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Düsseldorf und Bohlabela

Gottesdienst in der Gemeinde Green Valley. Foto: Wölk

Seit rund 30 Jahren gibt es Beziehungen zwischen den evangelischen Kirchengemeinden in Düsseldorf und den zehn Gemeinden des Kirchenkreises Bohlabela. Die Ursprünge der Partnerschaft liegen in den Zeiten der Apartheid. Jetzt ist die Provinz Mpumalanga, in der Bohlabela liegt, Partnerprovinz des Landes NRW.

Wo liegt Bohlabela?

Der Kirchenkreis Bohlabela gehört zur Nord-Diözese der Evangelical Luthern Church in Southern Africa (ELCSA). Die ELCSA ist eine Kir­che schwarzer Christen, die durch das Berliner Missionswerk gegründet wurde und seit Anfang der 1970er Jahre selbständig ist. 

Östlich von Johannesburg

Das Gebiet des Kirchenkreises Bohlabela liegt rund 450 Kilometer östlich von Johannesburg im ehemaligen Homeland Lebowa.

Geographisch erstreckt sich der Kirchenkreis auf das Gebiet zwischen Burgersfort (NW), Kgautswane (N), Arcornhoek (NO), Lydenburg/Mashishing (W), Nelspruit (S), White River (SO) und dem Küger-Nationalpark (O). Politisch liegt er in der Provinz Mpumalanga (früher Osttransvaal, heute Partnerprovinz des Landes NRW), einige der nördlichen Gemeinden liegen bereits in der Provinz Limpopo.

Die Gemeinden Bohlabelas liegen in einer touristisch erschlossenen Region des Landes mit guten gute Straßenverbindungen außerhalb der Orte, bekannten Touristenzielen wie dem Blyde River Canjon. Die Menschen in dem Kirchenkreis partiziperen aber kaum davon.

Der Kirchenkreis besteht aus 10 Gemeinden (Akornhoek, Bosmo, Kgautswane, Mashishing, Matibidi, Nelspruit, Sabie, Tubatse, Tswetlane und White River). Diese sind wiederum in viele, teilweise zahlenmäßig sehr kleine Gemeindebezirke aufgeteilt, die wiederum flächenmäßig oft weit verstreut liegen. Sie alle liegen in ehemaligen Townships und Homelands, in Gebieten, in die die Schwarzen vom damaligen Apartheidsregime zwangsumgesiedelt wurden.

Überwiegend gehören die Kirchenmitglieder dem Stamm der Northern Sotho an, deren Sprache auch prägend in Gemeinde und Gottesdiensten ist. In der Partnerschaft mit Düsseldorf ist jedoch Englisch die Verkehrssprache.

Die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas hat diese Region – insbesondere die Bereiche, in denen die schwarze Bevölkerung wohnt - bisher nur eingeschränkt erreicht. Nach wie vor liegen die Schatten der Apartheid auf der Region und die Menschen leiden unter deren Folgen, insbesondere die Trennung in eine weiße und schwarze lutherische Kirche macht das sichtbar. Nur in Nelspruit gibt es Kontakte zu weißen Christen. 

Erschreckend hohe Armut

Die Armut ist weiterhin erschreckend hoch, die Arbeitslosigkeit ein Dauerproblem (rund 60 Prozent unter den Gemeindegliedern der Region). Gemeindeglieder sind, wenn sie berufstätig sind, im Bildungs- und Verwaltungssektor oder in Großstädten und den entfernten Minen tätig und daher von ihren Familien längere Zeiten im Jahr getrennt. Kinder und Senioren sind die beiden Altersgruppen die regelmäßige finanzielle Zuwendungen erhalten.

HIV-Problematik

Die HIV/Aids-Problematik ist erst seit einigen Jahren ins Blickfeld des Nachdenkens und der Arbeit genommen worden, vor allem seit den beiden letzten wechselseitigen Delegationsbesuchen in den Jahren 2004 und 2005. Von deutscher Seite ist ein wichtiges Anliegen, die Partner in diesem Bereich zu unterstützen und mit ihnen darüber auch in einen theologischen Austausch zu treten. Doch ist dies nur sehr vorsichtig möglich, was auch mit dem eigenen schwarzafrikanischen theologischen Umgang mit dem Thema (Stichworte: Sünde, Strafe, Kondomproblematik etc.) zu tun hat.

HIV/Aids war lange ein Tabuthema in der Partnerkirche (O-Ton: „Nein, in unseren Gemeinden haben wir keine Betroffenen.“). Erst allmählich hat hier ein Umdenken eingesetzt, vor allem angestoßen durch die aktiven Frauen in den Gemeinden, die sich als pflegende Angehörige und als volunteers“ (Ehrenamtliche) in Projekten engagieren und das Tabu brechen. Nur zögerlich hat man sich eingestehen müssen, dass Betroffene in den Gemeinden leben, diese aber vielfach Ausgrenzung erleben.

In den letzten Jahren haben die Frauen des Kirchenkreises ein HIV/Aids-Projekt ins Leben gerufen, das auch von Düsseldorf unterstützt wird. Gleichzeitig werden mit diesem Projekt Behinderte, Straßenkinder, Waisen, Kranke und Senioren betreut. 

Die Geschichte der Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Bohlabela/Südafrika (Norddiözese der „schwarzen“ ELCSA) und dem ehemaligen Kirchenkreis Düsseldorf-Süd (EKiR), heute Teil des Kirchenkreises Düsseldorf, bahnte sich ab 1979 über die Vermittlung des Berliner Missionswerks (BMW) an.

1980 waren erstmals Vertreter aus der Norddiözese der ELCSA in Düsseldorf zur ersten Kontaktaufnahme für eine zukünftige Partnerschaft.

Spätestens also seit Ende 1980 bzw. Anfang 1981 besteht die Partnerschaft offiziell – genaue Daten gibt es unsererseits nicht; eine erste offizielle Partnerschaftsdelegation aus Bohlabela besuchte Düsseldorf dann im Jahr 1983.

Partnerschaft unter den Bedingungen der Apartheid

Die Partnerschaft musste unter den schwierigen Bedingungen der Apartheid aufgebaut werden. Zunächst sind einzelne Pfarrer aus Düsseldorf-Süd offiziell zum „Urlaub im Krüger-Nationalpark“ nach Südafrika gereist und haben tagsüber die Partner in den Townships besucht.

Ziel dieser ersten Besuche war, die Situation der Partner vor Ort kennen zu lernen, die Solidarität mit dem Kampf gegen die Apartheid zum Ausdruck zu bringen und finanzielle Unterstützung zu übergeben.

Anfangs bestand die Partnerschaft als „grassroot“-Partnerschaft aus Einzelkontakten mit mehr oder weniger regem Briefaustausch zwischen den Gemeinden (jeweilige Zuordnung hiesiger und dortiger Gemeinden für direkte Kontakte) aus dem Kirchenkreis Düsseldorf-Süd und dem Kirchenkreis Bohla­bela, hinzu kamen Pakete mit Kleiderspenden (auf Wunsch der Partner), Spenden für Projekte zum Aufbau der Infrastruktur für die weit verstreuten Gemeinden, Unterstützung für die Sa­nierung von Kirchen und Pfarrhäusern (z.B. im Gemeindebezirk Dullstrom, zugehörig zu Mashishing/Lydenburg), die Finanzierung eines Gemeindeautos und ein Brun­nenbau.

Miteinander auf Augenhöhe

Diese erste Zeit war jedoch geprägt und belastet von der Apartheid. Das vorurteilsfreie Miteinander auf Augenhöhe von den weißen Partnern und den Schwarzafrikanern wurde als großes Geschenk wahrgenommen.

Nach Ende der Apartheid suchte man nach Wegen, Selbsthilfeprojekte zu unterstützen. Es kon­kretisierte sich die Idee, die Landschenkung „Spekboomfarm“ zu kultivieren, so dass die Partner in Eigenverantwortung eine Obst- und Gemüseplantage mit Schule - inklusive Schülerspeisung - entwickeln. Dafür wurden Spendengelder gesammelt und die nötigen Kontakte (u.a. mit dem Technischen Hilfswerk für Brunnenboh­rung) geknüpft. Doch leider wurde das Projekt mangels Erfahrung, Bildung und Anleitung nich konsequent durchgehalten. Endgültig zunichte gemacht wurde es durch die Ansiedlung „wilder Siedler/Landbesetzer“ (squatter), der sich die Gemeinden hilflos ausgesetzt fanden. Kon­flikte mit weißen Farmnachbarn um die Wassernutzung kamen hinzu.

Das Problem der Bildung und beruflichen Befähigung sowie der Schwierigkeit, Wissen und Know-How zu transportieren besteht aufgrund der tiefen Verletzungen durch die Apartheid bis heute. Einerseits ist man stolz, ehemalige Missionskirche zu sein (diese Mission begann im Bereich der Gemeinde Akornhoek 1916 mit Reverend Mashile, dessen Grab – und das seiner Frau - sich neben der Bethel-Church befindet), andererseits ist Selbständig­keit sehr wichtig.

Geistlicher Austausch

Aufgrund der Erfahrungen mit Selbsthilfeprojekten, insbesondere der Spekboomfarm, sind keine weiteren Spenden für spezielle Großprojekte mehr transferiert worden. Aber der frühere Kirchenkreis Düsseldorf-Süd hat bis 2007 jährlich einen Betrag von 5.000 Euro für die zielgerichtete und kurzfristige Ver­wendung innerhalb des Kirchenkreises und der Gemeinden (vor allem für diakonische Projekte) über­wiesen. Über die Verwendung der Gelder hatte der dortige Partnerschaftsausschuss zu entschei­den und dem Kirchenkreis Düsseldorf-Süd zu berichten.

In den letzten Jahren war vor allem der geistliche Austausch und die Fürbitte füreinander ein wich­tiges Anliegen der Partner. 

Partnerschaftsbesuche

Bisher gab es eine Reihe von Besuchen aus Südafrika in Düsseldorf.

Die erste Delegation (4 Personen) kam 1989 unter Superintendent Kaphola, danach folgten Delegationen 1996 unter Superintendent Maliseha, Januar 1997 eine Gruppe Jugendlicher, 2002 (4 Personen) und 2004 (2 Personen, parallel und kurzfristig geplant zu Partnerschaftsbesuchen aus Namibia und Ruanda, den anderen beiden Afrikapartnerschaften der Düsseldorfer Gemeinden) unter Superintendent Matsenene. - Zwischen 2007 und 2009 flachte der Kontakt wiederum, teilweise aus kommunikationstechnischen Gründen, ab. Seit 2010 stehen Mailkontakte zur Verfügung.

Besuche von Düsseldorfer Gemeindegliedern in Südafrika

Aufgrund der Apartheid gab es im ersten Jahrzehnt einzelne Urlaubsbesuche von Pfarrern im Krüger Nationalpark mit Besuchen in den Townships; nach dem Ende der Apartheid reiste die erste Delegation November 1994 (unter Superintendent Strömer), 1999 gab es den Gegenbesuch einer Jugendgruppe, dann die Besuche 2005 (7 Personen) und 2010 (2 Pfarrer, in Verbindung mit einer Partnerschaftskonsultation des Berliner Missionswerkes und der Norddiözese der der Evangelical Luthern Church in Sou­thern Africa).

Partnerschaftsarbeit in Bohlabela

Die Partnerschaftsarbeit wird in Bohlabela durch ein Partnerschafts-Komitee, in Düsseldorf durch den Arbeitskreis Südafrika des Kirchenkreises koordiniert.

Partnerschaftssonntage

Die Partnerschaftsarbeit wird in Bohlabela durch ein Partnerschafts-Komitee, in Düsseldorf durch den Arbeitskreis Südafrika des Kirchenkreises.

Zur Intensivierung des Bewusstseins der Partnerschaft und zur Förderung des geistlichen Austausches, wurde in den letzten Jahren regelmäßig in vielen Düsseldorfer Kirchengemeinden zur gottesdienstlichen Feier des Partnerschaftssonntages mit Infomaterialien sowie Fürbittenwünschen aus beiden Partnerkirchenkreisen eingeladen. 

Projekt „Taufkreuz“

Beim Besuch 2005 in Bohlabela hatte jede Gemeinde im Kirchenkreis Bohlabela ein Glaskreuz in den Farben des Re­genbogens als Gastgeschenk und Zeichen unserer Verbundenheit bekommen. In vielen Gemein­den des ehemaligen Kirchenkreises Düsseldorf-Süd hängen ebenfalls diese Kreuze. Daraus ist die Idee erwachsen, jedem Täufling hier in Düsseldorf in unseren Gemeinden ein kleines buntes Glaskreuz zur Taufe zu schenken, um darüber die Partnerschaft im Leben und Denken der Gemeinden lebendig zu halten und weiter zu tragen. Viele Kirchengemeinden haben diese Idee aufgenommen.

Verfasst unter Zuhilfenahme von Texte aus der Partnerschaft - Autoren: Pfarrer Eberhard Löschcke und Pfarrer Hartmut Wölk; Redaktion: Dr. Ulrich Erker-Sonnabend

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