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„Ankommen ist ein Menschenrecht“

Der September ist der Monat der Diakonie

Tahssen Elias (links), Pfarrerin Elisabeth Schwab und Diakoniepfarrer Thorsten Nolting haben das Zentralthema des Monats der Diakonie vorgestellt. Es geht um das Ankommen von Flüchtlingen. Foto: Ulrich Erker-Sonnabend

Düsseldorf (evdus). Einen Monat lang ist im September bei der Diakonie und in den evangelischen Kirchengemeinden der Landeshauptstadt „Ankommen“ das Thema. Es geht um die Willkommenskultur.

Ankommen ist gar nicht so einfach

Dass das Ankommen als Flüchtling nicht ganz so einfach ist, hat Tahssen Elias erfahren. Der 25jährige Iraker ist 2015 nach Düsseldorf gekommen. Er war 45 Tage unterwegs, zu Fuß über die Grenze vom Irak in die Türkei geflüchtet und dann weiter nach Düsseldorf. Er musste erfahren, dass es erstmal kaum Unterstützung von den Ämtern gab. Nirgendwo wollte man auf Englisch mit ihm kommunizieren, Dolmetscher gab es nicht. Erst als er zur Diakonie kam, wurde es besser. Er sagt in fehlerfreiem Deutsch, das er inzwischen gelernt hat: „Ich glaube, das ich jetzt hier angekommen bin. Ich war herzlich willkommen. Ich hatte bisher nie das Gefühl gehabt, dass das Land mich nicht mag.“ Der junge Jeside spürt, dass im Alltag der Druck von ihm gefallen ist. Er möchte von dem Guten, dass er erfahren hat, etwas zurückgeben und engagiert sich bei der Diakonie als Dolmetscher und hilft so anderen Flüchtlingen.

Eine Horizonterweiterung hat stattgefunden 

Elias ist ein Beispiel dafür, wie das mit dem Ankommen von Flüchlingen ist. Darum soll es jetzt einen Monat lang im September bei der Diakonie und in den evangelischen Kirchengemeinden der Landeshauptstadt gehen. „Ankommen ist ein Menschenrecht“ - so die Überschrift über dem Monat der Diakonie in Düsseldorf.

Das Thema hat auf einmal ungewollte Aktualität - wegen der Ereignisse von Chemnitz. Geplant war die Düsseldorfer Woche der Diakonie allerdings schon im Frühjahr. Es soll darum gehen, angesichts der in Düsseldorf lebenden Flüchtlinge die Ankommens-Kultur zu stärken.

16 von 19 Kirchengemeinden haben sich „Ankommen“ für den September als Thema vorgenommen. Da gibt es in jeder der mitmachenden Gemeinden Gottesdienste, die zusammen mit Flüchtlingen oder Flüchtlingsinitiativen sowie Flüchtlingsberatungsstellen gemeinsam vorbereitet werden. Zum Beispiel in Wersten, wo die Gemeinde zusammen mit dem NestCafé der Diakonie einlädt (am 9. September, um 10.30 Uhr in der Stephanuskirche, Wiesdorfer Straße 21). Das NestCafé ist ein Beratungs- und Treffpunkt der Diakonie für minderjährige Mütter. Viele von ihnen sind Migrantinnen.

Die Düsseldorfer Kirchengemeinden haben seit 2015 erfahren, dass sich ihr Horizont wesentlich erweitert hat. Viele Gemeinden engagieren sich aktiv in der Flüchtlingshilfe. Es gibt ein großes Netz von Diakonie und Kirchengemeinden. Da kamen dann - als 2015 die Füchtlinge vermehrt kamen - viele Düsseldorfer auf die Gemeinden zu, weil sie ihre Hilfe anbieten wollten.

Gemeniden haben ehrenamtliche Sprachkurse organisiert, Kleiderkammern gegründet und begleiten Flüchtlinge auf den Wegen zu Ämtern und Ärzten, wie Pfarrerin Elisabeth Schwab aus ihrem Bezirk der Emmaus-Kirchengemeinde weiß: „Wir haben Leute neu kennengelernt. Jetzt geht es darum. Dass wir im Gespräch bleiben. Zum Beispiel im Flüchtlingscafé, wo es auch um konkrete Hilfen geht, die Hand in Hand mit der Diakonie angeboten werden.“ In der Gemeinde im Zooviertel und Flingern engagieren sich zum Beispiel nach wie vor rund 30 Männer und Frauen für die dort lebenden Flüchtlinge. Das sind nicht nur Evangelische, sondern auch Katholiken und Muslime. Schwab: „In unseren Einrichtungen merken und erfahren wir, wo es brennt. Wir helfen Menschen in Not – darum geht es.“

Der Monat der Diakonie dreht sich dann auch um die Frage, wo Kirche und Diakonie in der Flüchtlingsfrage heute stehen, so Diakoniepfarrer Thorsten Nolting. Dabei gerät die schreckliche Rhetorik in den Blick, die sich derzeit auch gegen die Kirche richtet, wenn es heißt, „dass wir dafür verantwortlich sind, dass Schlepper ihrem Geschäft nachgehen und Menschen in die Boote steigen“, so Nolting. „Die Rhetorik zielt darauf, dass Menschen umkommen, damit weniger hierher kommen. Als Kirche können wir uns eine Verengung auf den Nationalgedanken und auf das Hochfahren von Mauern nicht vorstellen. Wenn es darum geht, Leben zu retten, ist das immer vorrangig.“

Der Monat der Diakonie startet am Sonntag,2. September, mit Gottesdiensten in verschiedenen Stadtteilen. In der Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, beginnt eine Predigtreihe. Dann spricht Pfarrer Nolting um 10 Uhr unter der Überschrift: „Die offene Stadt gestalten.“

Einen Überblick über sämtliche Termine gibt es im Internet unter www.ankommen-in-duesseldorf.de.