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Acht Punkte für ein Leben in Würde

Netz gegen Armut überreicht Resolution zur Armutsbekämpfung an die Düsseldorfer Bundes-und Landtagsabgeordneten

Zu sehen sind v.l. Diakon Oliver Steinbrecher, Maria Icking vom Netz gegen Armut, Andreas Rimkus (SPD), Stefan Engstfeld (Bündinis 90/Die Grünen), Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Rainer Matheisen (FDP), Marco Schmitz (CDU), Markus Herbert Weske (SPD) und Pfarrerin Cornelia Oßwald von der Evangelischen Kirchengemeinde Gerresheim im Shelter bei der Übergabe der Resolution und der Unterschriftenliste.. Foto: evdus/upa.

Düsseldorf (evdus). Vor zehn Jahren hat sich das Gerresheimer Netz gegen Armut gegründet, ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Organisationen und Institutionen, die gemeinsam mit den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden bedürftige Menschen im Stadtbezirk 7 unterstützen.

Netz gegen Armut mahnt Missstände an

„Bei den vielseitigen und langjährigen Hilfen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Angebote von Hilfsorganisationen die Not nur lindern können, aber dass die Rahmenbedingungen falsch sind und einer Armutsfalle gleichkommen. Die bestehenden staatlichen Instrumente zur Bekämpfung von Armut müssen dringend reformiert werden“, sagt Michael Brockerhoff, der eine Resolution mit acht Punkten zur Verbesserung der Lebenssituation bedürftiger Menschen für das Netz gegen Armut auf mit den Weg gebracht hat. Er ist im Vorstand der Bürgerstiftung Gerricus, die wiederum Teil des Netzes gegen Armut ist.

Resolution und 1200 Unterschriften überreicht

1200 Unterschriften wurden gesammelt von 21 kirchlichen, gesellschaftlichen und sozialen Einrichtungen in Düsseldorf und Bürgerinnen und Bürgern, die diese Resolution unterstützen. Superintendent Heinrich Fucks vom Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf zählt auch zu den Unterzeichnern.

Heute, am 7. Oktober, wurde die Resolution mit der Unterschriftenliste den anwesenden Politikern von CDU, SPD, FDP und den Grünen im Shelter, der Tagestätte für Obdachlose der Diakonie Düsseldorf in der Altstadt, überreicht.

Netz gegen Armut fordert überfällige Reformen

Zu den Forderungen zählen, ein Einkommen oberhalb der Armutsgrenze für Vollzeit-Erwerbstätige, eine Arbeitslosenversicherung, die sehr viel länger als heute ein Abrutschen in die Grundsicherung verhindert, sowie ein größeres Schonvermögen bei der Grundsicherung. „Das ist wichtig, weil sonst alle Bemühungen der Menschen, für ihr Leben vorzusorgen, zunichte gemacht werden. Altersarmut ist programmiert“, sagt Brockerhoff.

Sinnstiftende und sozialverträgliche Beschäftigungsverhältnisse für alle schwer zu vermittelnden Arbeitslosen sind nötig, denn Arbeit stärkt das Selbstwertgefühl und stiftet Sinn im Leben.

Als nötig wird eine gerechte Steuerverteilung erachtet, die die überproportionale Belastung der Geringverdienenden durch die indirekten Steuern berücksichtigt. Kinder benötigen eine Grundsicherung, die sozialpolitische und steuerrechtliche Leistungen bündelt.

Zu den weiteren Forderungen zählen ein Bildungssystem, das Chancengleichheit ermöglicht und soziale Herkunft und Bildungserfolg entkoppelt, eine Rente, die im Alter ein Leben ohne Armut ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Anhebung des Mindestlohns erforderlich.

Letzter Punkt der Resolution ist, die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum für alle. „Wohnen ist ein Grundbedürfnis und Grundlage für ein Leben in Würde“, sagt Brockerhoff.

Umsetzung der Resolution von der Politik gewünscht

Die Gerresheimer Pfarrerin Cornelia Oßwald verweist darauf, dass bedürftige Menschen oft das Gefühl haben, nicht gesehen zu werden und keine Lobby zu haben, die auf ihre Situation aufmerksam macht. Sie wünscht sich von der Politik, dem Netz gegen Armut eine Rückmeldung zu geben, wie die Resolution in der Praxis umgesetzt werden kann.

Bei den in der Diakonie-Tagesstätte Shelter anwesenden Landtagsabgeordneten Marco Schmitz (CDU), Rainer Matheisen (FDP), Markus Herbert Weske (SPD) und Stefan Engstfeld (Bündinis 90/Die Grünen) sowie bei Agnes Strack-Zimmermann (MdB, FDP-Bundesvorstandsmitglied, Ratsfrau in Düsseldorf, und Andreas Rimkus (MdB, SPD) stieß die überreichte Resolution auf breite Zustimmung. Nur die Wege der Umsetzung der acht Punkte sehen je nach Parteibuch unterschiedlich aus. 

Ulrike Paas