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"Spitze eines Eisbergs unsäglichen Leids"

Ein Jahr Corona: Gedenken an Verstorbene und Betroffene

302 Lichter werden zum Gedenken an Verstorbene am Eingang der Johanneskirche entzündet. Foto: Sergej Lepke
Zum Jahrestag der Beginn der Corona-Pandemie gedachte der ökumenische Gottesdienst dallenBetroffenen der Pandemie. Foto: Sergej Lepke
An dem Gottesdienst wirkten u.a. Superintendent Heinrich Fucks, Oberbürgermeister Stephan Keller und Stadtdechant Frank Heidkamp mit. (v.l.n.r.)
Schwester Birgitt Cox, Intensivpflegerin am St. Vinzenz-Krankenhaus, berichtet, wie sie die Anfangszeit der Pandemie auf der Intensivstation erlebte. Foto:Sergej Lepke.
Während der Fürbitten wurde für jeden Monat des Pandemie-Jahres eine Kerze auf dem Altar entzündet. Fotos: Sergej-Lepke

    Der Gottesdienst ist auf dem Youtube-Kanal der Johanneskirche abrufbar.

    302 Lichterleuchteten gestern Abend vor dem Eingang der Düsseldorfer Johanneskirche zum Jahrestag des ersten Lockdowns – Erinnerung an die in Düsseldorf an und mit Corona Verstorbenen. Die Infektionskrankheit Covid-19 hat viele Opfer gefordert. In der Bundesrepublik sind 74.714 Menschen bisher daran gestorben. Davon 302 in Düsseldorf. 

    „Die Zahlen sind Spitze eines Eisbergs unsäglichen Leids, das noch größer wird“, sagte Superintendent Heinrich Fucks zu Beginn des ökumenischen Gedenkgottesdienstes in der Düsseldorfer Johanneskirche, der von der von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Düsseldorf ausgerufen wurde.

    Der Gottesdienst stellte verschiedene Perspektiven der Corona-Pandemie in den Mittelpunkt. „Alle Lebensbereiche sind betroffen, alle sind in großer Sorge, Ratlosigkeit und Wut greifen um sich. Wie wird es weitergehen? Diese Erfahrungen und die Frage bringen wir heute vor Gott. Aber auch unser Dank und Staunen, was alles Großartiges geleistet wurde, den Segen, den Menschen über Stadt und Land gebracht haben“, so Fucks.

    Darauf folgten die Eindrücke und Wünsche aus Sicht der Menschen aus den Bereichen Seelsorge und Pflege sowie des Gesundheitsamtes, die Betroffene begleiteten. die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind. So erinnert sich Schwester Birgitt Cox, Intensivpflegerin am St. Vinzenz-Krankenhaus, an die Zeit im März 2020, als die ersten Covid-Patienten eintrafen. Kolleg:innen aus den Abteilungen OP und Anästhesie unterstützten das Pflegepersonal auf der Intensivstation, da das OP-Programm minimiert wurde. 

    So mussten diese Pflegekräfte eingearbeitet werden und für neue Beatmungsgeräte musste erst einmal eine Einweisung für alle erfolgen. Gleichzeitig wurde es immer schwieriger, Schutzkleidung in ausreichender Stückzahl zu bekommen. Sie schildert, wie groß der Aufwand für die Pflege der Patienten ist, denn „je mehr lebensnotwendige Organe ausfallen, desto aufwendiger ist auch die Versorgung.“ Aus nächster Nähe bekam sie mit, wie sich Patienten und deren Familien hilflos und alleingelassen fühlten. Für das Erlebte findet sie deutliche Worte: „Viele Patienten schafften es nicht und verstarben ohne Beisein ihrer Angehörigen. Das hat uns allen immer wieder neu zugesetzt. Umso fassungsloser und wütend macht es dann, wenn vor den Fenstern der Intensivstationen demonstriert und Corona geleugnet wird.“

    Insgesamt zwölf Kerzen, jeweils eine für jeden Monat des vergangenen Jahres, wurden während der Fürbitten auf dem Altar entzündet. Daran beteiligte sich auch Oberbürgermeister Stephan Keller, der für Kraft, Geduld, Verständnis und Beistand für die Menschen in Düsseldorf bat. Die Kollekte des Gedenkgottesdienstes kommt der Corona-Hilfe der Caritas und er Diakonie in Düsseldorf zu Gute.

    Der Gottesdienst ist auf dem Youtube-Kanal der Johanneskirche abrufbar.