristenhochburg. Nicht nur Rentner finden hier einen regelmäßigen Treffpunkt, sondern auch in Bangkok gestrandete Deutsche, teils hochverschuldet oder drogensüchtig sind sie auf Hilfe angewiesen. In der Deutschen Evangelischen Gemeinde erfahren sie sozialdiakonische Betreuung. Mit einer geringen Stundenzahl wird Carsten Körber auch in den Klassen 7. und 8. der deutschsprachigen Schweizer Schule in Bangkok Religion unterrichten.

17 Jahre Gemeindepfarrer in der Thomaskirche

Im Rahmen einer Fortbildung in den USA lernte Körber 2004 die United Church of Christ (Vereinigte Kirche Christi, UCC) kennen. „Diese Kirche hat mich fasziniert. Ihren Leitsatz habe ich für meine Gemeindearbeit in der Thomaskirche übernommen: ‚Gleichgültig, wer Du bist, ganz gleich, wo Du Dich gerade auf Deiner Lebensreise befindest, hier bist Du willkommen‘“, sagt Körber.

So rief er gemeinsam mit zwei Kollegen 2003 in Düsseldorf das „Aktionsbündnis gegen Aids“ ins Leben und gestaltete mehrere Jahre regelmäßig Aidshilfe-Gottesdienste in der Landeshauptstadt. „Im Verlauf der Krankheit gibt es Situationen, in denen Menschen nach dem Sinn des Lebens fragen und ihr Leben reflektieren. Obwohl oft nicht kirchlich gebunden, wenden sie sich dann an die Kirche. Es ist wichtig, die Hand auszustrecken und zu sagen: So wie Du bist -hier bist du richtig“, sagt der Pfarrer.

Neben der Gottesdienstgestaltung, der Kinder-und Jugendarbeit und dem Feiern von Gemeindefesten legte Carsten Körber seinen Schwerpunkt auf die persönliche Begegnung. Dazu zählte ein Bibelkreis, in dem sich Gemeindeglieder über viele Jahre mit ihm einmal in der Woche zum Austausch über die Bibel trafen und so ein intensiver Kontakt entstand. Und bei zahlreichen Hausbesuchen in seinem Viertel, in dem sich nach dem Zweiten Weltkrieg viele Menschen aus dem ehemaligen Ostpreußen und Schlesien eine neue Existenz aufbauten, ging es in den Gesprächen immer wieder um die Themen „Nachwirkungen des Krieges und um Heimat“. Mit Dankbarkeit blickt er auf die „kostbaren Lebensgeschichten zurück, an denen er teilhaben durfte“.

Nach seinem Grundsatz, die Hemmschwellen vor der Kirchentür abzubauen, öffnete Körber die Thomaskirche für zwei inklusive Kunstaktionen mit Gemeindegliedern und psychisch Kranken: Ein Wort-Atelier und kreatives Gestalten im Kirchraum.

„Das Wichtigste in der Partnerschaftsarbeit sind persönliche Begegnungen“

Sein Herz schlägt für die Namibia-Partnerschaft. „Wir haben Namibia gegenüber eine besondere Verantwortung aufgrund unserer gemeinsamen Geschichte“, sagt Körber und erinnert an das Gedenkjahr 2004, in dem an den Völkermord an den Herero und den antikolonialen Widerstandskrieg in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1904 bis 1908 gedacht wurde.

Ein besonderes Highlight war für ihn der Jugendaustausch mit Jugendlichen aus Düsseldorf und Mariental jeweils in Deutschland und in Namibia vor zehn Jahren, aus denen Freundschaften unter den Jugendlichen entstanden sind, die bis heute halten.

Für ihn steht fest: „Das Wichtigste in der Partnerschaftsarbeit sind persönliche Begegnungen, Erfahrungen miteinander zu teilen. Die lebendigen Gottesdienste mit viel Tanz und Gesang in Namibia haben mich sehr berührt“.

Jetzt heißt es Abschied nehmen von Düsseldorf. Sein erstes Projekt in Bangkok wird ein Sprachkurs in Thai sein. „Damit ich mich auf den Märkten und im Taxi mit den Einheimischen verständigen kann“, sagt Körber. Verfasserin: Ulrike Paas