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Arm und einsam: Viele alte Menschen in Düsseldorf sind abgehängt

Diakoniepfarrer Nolting fordert Maßnahmenpaket gegen Altersarmut

Thorsten Nolting sieht alle Bürgerinnen und Bürger in der Pflicht, etwas gegen die Vereinsamung von Menschen zu tun. Foto: Sergej Lepke 

Düsseldorf (did) Immer mehr ältere Menschen sind von Armut bedroht. Von 2010 bis 2015 stieg die Zahl der Menschen über 65, die in Düsseldorf von Transferleistungen abhängig sind, auf gut 9000 an, im manchen Stadtteilen reicht die Rente bei jedem und jeder Fünfte nicht mehr aus. Und eine Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2017 prognostiziert einen weiteren Anstieg in den nächsten Jahren. „Das Thema muss jetzt ernst genommen werden“, sagt Diakoniepfarrer Thorsten Nolting anlässlich des Fachtags zur Altersarmut, der am heutigen Freitag im Düsseldorfer Rathaus stattfand. „Darum ist es auch so wichtig, dass dieser Fachtag stattfindet. Soziale Teilhabe ist ein Menschenrecht und muss für alle möglich sein.“

Für die Menschen am Rande des Existenzminimums sei die Situation oft dramatisch: Vor allem Frauen hätten ihr Leben lang für wenig Geld gearbeitet oder sich für die Familie eingesetzt und kommen nun mit der geringen Rente nicht zurecht – gerade in Düsseldorf, wo die hohen Lebenshaltungskosten dazu kämen. Auch immer wieder auftretende Arbeitslosigkeit nach kurzfristigen Arbeitsverhältnissen, sogenannte „perforierte Erwerbsbiografien“, spielten eine große Rolle. So müssten immer mehr Menschen zusätzlich Grundsicherung im Alter beantragen, täten das aber nach wie vor oft nicht, weil sie sich schämten, eine Sozialbehörde aufzusuchen, oder weil ihnen das Wissen um dieses Recht fehle. Wer knapp über der Grenze für die Grundsicherung liege, habe noch nicht einmal Ansprüche auf Ermäßigungen wie die Befreiung vom Rundfunkbeitrag, den Düsselpass oder das Sozialticket. Außerdem hätten ältere Menschen wenige Möglichkeiten, ihr Einkommen aufzubessern, und könnten so kaum noch am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben.

„Die Folgen sind katastrophal“, sagt Thorsten Nolting. „Die Menschen bleiben zu Hause, die sozialen Kontakte brechen weg, sie vereinsamen. Besonders Männer haben in Sachen soziales Netzwerk oft nicht gut vorgesorgt. Im besseren Fall treffen wir die Menschen noch in den ,zentren plus‘, den Beratungs- und Begegnungszentren, wo wir mit unserer Sozialberatung weiterhelfen können, und wo die Menschen Kontakte knüpfen können, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.“

Nolting fordert ein konkretes Maßnahmenpaket, um der Altersarmut besser zu begegnen. „Wir brauchen mehr kleine, seniorengerechte Wohnen im sozialen Wohnungsbau. Wir brauchen mehr Kapazitäten für die Sozialberatung von älteren Menschen. Wir brauchen Rentenanpassungen, die dafür sorgen, dass nicht noch mehr ältere Menschen in Armut landen. Und wir brauchen Menschen, die hinschauen, sich dafür einsetzen, dass die Menschen, die schon jeden Cent umdrehen müssen, nicht deswegen auch noch vereinsamen. Und da kann jeder von uns was tun.“