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Text-unterstützte Gottesdienste

Gottesdienst zum Mitlesen

@ Foto: Sergej Lepke

Immer mehr Gottesdienstbesucher/innen können dem Gottesdienst aufgrund ihres Hörvermögens nicht mehr oder nur mit Anstrengung folgen.

Sie sind da, aber nicht dabei. Sie sind anwesend, aber das verkündigte Wort erreicht sie nicht und in das gemeinsame Gebet können sie nicht einstimmen.

Text-unterstützte Gottesdienste sind ein niederschwelliges Angebot, in dem Ortsgemeinden den sonntäglichen Gottesdienst optisch so unterstützen, dass Hörgeschädigte folgen und mitfeiern können. Faktisch wird das gesprochene und gesungene Wort via Powerpoint optisch (zum Mitlesen) angeboten.

Um das Erstellen der Text-unterstützten Gottesdienste zu erleichtern, werden im Folgenden liturgische Elemente, Lieder, Psalmen und Bibeltexte der Perikopenordnung (als Luthertext und Hoffnung für Alle) angeboten. Die Folien können ausgeschnitten und in die eigene Präsentation eingebunden werden. Der/die für den Gottesdienst Verantwortliche muss also nur noch die eigenen Gebete und die Predigt selbst als Powerpoint erstellen.

Text-unterstützte Gottesdienste sind kein Ersatz für deutliche Aussprache der beteiligten Liturgen/Liturginnen, moderne sprachgeeignete Mikrofone, funktionierende Verstärkeranlage und Induktionsanlage. Aber besonders in Zeiten knapper Kassen flankiert die optische Maßnahme die Anstrengungen, akustisch gut rüberzukommen. 

Die Idee

In Düsseldorf wurde dieses Verfahren in zwei Altenheimen und zwei Kirchengemeinden unter dem Namen „Gottesdienst zum Mitlesen“ eingeführt. Natürlich werden Gottesdienste nicht mitgelesen, sondern gemeinsam gefeiert. Es wird gemeinsam gebetet, gemeinsam gesungen und gemeinsam  konzentriert sich Gemeinde auf Gottes Wort. Wer allerdings dem gesprochenen Wort nicht oder nur eingeschränkt folgen kann, der ist aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Hörgeschädigte stimmen hier mit den Füßen ab. Das Lob des sonntäglichen Fernsehgottesdienstes hängt auch mit der Verständlichkeit und den Untertiteln zusammen.

Text-unterstützte Gottesdienste sind ein Angebot, bei dem Hörgeschädigte das, was akustisch nicht ankommt, optisch ergänzen können. Schwerhörige können unbekannte oder untergegangene Worte auf einen Blick ergänzen.  Ertaubte holen sich eine Information, die ihnen beim Absehen (von den Lippen) verloren gegangen ist.

Daraus folgen Anforderungen für die räumliche Installation und das Format der Folien.

Die Projektion sollte nahe an der sprechenden Person zu sehen sein. Die Augenbewegung zum verschriftlichten Wort sollte so minimal wie möglich sein. So wird es für den Hörgeschädigten einfacher, dem gesprochenen Wort zu folgen. Je weiter weg vom Redenden projiziert wird, umso mehr wird das Wort zum Text, das gelesen wird.

Am deutlichsten nachvollziehbar ist das beim ausgedruckten, verteilten Text. Wer einen Text in der Hand hat und liest, ist schon von seiner Haltung her beim Text, liest für sich selbst und ist dadurch von der gemeinschaftlichen, gottesdienstlichen Feier ausgeschlossen.

Auch wenn es grundsätzlich sinnvoll ist, den liturgischen Raum dadurch zu beleben, dass unterschiedliche Liturginnen und Liturgen an unterschiedlichen Orten sprechen – für Text-unterstützte Gottesdienste sollte aus obigen Gründen darauf verzichtet werden. Wenn ich davon ausgehe, dass diese Gottesdienste, die Hörgeschädigte integrieren, im optimalen Fall im zweimonatlichen oder monatlichen Rhythmus stattfinden, dann ist das ein eingehbarer Kompromiss.

Das verschriftlichte Wort wird als Powerpoint-Folie in der Schriftgröße 44 als weiße Schrift auf schwarzem Grund angeboten. Dies hat sich in der praktischen Arbeit als am einfachsten zu lesen bewährt.

Die Sätze werden, wo möglich an syntaktischen Elementen strukturiert und auf sechs bis sieben Zeilen begrenzt. So können die Satzeinheiten schneller überflogen und das Nichtverstandene ergänzt werden.

Diese Einstellungen haben sich auch für Predigt und Gebete bewährt

Einführung der Text-unterstützten Gottesdienste

Rechnen Sie bei Einführung des Formats mit Widerständen.

Einige nicht von Hörschädigung betroffene Gemeindeglieder werden aus ästhetischen Gründen protestieren. Zum Teil werden diese angeben, sie wollten nicht zum Mitlesen genötigt werden.

Zum Teil werden Seniorinnen und Senioren sich dagegen wenden, mit der Begründung, sie hätten die Projektion (noch) nicht nötig.

Rechnen Sie nicht damit, dass Hörgeschädigte, die einen Nutzen davon haben, sich zum Nutzen bekennen. Nach einiger Zeit werden Sie aber bemerken, dass einige Gemeindeglieder kommentarlos wieder kommen.

Sie selbst werden sich vielleicht daran stören, dass die Gottesdienstbesucher nicht Sie ansehen, sondern die Leinwand. Dieser Effekt ist umso stärker, je weiter weg der projizierte Text vom Liturgen/Predigerin ist. Wenn diese Gottesdienste regelmäßig angeboten werden, dann lässt dieser Effekt nach.

Für die Guthörenden, die nur aufgrund des Fernseheffektes zum Text sehen, lässt die Ablenkung nach. Hörgeschädigte, werden nur noch auf die Leinwand sehen, wenn sie akustisch etwas nicht verstanden haben.

Sie selbst werden vielleicht die Mehrarbeit scheuen. Mit der Zeit macht es wenig bis keine Mehrarbeit, direkt in PowerPoint zu schreiben. Mit der Zeit spielt sich auch der Aufbau im Kirchraum ein und wird zu Routine.

Die Teilhabe der schwerhörigen und ertaubten Gemeindeglieder in der gottesdienstlichen Feier sollte den Mehraufwand wert sein. 

Mehrwert

Die gottesdienstliche Feier hat durch die Projektion zusätzlichen Gewinn.

Der Gemeindegesang wird deutlich belebt.

Dadurch, dass Liedtexte vorne abgelesen werden, hat die Gemeinde eine aufrechte Sitzhaltung (im Vergleich zum Singen aus dem Gesangbuch) und der Gesang wird frischer.

Die Hemmschwelle, neue Lieder auszuprobieren, wird geringer.

Zwar können die Noten nur unter Problemen projiziert werden. Neue Melodien können von den Kantorinnen und Kantoren eingeübt werden. (Allerdings sollte ein Interessenkonflikt beachtet werden, da stark Schwerhörige und Ertaubte neuen Liedern nicht folgen können.)

Wenn gewöhnlich projiziert wird, dann kann der Gottesdienst auch liturgisch flexibler werden. 

Dank

Besonderer Dank gilt den Bibelgesellschaften und der EKD für die unkomplizierte Erlaubnis, die Bibeltexte, Lieder und EG-Psalmen im Internet als Power-Point einzustellen. Der Rechtehinweis auf den einzelnen Powerpoint-Folien soll im Gottesdienst natürlich nicht gezeigt werden.

Materialien

Die Materialien für Text-unterstützten Gottesdienste können Sie herunterladen.

Hier finden Sie die Materialien in Form von Powerpoint-Präsentationen.