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Düsseldorfer Kirchengeschichte

Die Geschichte der evangelischen Kirche in Düsseldorf geht zurück bis in die Jahre unmittelbar nach der Reformation Martin Luthers. 1527 fand das „Düsseldorfer Religionsgespräch“ statt. Was danach alles passierte, ist im Überblick über die Düsseldorfer Kirchengeschichte zu lesen.

1527

Zehn Jahre nach Beginn der Reformation (Thesenanschlag Martin Luthers) findet in einem Gasthaus am Markt das „Düsseldorfer Religionsgespräch“ statt. Luthers Freund Friedrich Mecum (Straße in Düsseldorf) diskutiert mit dem Franziskanermönch Johann Heller.

1560

Johannes Monheim (Straße), Gründungsrektor des einer Universität ähnlichen „gymnasium rei publicae“ (1645) veröffentlicht einen lateinischen Katechismus mit evangelischen Tendenzen. Der größte Teil der Bevölkerung hängt der Reformation an.

Um 1570

Abendmahl mit Brot und Wein und evangelische Predigt in der Lambertuskirche werden abgeschafft. Darauf bildet sich eine lutherische Gemeinde, zu der eine auf Johannes Calvin zurückgehende reformierte Gemeinde tritt. Beide sind verboten, treffen sich als „heimliche Gemeinden“ in Privathäusern und werden zeitweise nur durch Wanderprediger versorgt.

1609 - 1614

Fünf Jahre Duldung durch die neuen lutherischen Herrscher Brandenburg (Kurfürst Sigismund) und Pfalz-Neuburg (Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm). 1610 bauen die Reformierten ein Predigthaus zwischen Bolker- und Andreasstraße. 1612 erscheint das „Düsseldorfer Gesangbuch“ (1833 Seiten, Faksimile 1983 ist vergriffen). 1614 findet die erste protokollierte Gemeindeversammlung statt mit selbstbewusster Kritik an dem Hofprediger. Die Lutheraner halten ihre Gottesdienste in der Bergerstraße. 1614 wird Wolfgang Wilhelm katholisch. Die Folge: erneut „Gemeinde unter dem Kreuz“.

1624

Schließung des reformierten Predigthauses durch die Regierung bis 1643 und Verbot der Religionsausübung. Die Gottesdienste werden wieder in Privatwohnungen gehalten; dasselbe bei den Lutheranern von 1642 bis 1644. Die Gemeinden zählen 700 beziehungsweise 450 Mitglieder.

1648

Mit dem Westfälischen Frieden unwillig gewährte Duldung bis 1815.

1651

Die erste gedruckt überlieferte evangelische Predigt in Düsseldorf im Predigthaus an der Bolkerstraße anlässlich des Todes der reformierten Herzogin Catharina Charlotte.

1674 - 1679

Joachim Neander (geb. 1650) ist Rektor der reformierten Lateinschule am Predigthaus, Bolkerstraße. Vor allem sein Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ (Evangelisches Gesangbuch 317) tritt seinen Lauf um die Welt an. Er dichtet 57 Kirchenlieder und stirbt 1680 dreißigjährig in Bremen. Nach ihm ist das Neandertal und nach diesem der 1856 gefundene Urzeitmensch benannt („Bundeslieder und Dankpsalmen von 1680“ mit ausgesetztem Generalbass, 12,50 Euro; „Joachim Neander, sein Leben, seine Lieder, sein Tal“, 5. Aufl. 2005, 119 S, Grupello-Verlag Düsseldorf, 11.80 Euro).

1683/84

Auf dem Grundstück des Predigthauses, Bolkerstraße, Bau der reformierten Kirche.
Der Turm wird 1687 fertig gestellt.

1687

Die lutherische Kirche an der Bergerstraße wird eingeweiht. Berühmtester Pfarrer ist Bartholomäus Crasselius (1708-1724, Düsseldorf), Dichter des Liedes „Dir, dir, o Höchster, will ich singen“. (EG 328)

Um 1800

Während die reformierten Prediger dem Rationalismus und der Aufklärung verfallen, bleibt der lutherische Pfarrer Hartmann – 65 Amtsjahre in Düsseldorf – dem Bekenntnis treu.

1817

Im Jahr des 300. Reformationsjubiläums werden in Preußen Kirchenkreise gegründet. Der Düsseldorfer umfasst zeitweise die Gemeinden bis Essen und Oberhausen.

1825

Union der Reformierten und Lutheraner zur „Evangelischen Gemeinde Düsseldorf“ mit zwei Pfarrstellen. Der Rationalismus ist überwunden.

1866

Die Gemeinde, die mit 4600 Mitgliedern 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, errichtet für das 1849 gegründete „Evangelische Krankenhaus“ den größten und modernsten Krankenhausbau der Stadt am Fürstenwall. Die Gemeindeglieder, vor allem der „Weibliche Hülfsverein“, engagieren sich mit großen Spenden und Handleistungen für den Unterhalt des Hauses („Ich bin krank gewesen...Das Evangelische Krankenhaus Düsseldorf 1849-1999“, Düsseldorf 1999, 235 S., Grupello-Verlag Düsseldorf, 14,80 Euro).

1881

Die Johanneskirche am Martin-Luther-Platz, die erste große evangelische Kirche in Düsseldorf, wird eingeweiht. Sie ist äußeres Merkmal für das Wachsen der evangelischen Bevölkerung. Konsistorialrat Gottfried Bernhard Adelbert Natorp verfasst eine Geschichte der Gemeinde.

1899

Die Gemeinde zählt elf Pfarrstellen. Die Christuskirche, die Friedenskirche und die alte Matthäikirche werden eingeweiht, 1910 die Kreuzkirche.

1905

Aus Teilen der Gemeinden Urdenbach und Gerresheim wird die Kirchengemeinde Eller-Wersten gebildet. 

1909

Die kommunale Eingemeindung führt eine Reihe von selbständigen Kirchengemeinden in das Stadtgebiet, die aber nicht in die alte Gemeinde Düsseldorf aufgehen: Gerresheim (seit 1879), Rath (seit 1904), Eller-Wersten (seit 1905) und Heerdt-Oberkassel (seit 1906).

1916

Die Kirche an der Bolkerstraße erhält den Namen Neanderkirche (s.o. 1674-1679).

1927

Die Lutherkirche wird eingeweiht („Luther-Kirchengemeinde Düsseldorf 1927-1977“, Rheinland Verlag, Köln 1977, 303 S. 5 Euro und „Unsere Zeit steht in Gottes Händen“, CMZ-Verl. Rheinbach 2002, 227 S., 10 Euro, beides erhältlich bei der Luther-Kirchengemeinde).

1929

Eine weitere Eingemeindung im Norden bringt die Gemeinde Kaiserswerth (seit 1780/82, dort 1822 Pastor Theodor Fliedner) und den ganzen Düsseldorfer Süden in die Stadt, darunter die alte, ursprünglich reformierte Gemeinde Urdenbach, die sich über Benrath, Holthausen, Reisholz und Garath erstreckte. Sie existierte seit 1582, konnte 1693 eine Kirche in Urdenbach bauen, 1909 die Klarenbachkapelle in Holthausen und 1915 die Dankeskirche in Benrath. 1839 trat sie der Union bei („Düsseldorf-Urdenbach, Geschichte der evangelischen Gemeinde und des Ortes“, Grupello-Verlag Düsseldorf, 3. Aufl. 1993, 576 S., 24,90 Euro).

1931

Von der alten in die neue Matthäikirche. Die Gemeinde Düsseldorf ist mit ihren 120.000 Mitgliedern die größte am Rhein und in Preußen.

1933

Am 1. Mai tritt der Superintendent in die NSDAP ein. Unter den 21 Düsseldorfer Pfarrern ist er der einzige (ein anderer tritt dann an seine Seite), der als entschiedener und energischer Anhänger der nazi-hörigen „Deutschen Christen“ (DC) agiert. Durch beeinflusste Wahlen (Rede von Adolf Hitler zwei Tage vorher) gewinnen die DC in der Gesamtkirche – nicht aber im Düsseldorfer Presbyterium – die Mehrheit.

1934

Nachdem sich die „Bekennende Kirche“ (BK) mit der Barmer Erklärung ihr theologisches und mit der Synode von Berlin-Dahlem ihr kirchenrechtliches Fundament gegeben hat, beschließt das Presbyterium, unterstützt von den 19 der BK angehörenden Pfarrern, die rechtliche Loslösung von der Landeskirche. Drei Tage später bewegender Gottesdienst mit 3000 Besuchern in der Johanneskirche. Die Randstadtgemeinden Gerresheim und Eller-Wersten stehen mehrheitlich bei den DC. Andere sind neutral.

1936

Der Gesamtverband, finanzielle Dachorganisation aller Düsseldorfer Gemeinden, wird gegründet. Dadurch wird in allen Düsseldorfer Gemeinden derselbe Kirchensteuersatz angewendet, und die finanziellen Mittel werden nach Notwendigkeit verteilt. Heutige Adresse: Hohe Straße 16.

1942/45

Die meisten Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäuser werden durch Luftangriffe zerstört. 

1945

Wo die Deutschen Christen noch existieren, verschwinden sie. Neuer Superintendent wird Rudolf Harney, ein Mann der Bekennenden Kirche.

1948

Die Gemeinde Düsseldorf mit ihren inzwischen 125.000 Gemeindegliedern wird in sechs nach ihren Kirchen benannte Gemeinden geteilt: Johannes-Kirchengemeinde, Kreuz-Kirchengemeinde, Matthäi-Kirchengemeinde, Christus-Kirchengemeinde, Luther-Kirchengemeinde und Friedens-Kirchengemeinde.

Ca. 1950

Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre werden nicht weniger als 10 neue Kirchen gebaut; in den 60er Jahren sind es sogar 16. Dementsprechend gibt es eine Teilungswelle auf Gemeinde- und Kirchenkreisebene:

1947

Die Gemeinde Eller-Wersten (s.o. 1905) teilt sich in Eller und Wersten.

1947/49

Benrath und Holthausen, zweiter und dritter Pfarrbezirk der Gemeinde Urdenbach, werden selbständige Gemeinden.

1954

Die Markus-Kirchengemeinde, zuletzt 4. Pfarrbezirk von Gerresheim, wird eigenständig. 

1956

Die Lukas-Kirchengemeinde im Bereich Lierenfeld der Christus-Kirchengemeinde wird selbständig.

1959

Die Tersteegen-Kirchengemeinde löst sich aus der Kreuz-Kirchengemeinde. 

1963

Aus der Matthäi-Kirchengemeinde – zu dieser Zeit zählt sie 42.000 Gemeindeglieder – geht die Thomas-Kirchengemeinde und die Melanchthon-Kirchengemeinde hervor. 

1969

Am 1. Juli bildet sich aus der Gemeinde Urdenbach die Kirchengemeinde Düsseldorf-Garath. 

1964

Der Kirchenkreis Düsseldorf wird in vier Kirchenkreise geteilt. Neben Düsseldorf-Mettmann konstituieren sich Düsseldorf-Nord, Düsseldorf-Ost und Düsseldorf-Süd. Die drei innerhalb der Stadt verbinden sich zum „Kirchenkreisverband Düsseldorf“, der die gemeinsamen Aufgaben bewältigt: Evangelische Stadtakademie, Pressestelle, Telefonseelsorge, Jugendreferat, Schulreferat, Frauenreferat. Ihre Zentrale ist das 1971 erbaute „Haus der Kirche“, Bastionsstraße 4-6.

In diesem Jahr zählt man in Düsseldorf 301.741 evangelische Gemeindeglieder, das sind 42,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Von da an sinken die Zahlen. 1987 sind es nur noch 172.268 oder 30,7 Prozent der von 700.000 auf 560.572 gesunkenen Einwohnerzahl der Stadt. Die Entwicklung ist bedingt durch Kirchenaustritte – von 1982 bis Ende 1991 sind es 17.262 – und Abwanderung in freie Wohnlagen außerhalb der Stadt. 

1969

Das 1849 gegründete Evangelische Krankenhaus am Fürstenwall bezieht seinen modernen Neubau in der Kirchfeldstraße. In Deutschland einzigartig wird hier durch Brigitte Schröder (1917 - 2000) die „Evangelische Krankenhaushilfe“, bekannt unter dem Namen „Grüne Damen“, gegründet. Von hier ausgehend stehen heute bundesweit 11.000 „Grüne Damen“ und „Grüne Herren“ dem Pflegepersonal in 700 Krankenhäusern und Altenheimen ehrenamtlich zur Seite.

1970

löst sich die Zions-Kirchengemeinde aus der Kreuz-Kirchengemeinde. Die Teilung von Heerdt und Oberkassel wird vollzogen.

1997

Das Buch „Die evangelische Gemeinde Düsseldorf von ihren Anfängen bis 1948“ erscheint (Grupello-Verlag, 536 S. 29,80 Euro).

2006

Die Gemeinde Büderich wechselt in den Kirchenkreis Krefeld. 

2007

Nach jahrelangen Verhandlungen vereinen sich am 1. Juni die drei Kirchenkreise in der Stadt zum „Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf“. Pfarrer Ulrich Lilie wird zum Superintendenten gewählt. 

2008

Zum 1. August schließen sich die Gemeinden Rath und Melanchthon zur "Evangelischen Ostergemeinde Düsseldorf" zusammen. Der Kirchenkreis umfasst nun 23 Gemeinden mit insgesamt 146.158 Gemeindegliedern. Für das Ziel, nötige strukturelle Entwicklungen abzuschließen, steht das Jahr 2017 vor Augen. Da wird der Kirchenkreis 200 Jahre alt. Zugleich wird die Evangelische Kirche in Deutschland das 500. Reformationsjubiläum feiern.

seit 2010

Am 1. Juni 2010 sind die Verbände (Gesamtverband und Evangelischer Verwaltungsverband Düsseldorf) aufgelöst worden und deren Aufgaben an die neue Abteilung "Finanzen & Organisation" übergegangen. Über die Neustrukturierungen informiert Sie ein Organigramm, das Sie sich hier anschauen können.

Die Arbeit des Kirchenkreises ist seit 2007 in fünf Abteilungen gegliedert: Abteilung Verkündigung, Abteilung Seelsorge, Abteilung Bildung, Abteilung Diakonie, Abteilung Finanzen & Organisation.

Pfarrer Ulrich Lilie wechselt 2010 vom Superintendentenamt des Kirchenkreises Düsseldorf in den Theologischen Vorstand der Graf-Recke-Stiftung (Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann).

Superintendentin Henrike Tetz leitet den Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf und vertritt ihn in der Öffentlichkeit.